{"id":6105,"date":"2016-02-03T09:49:52","date_gmt":"2016-02-03T08:49:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6105"},"modified":"2016-02-03T09:49:52","modified_gmt":"2016-02-03T08:49:52","slug":"wie-die-uni-nach-tuebingen-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/02\/03\/wie-die-uni-nach-tuebingen-kam\/","title":{"rendered":"Wie die Uni nach T\u00fcbingen kam"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Was ist typisch f\u00fcr T\u00fcbingen? In dieser Reihe geht es um die Facetten der Kleinstadt am Neckar. \u201eT\u00fcbingen hat keine Uni, T\u00fcbingen ist eine Uni\u201c \u2013 dieses Bonmot stimmt bis heute. Auf einem Stadtrundgang zeigt sich, dass die Stadtgeschichte eng mit der Universit\u00e4t verwoben ist. Doch das war nicht immer so.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie nippen an Kaffee, b\u00fcffeln \u00fcber B\u00fcchern und warten am Kopierer. Fast jeden Tag wuseln Studierende in den Uni-Geb\u00e4uden im Tal oder auf dem Berg herum. Das Clubhaus, die Neue Aula, die Morgenstelle \u2013 sie sind heute universit\u00e4re Wahrzeichen. Weil die Bauten in der ganzen Stadt verteilt stehen, laufen sich Studierende und Einwohner auch st\u00e4ndig \u00fcber den Weg. Doch der Campus, der keiner ist, sah nicht immer so aus. Und auch das Verh\u00e4ltnis von Stadt und Uni war nicht von Beginn an\u00a0so eng.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andrea Bachmann hat B\u00fccher gew\u00e4lzt und auch selbst eins \u00fcber T\u00fcbingen geschrieben. Sie ist freie G\u00e4stef\u00fchrerin und zeigt heute einer Gruppe aus Oldenburg das St\u00e4dtchen am Neckar. \u201eUniversit\u00e4tsgeschichte(n)\u201c lautet das Thema ihres eineinhalbst\u00fcndigen Spaziergangs. Bachmann, 50, bunter Schal, beginnt an der Stiftskirche. \u201eDie Universit\u00e4t steht nur hier und nicht in Sindelfingen, weil durch T\u00fcbingen der Neckar flie\u00dft. Das Holz f\u00fcr neue H\u00e4user wurde damals n\u00e4mlich auf dem Wasser transportiert\u201c, sagt sie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6248\" aria-describedby=\"caption-attachment-6248\" style=\"width: 463px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Eberhard-im-Barte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6248\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Eberhard-im-Barte-474x672.jpg\" alt=\"Eberhard im Barte\" width=\"463\" height=\"656\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6248\" class=\"wp-caption-text\">Gestatten: Eberhard im Bart, Herzog von W\u00fcrttemberg und Teck. Der Kupferstich von 1821 stammt aus Karl Pfaffs &#8222;Biographie der Regenten von W\u00fcrttemberg&#8220;.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eine Stadt, zwei Welten<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Uni geplant wurde, hatte T\u00fcbingen nur etwa\u00a03 000 Einwohner. \u201eGraf Eberhard im Barte gr\u00fcndete 1477 die Uni\u201c, so Bachmann. Der Bau des Campus\u2019 vergr\u00f6\u00dferte das Nest am Neckar damals geh\u00f6rig. \u201eDas finanzierte vor allem seine Mutter Mechthild von der Pfalz\u201c, erkl\u00e4rt sie der Gruppe. Bachmann geht in die Stiftskirche und stellt sich in die leeren Reihen vor dem Altar. Sie deutet hinter sich.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHeute kaum vorstellbar, doch der Chor hinter mir war der erste H\u00f6rsaal der Uni.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten Studierenden h\u00f6rten ihre Vorlesungen in einer Kirche. Erst 70 Jahre sp\u00e4ter wurde die heutige \u201eAlte Aula\u201c \u00a0gebaut. Sie blieb bis ins 19. Jahrhundert das universit\u00e4re Haupthaus. Bachmann geht voraus und steigt die Treppen zum Neckar herab, bis sie vor der rosafarbenen Burse, dem ersten Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude, steht. In dem Geb\u00e4ude am Fluss sind heute die Institute f\u00fcr Philosophie und Kunstgeschichte untergebracht. \u201eHier war im 19. Jahrhundert die Universit\u00e4ts-Klinik. Sie hat so viele Fenster, weil man damals bemerkte, dass Licht die Genesung f\u00f6rdert\u201c, sagt sie. \u201eDas war damals hochmodern.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"T\u00fcbingen in f\u00fcnf Minuten\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/T4YHDYoHBwo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Todesurteil durch Uni<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Touristen-Truppe folgt dem bunten Schal ein paar Meter flussaufw\u00e4rts, bis Bachmann auf dicke Mauern zeigt. \u201eDarin war der Uni-Karzer. Der Senat konnte die Angeh\u00f6rigen der Universit\u00e4t einkerkern und sogar zum Tode verurteilen.\u201c\u00a0Der Hintergrund: T\u00fcbingen war bis 1829 rechtlich in zwei B\u00fcrgerschaften geteilt. Es gab die Stadt-B\u00fcrger und die Universit\u00e4ts-B\u00fcrger. Beide lebten in einer Stadt, aber in zwei verschiedenen Rechtssystemen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6105&amp;page=2&amp;preview=true\">Auf der n\u00e4chsten Seite: Kotzte Goethe hier wirklich?