{"id":6669,"date":"2016-05-01T14:53:20","date_gmt":"2016-05-01T12:53:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6669"},"modified":"2016-05-01T14:53:20","modified_gmt":"2016-05-01T12:53:20","slug":"ein-fussgaenger-auf-radwegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/05\/01\/ein-fussgaenger-auf-radwegen\/","title":{"rendered":"Ein Fu\u00dfg\u00e4nger auf Radwegen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Was der Hund dem Menschen, ist der Drahtesel dem T\u00fcbinger: der beste Freund. Ein zynischer Erfahrungsbericht mit Selbstversuch.<\/em> <\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Normalerweise gilt f\u00fcr die Anzahl der R\u00e4der im Stra\u00dfenverkehr ja meist \u201eVier gewinnt\u201c. In T\u00fcbingen glaubt man hingegen eher an die heilige Zweifaltigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hier ketzerisch mit dem umweltsch\u00e4dlich befeuerten Kraftwagen seinen Weg antritt, sp\u00fcrt schnell den Zorn der gerechten Rechts-vor-Links-Regel oder verliert sich in einem Labyrinth zahlloser Einbahnstra\u00dfen und Sackgassen, wie es M.C. Escher nicht unm\u00f6glicher h\u00e4tte entwerfen k\u00f6nnen. Nur erfahrene Kenner des Terrains oder solche, die ein Navigationsger\u00e4t besitzen haben eine Chance im Angesicht der Verkehrsf\u00fchrung zu bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch reitest du auf einem Drahtesel in die Stadt, so wedelt der Palmer dich freundlich herein. Er \u00f6ffnet dir T\u00fcr und Einbahnstra\u00dfe. Und ob du auch radelst in finsterer Sackgasse, f\u00fcrchte kein Ungl\u00fcck, am Ende liegt immer ein Radweg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch wird auch den S\u00fcndern Erl\u00f6sung gew\u00e4hrt. Jene die f\u00fcr 84,90 Euro das Semesterticket, den Ablassbrief des Verkehrsverbunds, erwerben, d\u00fcrfen sich fortan \u00fcber Busspuren, vorbei an immergr\u00fcnen Ampeln lenken lassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6674\" aria-describedby=\"caption-attachment-6674\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8957.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6674 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8957-1008x672.jpg\" alt=\"IMG_8957\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6674\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fch \u00fcbt sich, wer sp\u00e4ter mal hocherhobenen Hauptes \u00fcber die Fahrradwege gleiten will.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Radlos, aber voller Tatendrang<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ich war lange Zeit nur als Passagier und Fu\u00dfg\u00e4nger unterwegs, denn ganz ehrlich: Habt ihr mal versucht von der Uni nach WHO hochzustrampeln? (und falls ja, wo seid ihr jetzt?) Nachdem es mich aber k\u00fcrzlich in die s\u00fcdlicheren Gefilde T\u00fcbingens verschlagen hat, wurde ich von der Masse mitgerissen und geriet auf Radwege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was auch nicht schlimm gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich ein Fahrrad gehabt. Doch aus dem Konjunktiv l\u00e4sst sich, wie ich als Germanistik-Klugschei\u00dfer wei\u00df, ein Indikativ machen und so beschloss ich meiner Radlosigkeit ein Ende zu setzen. Beste Gelegenheit daf\u00fcr: der Fahrradflohmarkt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6675\" aria-describedby=\"caption-attachment-6675\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8958.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6675 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8958-1008x672.jpg\" alt=\"IMG_8958\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6675\" class=\"wp-caption-text\">Sicher ist sicher &#8211; so sagt ein schlauer Spruch.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Guter Rad ist teuer<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einem verregneten Samstagmorgen qu\u00e4lte ich mich also kurz vor neun Uhr, entgegen meinem nat\u00fcrlichen Biorhythmus aus dem Haus, um hoffentlich noch ein Exemplar zu ergattern, dessen Preis mich nicht dazu zwingen w\u00fcrde, f\u00fcr den Rest des Monats Nudeln mit Reis zu essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ort des Geschehens angelangt, machte ich, aus mangelnder Entscheidungsf\u00e4higkeit, eine Probefahrt durch das gesamte Sortiment, nur um an deren Ende zu bemerken, dass meine Favoriten bereits nach und nach den Besitzer gewechselt hatten und ich Gefahr lief wortw\u00f6rtlich im Regen stehenzubleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Partyg\u00e4nger kennen das Gef\u00fchl, das sich daraufhin bei mir einstellte: Man hat keinen Bock mehr, die Reihen lichten sich langsam und au\u00dferdem l\u00e4sst die Wirkung des Wodka-Mate auch schon wieder nach. Letzteres traf in meinem Fall zwar nicht zu, trotzdem nahm ich einfach das, was noch zu haben war: ein \u00e4lteres Gestell, zugegeben mehr billig als sch\u00f6n, aber es w\u00fcrde keine gro\u00dfen Anspr\u00fcche stellen. 50 Euro waren zwar wahrscheinlich immer noch zu viel f\u00fcr dieses vom Sperrm\u00fcll recycelte Kettenfahrzeug, aber bis zum n\u00e4chsten Flohmarkt wird es schon halten. Vielleicht f\u00e4hrt man sich ja mal \u00fcber den Weg. Haltet einfach Ausschau nach einem Typen, der so ausschaut, als ob ihm gleich der Bremszug rei\u00dft. Das bin dann vermutlich ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war also die Geschichte meines Fahrradkaufs. Wer jetzt bis hier gelesen hat und sich denkt, dass mein Gefasel keine Pointe hat, dem sei gesagt: Ich wollte eigentlich einen Artikel \u00fcber die T\u00fcbinger Fahrradmesse schreiben, die war aber so aufregend wie lauwarmer Fr\u00fcchtetee, deshalb habe ich mir lieber schlechte Wortwitze und zweifelhaft lustige Fahrradmetaphern ausgedacht. Das Ergebnis habt ihr gerade gelesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: Paul Mehnert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was der Hund dem Menschen, ist der Drahtesel dem T\u00fcbinger: der beste Freund. 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