{"id":6872,"date":"2016-05-23T22:39:04","date_gmt":"2016-05-23T22:39:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6872"},"modified":"2021-02-20T15:11:21","modified_gmt":"2021-02-20T15:11:21","slug":"die-kanzel-von-hohentuebingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/05\/23\/die-kanzel-von-hohentuebingen\/","title":{"rendered":"Die Kanzel von Hohent\u00fcbingen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Ein sonst verschlossenes Kleinod ist die Schlosskirche auf Hohent\u00fcbingen. Am Internationalen\u00a0Museumstag am Sonntag \u00f6ffnete Christine Siegl vom\u00a0Lehrstuhl f\u00fcr\u00a0Praktische Theologie die Pforten und zeigte, wo Studierende das Predigen \u00fcben.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine halbe Stunde vor Beginn der F\u00fchrung tummelten sich Interessierte vor der verschlossenen T\u00fcr der Schlosskirche. Nahezu Jeder suchte Schutz vor der Mittagshitze im Schatten der wuchtigen Mauern von Schloss Hohent\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schlosskirche war urspr\u00fcnglich im Nordfl\u00fcgel des Schlosses untergebracht, erst sp\u00e4ter wurde sie an den jetzigen Standort im S\u00fcdfl\u00fcgel verlagert. Wider allen Erwartungen ging es aber nicht sofort in den k\u00fchlen Kirchenraum, sondern in den \u201ePausenhof\u201c. Siegl f\u00fchrte die Gruppe aus dem Tor hinaus und links in den wundersch\u00f6nen Garten. Am hinteren Ende konnten nun alle einen Blick auf die urspr\u00fcnglichen Rundfenster der Schlosskapelle werfen. Wegen dieser Fenster vermuten Historiker, dass die Kirche in dem Nordfl\u00fcgel untergebracht war.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6875\" aria-describedby=\"caption-attachment-6875\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Daniel-Hertenziz-im-Pausenhof-mit-Blick-auf-die-alten-Rundbogenfenster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6875 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Daniel-Hertenziz-im-Pausenhof-mit-Blick-auf-die-alten-Rundbogenfenster-1008x672.jpg\" alt=\"Daniel Hertenziz im Pausenhof, mit Blick auf die alten Rundbogenfenster\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6875\" class=\"wp-caption-text\">Die Kirche und das Drumherum: \u00a0alte Rundbogenfenster zeugen vom fr\u00fcheren Standort.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00c4lteste\u00a0unter den Alten<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste urkundliche Erw\u00e4hnung erf\u00e4hrt die Schlosskirche im Jahr 1188, sie ist somit die \u00e4lteste erhaltene Kirche in T\u00fcbingen. Auch die Jakobuskirche beansprucht diesen Titel. Jedoch wird in ihrem Fall rein vom Material ausgegangen, das \u00e4lter als jenes der Schlosskirche ist. \u201eAber f\u00fcr uns z\u00e4hlt nat\u00fcrlich nur die erste urkundliche Erw\u00e4hnung\u201c, berichtet Siegl l\u00e4chelnd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einige Jahrzehnte war die Schlosskirche sogar Pfarrkirche, doch verlor sie diesen Status ziemlich schnell. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts brachte Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg den Protestantismus nach T\u00fcbingen, modernisierte das T\u00fcbinger Schloss und verlagerte die Schlosskirche in den S\u00fcdfl\u00fcgel. Die\u00a0verheerenden Jahre des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges zehrten an den\u00a0T\u00fcbingern. Es herrschte Hunger und Elend. Der S\u00fcdostturm von Schloss Hohent\u00fcbingen wurde in dieser Zeit von den Franzosen zerst\u00f6rt. Heute erinnert nur noch der dort neu erbaute F\u00fcnfeckturm daran.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6876\" aria-describedby=\"caption-attachment-6876\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7079.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6876 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7079-1008x672.jpg\" alt=\"IMG_7079\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6876\" class=\"wp-caption-text\">Auch der Ausblick l\u00e4sst sich sehen. Vom einen zum anderen Ende T\u00fcbingens.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Stilmix der Jahrhunderte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun endlich ging es vom Innenhof die steilen und schmalen Stufen hinauf zur Orgel der Schlosskirche. \u201eDie Stadtf\u00fchrer liegen komplett falsch, wenn sie behaupten, dass hinter der verschlossenen T\u00fcr nichts Wichtiges verborgen ist!