{"id":6862,"date":"2016-05-20T17:49:25","date_gmt":"2016-05-20T15:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6862"},"modified":"2016-05-20T17:49:25","modified_gmt":"2016-05-20T15:49:25","slug":"zauberhafte-orte-ein-ort-wie-ein-gebrochenes-versprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/05\/20\/zauberhafte-orte-ein-ort-wie-ein-gebrochenes-versprechen\/","title":{"rendered":"Zauberhafte Orte: Ein Ort wie ein (gebrochenes) Versprechen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Das Clubhausfest- der etwas andere zauberhafte Ort. Eine Hommage an die altbew\u00e4hrte, donnerstagabendliche Tanztradition.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Wie verirrte Seelen schwirren die Strahler in rot und blau \u00fcber den verklebten Boden, bereit in Bewegung zu \u00fcberf\u00fchren, was auch immer R\u00f6hrenjeans und Sneaker in den Raum tragen. Von der Bowle gespr\u00e4chig gemacht schreiten sie, einer nach dem anderen, in den engen Raum. Selbst Wassereis hat sich angek\u00fcndigt- in allen Farben, au\u00dfer braun. Gr\u00fcn beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tanz bedeutet Ausbruch. Tanz bedeutet Freiheit, das Entfernen der Seelen von den M\u00fchen der profanen Tagesstund. Schon die gro\u00dfen Denker vergangener T\u00fcbinger Jahrhunderte wussten darum. Hegel verleitete deshalb einst gar seinen Freund Descartes eben an diesem Ort zu dem Ausspruch: \u201eCogito ergo sum!\u201c- Ich tanze, also bin ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade nur, dass sich diese Daseinsvergewisserung zwingend gekn\u00fcpft sieht an die Form dessen, wessen sie sich vergewissert. An den Anspruch, den das auf dem Tanzboden zu David Guetta Bowle aus Plastikbechern kippende Wesen, an sein eigenes Dasein stellt. Und so bleibt der Schrei nach dem Ausbruch an diesem Abend meist nur ein Nicken zum Beat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Welt ist schlecht, lass uns tanzen gehen\u201c, spricht es aus dem vorsichtigen Tippeln der Beine, das sich nur Jahre sp\u00e4ter in \u201eDie Welt ist schlecht, lass uns einen Rasenm\u00e4her kaufen\u201c, \u00fcbersetzt. Durch die gleichf\u00f6rmige Banalit\u00e4t der Melodie schwingt bereits die frisch geputzte Fassade des Eigenheims. Die wei\u00dfen Lichter der Discokugel drehen an der Decke unaufhaltsam ihre Kreise, spinnen nach und nach einen Kokon aus Ordnung und Konstanz um Studierendenseelen, die genau danach d\u00fcrsten und die ihn sp\u00e4ter mit nach Hause tragen werden, wo er sich zwischen ungeschriebenen Hausarbeiten und einem schlechten Gewissen wieder zerreibt. Doch das macht nichts, bald ist ja wieder Donnerstag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Wassereis &#8211; blau, rot, gelb (in dieser Reihenfolge)- und einmal Robbie Williams sp\u00e4ter, wird der eigene Drang nach dem Ausbruch immer gr\u00f6\u00dfer. Und mit ihm die Gewissheit: Wer sich nach Ausbruch sehnt, sehnt sich nach Mehr und sehnt sich gar nicht nach Konstanz. Und so wird das Clubhaus Donnerstag f\u00fcr Donnerstag Schauplatz eines Missverst\u00e4ndnisses. Immer neue FachschaftlerInnen treten an mit dem immer gleichen Versprechen vom Wartezimmer in den Aufwachraum des \u201eechten Lebens\u201c, von der Umkleidekabine ins \u201ewahre Ich\u201c. Aber wer findet das schon bei Avici? Und wenn doch, wer will dieses Ich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer sein will muss werden. Und wer werden will muss wollen: Den Ausbruch, die Freiheit und den Tanz.\u201c So steht es in Stein gemei\u00dfelt auf den tragenden S\u00e4ulen des inneren Werdens, in der Pr\u00e4ambel zum Grundgesetz geistiger Freiheit. Und nur wenige Zeilen sp\u00e4ter, in Paragraph vier, Absatz drei, hei\u00dft es: \u201eAusbruch\u00a0 ist nicht jeden Donnerstag und nicht immer um halb zehn. Ausbruch ist nicht verwandt mit David Guetta. Und Ausbruch will eine Discokugel, die auch mal andersherum dreht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und trotzdem: Gott sei Dank gibt es das Clubhausfest. Noch weniger als das Nicken zum Beat w\u00e4re schlie\u00dflich gar kein Tanz. Und wer f\u00e4nde sich da nicht verloren wieder, aufgebraucht und zerrieben irgendwo zwischen Schreibtisch und Suppenausgabe. Nein, wer schon nicht will, der braucht: Einen Kokon, auch wenn er nur Stunden h\u00e4lt. Und den verklebten Boden. Einen Scheinwerfer, der durch den Raum schwirrt, oder auch zwei. Und wenn sich doch mal einer nach Ausbruch sehnt- unten am K\u00fchlschrank sollt er das Suchen beginnen. Denn Wassereis ist immerhin ein Anfang- vor allem das rote.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1Taz52J\">http:\/\/bit.ly\/1Taz52J<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Clubhausfest- der etwas andere zauberhafte Ort. 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