{"id":6340,"date":"2016-02-16T14:33:21","date_gmt":"2016-02-16T14:33:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6340"},"modified":"2021-02-20T15:20:58","modified_gmt":"2021-02-20T15:20:58","slug":"ein-m-a-mit-geschmack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/02\/16\/ein-m-a-mit-geschmack\/","title":{"rendered":"Ein M.A. mit Geschmack"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Den klassischen Ablauf der meisten Masterstudieng\u00e4nge kann sich jeder vorstellen: Dozenten er\u00f6ffnen Studierenden in Seminaren und Vorlesungen schier grenzenloses Wissen. Doch dass das nicht immer so sein muss, zeigt der Masterstudiengang der Empirischen Kulturwissenschaft der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Dort wird das \u00fcber die Semester angesammelte Wissen zus\u00e4tzlich einem Praxistest unterzogen. Innerhalb von drei Semestern realisierten 19 Studierende eine eigene Ausstellung, die vom 5. Februar bis zum 8. Mai in Ulm zu sehen ist.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Flyer f\u00e4llt auf. Unter dem anderen Infomaterial in der Mensa \u201ePrinz Karl\u201c sticht der neonorange Schriftzug \u201egeschmackssachen\u201c heraus. Erst auf den zweiten Blick ist der Gegenstand daneben als ein auf dem Kopf stehender Stuhl zu erkennen. Nach dem Aufklappen schmerzen dann fast die Augen, denn auf der Innenseite ist das Neonorange dann allgegenw\u00e4rtig. Ein paar Blicke und schon findet man sich inmitten einer Diskussion \u00fcber Geschmack und Design wieder. Doch das soll der Flyer bewirken, denn die Ausstellung \u201egeschmackssachen\u201c, dreht sich um genau diese Frage: Wie und wodurch entsteht eigentlich Geschmack?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Aus Gegenst\u00e4nden wird Idee<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUns wurden nur die Sammlungen vorgegeben und wir sollten dann gemeinsam ein Thema f\u00fcr die Ausstellung finden.\u201c, erz\u00e4hlen die beiden Studentinnen Sarah Halter und Isabella K\u00f6lz, die bei dem Studienprojekt die Pressearbeit \u00fcbernehmen. In den drei Sammlungen des HfG-Archivs Ulm, des Gestalters Hans Roericht und des Ludwig-Uhland-Instituts h\u00e4ufen sich hunderte Gegenst\u00e4nde aller Art in Kisten und Regalen. Von\u00a0Kaffeekannen \u00fcber Matrjoschkas, bis hin zu Plastikt\u00fcten, M\u00f6beln und Kleidungsst\u00fccken ist alles vorhanden. Und mitten in diesem Wirrwarr aus Dingen, Formen und Farben fand sich ein Seminarkurs der EKW aus T\u00fcbingen wieder, die aus dem Ganzen einen roten Faden zu suchen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass das gar nicht so leicht ist, merkten die Studierenden schnell, doch letztendlich kamen sie, \u00fcber Ideen wie \u201eKunst und Kitsch\u201c, zu ihrem eigentlichen Thema und dem Titel der Ausstellung: \u201egeschmackssachen \u2013 formen, normen, kaffeekanne\u201c. \u201eAm Anfang konnte ich mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen, wie das alles am Ende aussehen soll\u201c, meint Sarah Halter zur\u00fcckblickend. Als \u201eSammlungen im Dialog\u201c sollten die zahlreichen Gegenst\u00e4nde aus den drei Sammlungen eine Art Symbiose eingehen, um das menschliche Geschmacksverst\u00e4ndnis zu erkl\u00e4ren. Die Besucher stehen letztendlich der Frage gegen\u00fcber, inwiefern Regeln und Normen den Geschmack eines Jeden beeinflussen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6344\" aria-describedby=\"caption-attachment-6344\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-2_Geschmackssachen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6344 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-2_Geschmackssachen-896x672.jpg\" alt=\"Bild 2_Geschmackssachen\" width=\"896\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6344\" class=\"wp-caption-text\">Ein Blick ins Archiv der Alltagskulturen des LUI in T\u00fcbingen. Wie in den beiden anderen Sammlungen musste auch hier erst einmal gesichtet und dokumentiert werden. Foto: Nicole M\u00fcller-B\u00f6hm.