{"id":6733,"date":"2016-05-10T14:07:02","date_gmt":"2016-05-10T14:07:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6733"},"modified":"2021-02-20T15:14:41","modified_gmt":"2021-02-20T15:14:41","slug":"zwei-gegensaetze-bespielen-einen-abend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/05\/10\/zwei-gegensaetze-bespielen-einen-abend\/","title":{"rendered":"Zwei Gegens\u00e4tze bespielen einen Abend"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Das 14. T\u00fcbinger Pianisten-Festival wurde gestern Abend von zwei jungen Talenten er\u00f6ffnet. Unterschiedlicher h\u00e4tten die beiden nicht sein k\u00f6nnen, wodurch ein abwechslungsreicher Abend entstand. Vereint in der Musik, f\u00fcllten sie den Festsaal in der Neuen Aula mit Beethoven, Chopin und Medtner.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Festsaal herrscht eine and\u00e4chtige und erwartungsvolle Stimmung. Noch bevor der erste Musiker die B\u00fchne betritt, ist fast kein Rascheln oder Gemurmel mehr zu h\u00f6ren. Als w\u00fcrde klassische Musik diese Andacht erfordern, ein in sich zur Ruhe kommen, bevor es los geht. P\u00fcnktlich um 19:30 betritt der junge, deutsch-koreanische Pianist Jun-Ho Gabriel Yeo die B\u00fchne. Mit seinen 18 Jahren ist er ein Ausnahmetalent der Musikwelt: Bereits mit 16 Jahren schloss er sein Vorstudium am Institut f\u00fcr Fr\u00fchf\u00f6rderung in Hannover ab, seit 2015 lernt er an der Hochschule f\u00fcr Musik in Wien.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6735\" aria-describedby=\"caption-attachment-6735\" style=\"width: 517px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Yeo-Jun-HoGabriel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6735 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Yeo-Jun-HoGabriel-517x672.jpg\" alt=\"Yeo, Jun-HoGabriel\" width=\"517\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6735\" class=\"wp-caption-text\">Ausnahmetalent Jun-Ho Gabriel Yeo brachte die typische Klassikatmosph\u00e4re mit sich.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Besucher ihn noch neugierig betrachten, setzt der junge Mann die Finger auf die Tasten, um den Raum mit der bekannten Melodie der Waldsteinsonate von Beethoven zu f\u00fcllen. Seine H\u00e4nde rasen \u00fcber die Tasten; bei ruhigeren Melodien beugt sich der gesamte Oberk\u00f6rper zum Klavier hin, wie um die feine Melodie vor dem Rest des Saales zu sch\u00fctzen. Zwischen den St\u00fccken geht der klein gewachsene Mann hinter die B\u00fchne, oder betupft sich die schwei\u00dfnasse Stirn mit einem Taschentuch. Kein Wort kommt \u00fcber seine Lippen, die St\u00fccke bestreitet er ohne Notenblatt. Das Talent ist unverkennbar; der Saal wird von seiner Hingabe zur Musik ergriffen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Junge Klassik in T\u00fcbingen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das T\u00fcbinger Pianisten-Festival ist zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe im T\u00fcbinger Kulturbetrieb geworden. Seit nun mehr 14 Jahren holt die Veranstaltung internationale Musiker in die Universit\u00e4tsstadt. Vor allem junge Klavierstars werden hier gef\u00f6rdert. So mancher, der hier spielte, wurde sp\u00e4ter zu einem der Gro\u00dfen. Im letzten Jahr kamen die Talente aus Belgien, Russland, Deutschland und Kasachstan. Dieses Jahr aus Korea, Polen, Deutschland und Montenegro. Die Internationalit\u00e4t, die der Titel der Veranstaltung ank\u00fcndigt, ist in jedem Fall gegeben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kontrast zu Jun-Ho<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause betritt der Gegensatz zu Jun-Ho die B\u00fchne: Ein gro\u00dfer Mann, Bart, eine lockere Verbeugung. Die Zuschauer sind nach dem langen Sitzen und der Pause etwas unruhig geworden, Rascheln erf\u00fcllt den Saal, die Andacht ist dahin. Dies st\u00f6rt Ratimir Martinovic, j\u00fcngster Professor f\u00fcr Klavier an der Akademie der K\u00fcnste in Serbien, nicht im geringsten. Er erweckt sogar das Gef\u00fchl, als wolle er nicht in so einer erwartungsvollen Stille spielen wie sein Vorg\u00e4nger. Zu Beginn erz\u00e4hlt er eine Anekdote von seinem letzten Besuch beim T\u00fcbinger Pianisten-Festival: Er hatte einen Lachanfall und konnte deshalb nicht mit dem Konzert beginnen. \u201eIt was my first and my last time that i couldn&#8217;t start a concert because of a fit of laughter.