<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In mehr als 500 Jahren hat die Uni gro\u00dfe K\u00f6pfe hervorgebracht. Vor der Kneipe \u201eBoulanger\u201c in der Collegiumsgasse r\u00e4umt Stadtf\u00fchrerin Bachmann aber mit einem Mythos auf: \u201eHegel, H\u00f6lderlin und Schelling wohnten damals zwar auf einem Zimmer. Ob der Boulanger ihre Stammkneipe war, wie oft behauptet wird, ist aber nicht erwiesen.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Goethe sich erbrach, wie es das h\u00e4ufig fotografierte Schild neben der Stiftskirche behauptet, ist nicht ganz sicher.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr war aus Gesch\u00e4ftsgr\u00fcnden in T\u00fcbingen,\u00a0musste l\u00e4nger bleiben als geplant, es regnete und er fand die Stadt abscheulich. Den Rest erz\u00e4hlt das Schild\u201c, sagt Bachmann und l\u00e4uft mit der schmunzelnden Truppe in Richtung Neue Aula.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das heutige Univiertel in der Wilhelmstra\u00dfe wurde im 19. Jahrhundert gebaut, doch die B\u00fccher mussten sich die Studierenden \u2013 es waren nur M\u00e4nner \u2013 damals noch auf dem Schloss besorgen. Erst 1912 wanderte die Bibliothek an ihren heutigen Standort. Rund 50 Jahre sp\u00e4ter fand ein noch gr\u00f6\u00dferer Umbau statt, der bis heute das Stadtbild pr\u00e4gt: Die medizinische Fakult\u00e4t zog mitsamt Kliniken auf den Schnarrenberg. Es entstand die Trennung in Berg und Tal. Doch nicht nur die r\u00e4umliche Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften ist heute typisch f\u00fcr T\u00fcbingen. \u201eEs gibt keinen zentralen Campus. Die Geb\u00e4ude stehen \u00fcberall in der Stadt verteilt\u201c, erkl\u00e4rt Bachmann der Touristengruppe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6168\" aria-describedby=\"caption-attachment-6168\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Neue-Aula-h\u00f6her.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6168 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Neue-Aula-h\u00f6her-507x672.jpg\" alt=\"Neue Aula h\u00f6her\" width=\"507\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6168\" class=\"wp-caption-text\">Die Neue Aula \u2013 oben im Juli 1910 mit deutlich mehr Gr\u00fcn. Unten das Wappen der Uni vor dem Geb\u00e4ude 2016. Quelle oben: Gebr\u00fcder Metz.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Reise nach Jerusalem<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eineinhalb Stunden Geschichtsunterricht sind fast vorbei. Die Gruppe steht vor der Neuen Aula und betrachtet die gepflasterte Palme auf dem Boden. \u201eSie ist das Universit\u00e4tslogo, weil es das pers\u00f6nliche Wappen von Eberhard war. Der ist nach Jerusalem gepilgert und hat sich das zu eigen gemacht\u201c, sagt Bachmann abschlie\u00dfend. Ihr bunter Schal baumelt \u00fcber der Bepflasterung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gruppe ist in der Gegenwart angekommen, hat rund 500 Jahre Stadtgeschichte geh\u00f6rt, die gleichzeitig auch Universit\u00e4tsgeschichte ist. Von einem b\u00e4rtigen Adeligen mithilfe seiner Mutter gegr\u00fcndet pr\u00e4gt der dezentrale Campus heute das T\u00fcbinger Stadtbild. Beide gehen eine Symbiose ein. T\u00fcbingen, die \u201ekleine gro\u00dfe Stadt\u201c, liebt seine Uni.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Noch mehr Fotos: Links ein historisches, rechts das aktuelle \u2013 mit\u00a0Ausnahme des letzten Paars. Ein Klick auf\u00a0&#8222;Info&#8220; liefert weitere Beschreibungen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>[Best_Wordpress_Gallery id=&#8220;12&#8243; gal_title=&#8220;Stadtf\u00fchrung&#8220;]<br \/>\n<em>Danke an Frau Bachmann f\u00fcr die Stadtf\u00fchrung und den Tee danach. Die schwarz-wei\u00df Fotos wurden im Archiv des Schw\u00e4bischen Tagblatts gefunden. Die Farbfotos und das Video stammen von Julia Klaus, bis auf das Bild von Graf Eberhard (gefunden im Uni-Archiv).<\/em><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Noch mehr Facetten von T\u00fcbingen folgen<\/span>: Schw\u00e4bisch f\u00fcr &#8222;Reigschmeggde&#8220;, die Uni und die Bio-Branche, eine Glosse zur Kehrwoche. Coming soon!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist typisch f\u00fcr T\u00fcbingen? In dieser Reihe geht es um die Facetten der Kleinstadt am Neckar. \u201eT\u00fcbingen hat keine Uni, T\u00fcbingen ist eine Uni\u201c &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":273,"featured_media":6292,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,316],"tags":[1559,2083,11,2084,1173,2085,2086,2087,154,19,21],"class_list":["post-6105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-studentenleben","tag-berg","tag-eberhard-im-bart","tag-featured","tag-gebaeude","tag-neckar","tag-stadt","tag-stadtfuehrung","tag-stadtgeschichte","tag-tal","tag-tubingen","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/273"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6105\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}