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eine Ausstellung \u2013 viele Aufgaben<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang stand die m\u00fchselige Sichtung und Dokumentation der Sammlungen. Mit diesen Eindr\u00fccken arbeiteten die Studierenden im ersten Semester noch alleine mit ihrem Dozenten und Betreuer Prof. Dr. Thomas Thiemeyer an Thema und Konzept der Ausstellung. So konnten sie eine eigene Perspektive entwickeln, bevor diese im zweiten Semester in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd mit den Vorstellungen einiger Ausstellungsgestalter zusammentraf. Die T\u00fcbinger und Gm\u00fcnder arbeiteten fortan zusammen in verschiedenen Gruppen an konkreten Ideen und Entw\u00fcrfen f\u00fcr den Ausstellungsraum in der ehemaligen Hochschule f\u00fcr Gestaltung Ulm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Auf der n\u00e4chsten Seite<\/span>:<a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6340&amp;page=2&amp;preview=true\"> Die\u00a0Fototapete und ein &#8222;erstes Mal&#8220;.<\/a><\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch eine Ausstellung ist viel mehr als allein die Planung, welcher Gegenstand in welchen Schaukasten gestellt und welcher Text damit verkn\u00fcpft wird. W\u00e4hrend der Themenfindung teilte sich der Kurs deshalb in f\u00fcnf Organisationsgruppen auf: Neben dem Aufbauteam, das sich vorrangig um die Realisierung des Ausstellungsraums k\u00fcmmerte, mussten Aufgaben im Pressearbeits-, Redaktions-, Finanz- und Dokumentationsbereich \u00fcbernommen werden. \u201eHier k\u00f6nnen Studierende zugleich wissenschaftliches Neuland betreten und ganz praktisch lernen, was es hei\u00dft, eine Ausstellung zu konzipieren\u201c, res\u00fcmiert Thiemeyer, der die Betreuung eines solches Projekts zum ersten Mal \u00fcbernimmt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6345\" aria-describedby=\"caption-attachment-6345\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-11_Geschmackssachen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6345 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-11_Geschmackssachen-896x672.jpg\" alt=\"Bild 11_Geschmackssachen\" width=\"896\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6345\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Studierende beim Aufbau der Ausstellung in Ulm. Nur einer der vielen n\u00f6tigen Schritte bis hin zur Er\u00f6ffnung einer eigenen Ausstellung. Foto: Frieder Findeisen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Designgeschichte trifft Kulturwissenschaft<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Konzipierung der Ausstellung wurde deutlich, dass die wissenschaftlichen Ansichten der Studierenden relativ unterschiedlich waren. W\u00e4hrend die T\u00fcbinger einen durch die Empirischen Kulturwissenschaft gepr\u00e4gten Blick einbrachten, kam von den Studierenden aus Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd eine gestalterische Denkweise hinzu. Durch diesen interdisziplin\u00e4ren Charakter er\u00f6ffneten sich neue Sichtweisen auf die M\u00f6glichkeiten, Gegenst\u00e4nde aus drei unterschiedlichen Sammlungen in einen Dialog um Geschmack treten zu lassen. Thiemeyer ist mit der Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen sehr zufrieden, denn: \u201eEin Ergebnis dieser Qualit\u00e4t h\u00e4tte keiner der drei Partner alleine zustande gebracht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die am Ende dieses Prozesses aus Sichtung, Planung und Realisierung stehende Ausstellung ist dieses Mal in Ulm zu sehen. Normalerweise sei das endg\u00fcltige Ergebnis eines solchen Masterstudiengangsprojekts in T\u00fcbingen zu bewundern, so Projektleiter Thiemeyer, doch das die Ausstellungsr\u00e4ume des HfG-Archivs sein aufgrund seiner Vergangenheit der perfekte Ort f\u00fcr eine Ausstellung \u00fcber Geschmack und gute Formen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die dort entstandene Hochschule f\u00fcr Gestaltung eine der f\u00fchrenden Schulen f\u00fcr Produktdesign. Gr\u00fcnder Max Bill war Bauhausabsolvent und das neue Konzept stand f\u00fcr funktional-innovatives und demokratisches Design.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6347\" aria-describedby=\"caption-attachment-6347\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-12_Blick-in-die-Ausstellung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6347 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Bild-12_Blick-in-die-Ausstellung-1038x568.png\" alt=\"Bild 12_Blick in die Ausstellung\" width=\"1038\" height=\"568\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6347\" class=\"wp-caption-text\">Das Ergebnis von drei Semestern Arbeit. Die fertige Ausstellung verkn\u00fcpft Objekte zu Ensembles. Ein Zeitstrahl (der Mainstream, nicht im Bild) und eine Fotowand geben weitere