\u201c Das Publikum lacht mit und applaudiert vereinzelt. Doch das allgemeine Aufatmen ist zu sp\u00fcren. Hier bekommt die Klassik etwas lockeres, verspieltes.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6736\" aria-describedby=\"caption-attachment-6736\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Martinovic-Ratimir-5-color_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6736 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Martinovic-Ratimir-5-color_-896x672.jpg\" alt=\"Martinovic Ratimir 5 color_\" width=\"896\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6736\" class=\"wp-caption-text\">Witz und virtuoses Klavierspiel vereint Ratimir Martinovic.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martinovic spielt mit Noten, die Dame, die umbl\u00e4ttert, verpasst des \u00f6fteren den Einsatz, was ein wenig von der Musik ablenkt. Medtners Klaviersonate \u201eSkazka\u201c holt die Gem\u00fcter trotzdem hinter den Programmen hervor und die Kl\u00e4nge von Chopins Scherzo in b-moll wehen herzzerrei\u00dfend und wehm\u00fctig durch die R\u00e4umlichkeiten. Die riesigen H\u00e4nde des jungen Pianisten setzen sanft auf den Tasten auf, zwischen den St\u00fccken erl\u00e4utert er im Gegenteil zu Jun-Ho, was er gerade gespielt hat oder was kommen wird.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wie es weitergeht<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Abend geht ohne Reden oder Ansagen vonseiten der Veranstalter vor\u00fcber, was die Musik in den Fokus r\u00fcckt. F\u00fcr diejenigen, die das Festival schon l\u00e4nger besuchen, mag dies von Vorteil sein. Als Neuling w\u00e4re es allerdings interessant, ein wenig in die Veranstaltung eingef\u00fchrt zu werden.<br \/>\nAm heutigen Abend wird die <a href=\"http:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/konzerte\/internationales-pianistenfestival\/14-internationales-pianistenfestival-2016-2-abend\">Veranstaltung in der Neuen Aula <\/a>fortgesetzt. Mit der jungen Katharina Treutler aus Deutschland (Busoni, Bach, Liszt) und Marian Sobula aus Polen (Beethoven, Chopin). Um 19:30 wird wieder zu junger Klassik eingeladen, 8 Euro f\u00fcr Studenten, 26 Euro der Normalpreis.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6737\" aria-describedby=\"caption-attachment-6737\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Treutler-Katharina-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6737 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Treutler-Katharina-2-1008x672.jpg\" alt=\"Treutler, Katharina (2)\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6737\" class=\"wp-caption-text\">Die deutsche Pianistin Katharina Treutler tritt heute Abend auf&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Abend schlie\u00dft mit Applaus und vereinzelten Standing Ovations. Eine junge Frau kommentiert die Veranstaltung mit den folgenden Worten: \u201eEs hat mir gut gefallen. Man konnte die unterschiedlichen Temperamente der beiden Musiker in ihrem Stil und der Musikwahl wiederfinden, das hat den Abend total abwechslungsreich gemacht.\u201c<br \/>\nIn der Tat waren diese beiden Pianisten, an einem Abend, eine sehr gute Wahl: Gegens\u00e4tze ziehen sich eben an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6738\" aria-describedby=\"caption-attachment-6738\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Marian-Sobula-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6738 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Marian-Sobula-3-448x672.jpg\" alt=\"Marian Sobula 3\" width=\"448\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6738\" class=\"wp-caption-text\">&#8230; zusammen mit Marian Sobula aus Polen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos bereitgestellt vom <a href=\"http:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/\">Kulturreferat der Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Titelbild: Felix M\u00fcller<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 14. 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