{"id":6630,"date":"2016-04-27T18:52:39","date_gmt":"2016-04-27T18:52:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6630"},"modified":"2021-02-20T15:16:02","modified_gmt":"2021-02-20T15:16:02","slug":"voll-gegen-die-wand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/04\/27\/voll-gegen-die-wand\/","title":{"rendered":"Voll gegen die Wand!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: &#8222;Du siehst aber schlecht aus!&#8220;. Der andere:&#8220; Ja, mir geht&#8217;s auch nicht gut, ich habe &#8218;homo sapiens'&#8220;. Sagt der erste: &#8222;Mach&#8216; dir nichts draus, das hatte ich auch mal, das geht vorbei!&#8220;<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesem Witz leitete Nikos Andreadis den 13. Kontrapunkt unter dem Thema <em>&#8222;Mit Vollgas gegen die Wand! Wer kann den Klimawandel noch aufhalten?&#8220;<\/em>\u00a0im Zimmertheater T\u00fcbingen ein. Und wie die Zahl 13 als Ungl\u00fcckszahl gilt, hatte auch der Abend einen bedr\u00fcckenden Charakter. Der Klimatologe Dr. Hans-Joachim Rosner von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen zeigte eindrucksvoll, wie es der Menschheit innerhalb von weniger als 50 Jahren gelungen ist, sich selbst \u2013 ganz entsprechend dem Namen der Veranstaltung &#8211; gegen die Wand zu fahren. Dabei ging er nicht nur auf den Klimawandel ein, sondern erkl\u00e4rte auch, warum konkrete L\u00f6sungsans\u00e4tze von Politik und Bev\u00f6lkerung ignoriert werden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ein Geologiesemester produziert bis zu 9 Tonnen an Schadstoffen allein an Fahrtkosten.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die richtige Dosis macht&#8217;s<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prinzipiell ist CO\u00b2 in der Atmosph\u00e4re nicht sch\u00e4dlich, sondern hilft sogar Leben, wie wir es kennen, auf der Erde m\u00f6glich zu machen. Kohlenstoffdioxid in der Atmosph\u00e4re reflektiert die W\u00e4rme der Erde wie in einem Treibhaus zur\u00fcck. Ohne dieses Gas w\u00fcrde auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von -18\u00b0C herrschen.<br \/>\nDoch wie bei allem im Leben macht auch hier die Dosis das Gift. Mit steigenden CO\u00b2-Werten steigt auch die Temperatur, steigt der Meeresspiegel, steigt die Zahl der Naturkatastrophen. Und auch das L\u00e4ndle leistet seinen Beitrag dazu. Um energieneutral zu leben, so Rosner, d\u00fcrfe man nicht mehr als 2,7 Tonnen Schadstoffe im Jahr produzieren. Baden-W\u00fcrttemberger \u00fcbersteigen diesen Wert beinahe um das f\u00fcnffache. Im Vergleich zu dem durchschnittlichen Amerikaner mit \u00fcber 20 Tonnen pro Kopf ist das zwar vergleichsweise wenig, aber immer noch genug, um den Klimawandel voranzutreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits jetzt sind die Folgen zu merken. Besonders s\u00fcdliche Kontinente wie Afrika, S\u00fcdamerika, aber auch Australien haben immer h\u00e4ufiger mit D\u00fcrren oder \u00dcberschwemmungen zu k\u00e4mpfen. Dass auf dem Weltklimagipfel Bundeskanzlerin Merkel eine Weltklimaerw\u00e4rmung um 2\u00b0C als Erfolg verkaufen wollte, ist f\u00fcr Rosner ein noch gr\u00f6\u00dferer Witz, als der mit dem die Veranstaltung eingeleitet wurde.<br \/>\n\u201eDass die 2\u00b0C eingeplant sind, ist bereits erschreckend, aber es ist abzusehen, dass es damit nicht aufh\u00f6ren wird\u201c, erkl\u00e4rte Rosner. \u201eDabei br\u00e4uchte es nur einige kleine Verhaltens\u00e4nderungen, um unseren \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck wesentlich zu verkleinern.\u201c<\/p>\n<h3>Braucht man Kairo denn \u00fcberhaupt?<\/h3>\n<p>Ein einfacher Schritt w\u00e4re beispielsweise den Stromanbieter zu wechseln, mehr mit dem Fahrrad zu fahren, Kleidung l\u00e4nger zu tragen oder nicht jeden Tag Fleisch zu essen, da auch K\u00fche durch ihren Methanaussto\u00df die Umwelt sch\u00e4digen. Dass trotzdem keine Besserung in Sicht ist, obwohl diese Fakten bereits seit den 1980ern bekannt sind, begr\u00fcndet Rosner an einem einfachen Umstand.<br \/>\nDiejenigen, die betroffen sind, k\u00f6nnen nichts daran \u00e4ndern und die, die etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen, sind nicht betroffen. Es war schlie\u00dflich an Andreadis, die Frage des Teufelsadvokaten zu stellen:<br \/>\n\u201eWenn der Meeresspiegel steigt und einige Nationen untergehen, regelt sich das Problem dann nicht von alleine? Braucht man Staaten wie Kairo denn \u00fcberhaupt?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das traurige daran war, dass Rosner ihm zwar aus Sicht des Humanisten widersprach, die Politik ihm dennoch recht gibt. Denn eben diese Politik des Nichtbetroffenseins wird momentan betrieben. Auch bei steigendem Meeresspiegel verf\u00fcgen Weltm\u00e4chte wie Deutschland oder die USA \u00fcber gen\u00fcgend Ressourcen, um sich anzupassen. Zweite und Dritte Weltl\u00e4nder hingegen nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem gibt Rosner einen Lichtblick. Auch wenn auf der gro\u00dfen B\u00fchne der Weltpolitik keine Wandel zu erwarten ist, lassen sich kommunal doch Ver\u00e4nderungen herbeif\u00fchren. So hat T\u00fcbingen beispielsweise seit drei Jahren einen Energiebeauftragten, der sich f\u00fcr eine verbesserte Versorgung der Stadt einsetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: &#8222;Du siehst aber schlecht aus!&#8220;. 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