Informationen. Foto: HfG Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Objektensembles f\u00fcr den Geschmack<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwiefern dies mit Geschmack zusammenf\u00e4llt, kann in den sieben Ensembles mit rund 30 Objekten in der Ausstellung \u201egeschmackssachen\u201c von jedem selbst \u00fcberpr\u00fcft werden. In ihnen gehen die zahlreichen Objekte aus dem HfG-Archiv Ulm und der Sammlung des Gestalters Hans Roericht, sowie die Alltagsgegenst\u00e4nde aus dem Archiv des Ludwig-Uhland-Instituts interessante Kombinationen ein. Diese bieten dem Besucher neue Lesarten f\u00fcr die von den K\u00f6pfen der Hochschule f\u00fcr Gestaltung als revolution\u00e4r und innovativ empfundenen Dinge. Die Objektensembles provozieren einen Perspektivenwechsel, indem sie sich als Geschmackssachen zu erkenne geben, die man so oder so bewerten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dozent Thiemeyer und sein Seminarkurs sind vom Ergebnis schon einmal \u00fcberzeugt. Studentin Sarah Halter gef\u00e4llt das letztendliche Ergebnis: \u201eIch finde es sch\u00f6n, nicht nur die einzelnen fertigen Objektensembles zu zeigen, sondern auch den Weg dorthin.\u201c Den k\u00f6nne man durch eine Fototapete im Ausstellungsraum erkennen, die zahlreiche Bilder der Objekte aus den Sammlungen zeigt. Man kann hier nachvollziehen, wovor die Studierenden zu Beginn des Projekts standen. Auf die Frage, was die Ausstellung bewirken solle, hat sie auch eine Antwort: \u201eSie soll neue Perspektiven auf bewusst gestaltete, aber auch auf ganz allt\u00e4gliche Dinge er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6348\" aria-describedby=\"caption-attachment-6348\" style=\"width: 1009px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC00138_edited.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6348 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/DSC00138_edited-1009x672.jpg\" alt=\"DSC00138_edited\" width=\"1009\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6348\" class=\"wp-caption-text\">Ein Ensemble, das im Ludwig-Uhland-Institut in T\u00fcbingen zu bewundern ist. Was k\u00f6nnten Matrjoschka und Stapelgeschirr wohl gemein haben? Foto: Felix M\u00fcller.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anmerkungen:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Ausstellung \u201egeschmackssachen \u2013 formen, normen, kaffeekanne\u201c entstand in Kooperation des Ludwig-Uhland-Instituts, der HfG Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd und des HfG-Archivs Ulm und kann vom 5. Februar bis zum 8. Mai 2016 im Studio HfG Ulm besucht werden. Weitere Informationen sind auf der Internetseite des\u00a0<a href=\"http:\/\/www.hfg-archiv.ulm.de\/\">HfG-Archivs Ulm<\/a>\u00a0oder unter <a href=\"http:\/\/www.geschmackssachen-ausstellung.de\/\">geschmackssachen<\/a>\u00a0zu finden. Ein kleiner Ausschnitt der Ausstellung ist au\u00dferdem mindestens bis zu Beginn des Sommersemesters im Ludwig-Uhland-Institut im Schloss Hohent\u00fcbingen w\u00e4hrend der normalen \u00d6ffnungszeiten zug\u00e4nglich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wer Lust bekommen hat, selbst bei einer Ausstellung mitzuwirken, kann also entweder den <a href=\"http:\/\/www.uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet\/faecher\/empirische-kulturwissenschaft\/studium\/studienorganisation\/studiengaenge\/ma-studiengang.html\">Master in EKW<\/a> belegen oder in den Schl\u00fcsselqualifikationen der Universit\u00e4t T\u00fcbingen f\u00fcndig werden. Der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.uni-tuebingen.de\/einrichtungen\/verwaltung-dezernate\/ii-studium-und-lehre\/career-service.html\">Career Service<\/a> bietet hin und wieder zweisemestrige Ausstellungsseminare an. Zurzeit l\u00e4uft bereits das Seminar f\u00fcr die in Kooperation mit dem Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen MUT konzipierte Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.unimuseum.uni-tuebingen.de\/moulagen.html\">Krankheit als Kunst(form): Moulagen der Medizin<\/a>\u00a0an.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Titelbild: Felix M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den klassischen Ablauf der meisten Masterstudieng\u00e4nge kann sich jeder vorstellen: Dozenten er\u00f6ffnen Studierenden in Seminaren und Vorlesungen schier grenzenloses Wissen. 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