\u201c, gibt \u00a0Siegl den Anwesenden mit auf den Weg. Oben angekommen, hat sie nicht zu viel versprochen. Als erstes f\u00e4llt das Tonnengew\u00f6lbe aus dunklem Holz ins Auge. Eingerahmt wird der Raum von\u00a0gr\u00fcner Wandmalerei. Am anderen Ende steht ein kleiner Altar und dar\u00fcber die Kanzel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Innenraum herrscht ein wilder Stilmix verschiedener\u00a0Jahrhunderte. \u201eDie Decke ist aus dem 17. Jahrhundert, die vier gro\u00dfen \u00d6lgem\u00e4lde aus dem 18. und die einem Wandteppich nachempfundene Wandmalerei aus dem 19. Jahrhundert.\u201c, erl\u00e4utert Siegl. Hier vermischen sich Elemente der Neogotik\u00a0und\u00a0der Neoromantik. \u201eMan wollte damals wohl doppelt modern sein\u201c, sagt\u00a0Siegl und lacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgerundet wurde die F\u00fchrung durch ein kleines Orgelkonzert, gespielt von Jonathan Hiese. Danach wurden die Teilnehmer noch dazu eingeladen, ein Lied von Friedrich Silcher zu singen. Beherzt griffen viele zu den ausgelegten Liedstrophen und stiegen in den Gesang mit ein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6877\" aria-describedby=\"caption-attachment-6877\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7089.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6877 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_7089-1008x672.jpg\" alt=\"IMG_7089\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6877\" class=\"wp-caption-text\">Der etwas andere Chor am Ende der F\u00fchrung.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Hochzeit f\u00fcr Alle!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist die Schlosskirche \u00e4u\u00dferst beliebt f\u00fcr Trauungen. \u201eAuch hier liegen die Stadtf\u00fchrer falsch. Sie ist nicht nur den Angeh\u00f6rigen der Uni vorbehalten. Jeder kann dort heiraten, wenn er m\u00f6chte!\u201c. Nat\u00fcrlich wird sie auch f\u00fcr uniinterne Gottesdienste genutzt, wie beispielsweise am Dies Universitatis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der am meisten beanspruchte Raum aber ist der Seminarraum, der durch eine dunkle Holzt\u00fcr mit der Kirche verbunden ist. Hier finden viele Lehrveranstaltungen des\u00a0theologischen Nachwuchses statt. Auf der Doppelkanzel\u00a0\u00fcben sie\u00a0das Predigen. \u201eIm 19. Jahrhundert, nach Gr\u00fcndung des Predigervereins, hat man Kinder mit ein paar Pfennigen bestochen, damit sie den Predigten lauschten. Schlie\u00dflich brauchte man zum \u00dcben auch das entsprechende Publikum\u201c, berichtet Siegl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ende der knapp einst\u00fcndigen F\u00fchrung ist erreicht. Einige kommen der Aufforderung nach, doch einmal selbst auf die Kanzel zu steigen. Die Aussage der Stadtf\u00fchrer, dass hinter der verschlossenen T\u00fcr nichts wichtiges liege, kann man somit getrost als falsch und Untertreibung abtun. Die Schlosskirche ist ein schmuckes Kleinod, das selbst viele Geschichten zu erz\u00e4hlen hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6879\" aria-describedby=\"caption-attachment-6879\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Jonathan-Hiese-Orgelspieler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6879 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Jonathan-Hiese-Orgelspieler-1008x672.jpg\" alt=\"Jonathan Hiese, Orgelspieler\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6879\" class=\"wp-caption-text\">Jonathan Hiese f\u00fcllte den Raum der Schlosskirche mit Orgelt\u00f6nen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: Marko Knab<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sonst verschlossenes Kleinod ist die Schlosskirche auf Hohent\u00fcbingen. Am Internationalen\u00a0Museumstag am Sonntag \u00f6ffnete Christine Siegl vom\u00a0Lehrstuhl f\u00fcr\u00a0Praktische Theologie die Pforten und zeigte, wo Studierende &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":298,"featured_media":6874,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534,62],"tags":[2333,11,31,2334,2335,529,2336,2337,1260,2338,22],"class_list":["post-6872","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","category-kultur","tag-architektur","tag-featured","tag-geschichte","tag-hohentuebingen","tag-internationaler-museumstag","tag-kirche","tag-kirchenkunst","tag-praktische-theologie","tag-schloss","tag-schlosskirche","tag-universitaet-tuebingen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6872","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/298"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6872"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6872\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23799,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6872\/revisions\/23799"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}