{"id":6930,"date":"2016-05-31T09:18:15","date_gmt":"2016-05-31T07:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6930"},"modified":"2016-05-31T09:18:15","modified_gmt":"2016-05-31T07:18:15","slug":"der-fuchs-geht-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/05\/31\/der-fuchs-geht-um\/","title":{"rendered":"Der Fuchs geht um"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u201eFoxes are sly. Everyone knows that. Just because you can&#8217;t see them \u2013 doesn&#8217;t mean they&#8217;re not there.\u201c Eine br\u00f6ckelnde Wirtschaftsstruktur, ein totalit\u00e4rer Staat, Paranoia. In Dawn Kings St\u00fcck Foxfinder, inszeniert von der Anglo-Irish Theatre Group T\u00fcbingen, wird der Fuchs zum Staatsfeind erkl\u00e4rt.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einem Hof irgendwo in einem l\u00e4ndlichen Teil Englands \u00f6ffnet sich die B\u00fchne des Brechtbautheaters. Ein einfacher Holztisch, eine Kommode, ein Gewehr an der Wand. Etwas herunterkommen wirkt die Einrichtung und spiegelt den Gem\u00fctszustand von Judith und Samuel Covey wieder (Julia N\u00f6rr und Hannes Hornbacher). Seit M\u00e4rz regnet es und die Ernte ist zerst\u00f6rt, derselbe Monat, in dem die Katze davonlief und ihr vierj\u00e4hriger Sohn in einer Pf\u00fctze ertrank. Nachdem Samuel endlich die Depression zu \u00fcberwinden scheint, die ihn seit dem Tod seines Sohnes plagt, taucht William Bloor (Lukas Sch\u00e4dler), der Foxfinder, auf, der den Zustand der Farm \u00fcberpr\u00fcfen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was genau die Foxfinder sind, bleibt im Dunkeln. Es wird nur bekannt, dass sie f\u00fcr die Regierung arbeiten und dann gerufen werden, wenn Farmen ihre Quote nicht erf\u00fcllen \u2013 Und nat\u00fcrlich jagen sie den Fuchs.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6933\" aria-describedby=\"caption-attachment-6933\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6933 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Samuel-Covey-Hannes-Hornbacher-und-William-Bloor-Lukas-Sch\u00e4dler-1008x672.jpg\" alt=\"Samuel Covey (Hannes Hornbacher) und William Bloor (Lukas Sch\u00e4dler)\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6933\" class=\"wp-caption-text\">Samuel Covey (Hannes Hornbacher) und William Bloor (Lukas Sch\u00e4dler).<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eThe absence of the beast is another sign of its presence.\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Kings St\u00fcck ist der Fuchs der Inbegriff des B\u00f6sen. Ein S\u00fcndenbock, wie er in allen totalit\u00e4ren Systemen zu finden ist. So kann das Biest, wie dieser im St\u00fcck genannt wird, bis zu zwei Meter gro\u00df werden, Blutb\u00e4der unter Nutztieren anrichten und durch magische Kr\u00e4fte die Menschen dazu manipulieren, sich zu vers\u00fcndigen. Dass seit Jahren niemand mehr einen Fuchs gesehen hat, bedeutet f\u00fcr Bloor und seine Br\u00fcder allerdings nicht, dass er nicht existiert und er \u00fcberzeugt auch Samuel, dass der Fuchs f\u00fcr den Tod seines Sohnes verantwortlich sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Art, wie Bloor sich in der Farm einnistet, die Familie \u00fcberwacht und Nachbarn wie Sarah Box (Eva Schwendemann) gegeneinander ausspielt, erinnert an die Stasi-\u00dcberwachung der DDR und die Judendenunzierung im Nationalsozialismus. Sogar das Fuchsemblem auf Bloors Uniformjacke ist in seiner schwarz-roten Farbe an ein NS-Abzeichen angelehnt. Dabei \u00e4hnelt der Foxfinder mit seiner Selbstgei\u00dfelung und seinem z\u00f6libat\u00e4ren Leben am meisten den Inquisitoren der katholischen Kirche. Nur dass Gott durch B\u00fcrokratie ersetzt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6934\" aria-describedby=\"caption-attachment-6934\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6934 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Sarah-Box-Eva-Schwendemann-und-Judith-Covey-Julia-N\u00f6rr-1008x672.jpg\" alt=\"Sarah Box (Eva Schwendemann) und Judith Covey (Julia N\u00f6rr)\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6934\" class=\"wp-caption-text\">Sarah Box (Eva Schwendemann), die Nachbarin, und Judith Covey (Julia N\u00f6rr).<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eDoes he make you orgasm?\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das St\u00fcck l\u00e4sst sich als ein klassisches Lehrst\u00fcck verstehen. Die Charaktere, trotz ihrer symbolischen Bedeutung, handeln berechenbar und dienen mehr dazu, die Botschaft der Handlung zu vermitteln als selbst eine Charakterentwicklung zu erfahren. Der Kontext des St\u00fccks, dass eine Gesellschaft mehr von den Feindbildern bedroht wird, die sie sich schafft, als von den Feinden selbst, wird zweifelsohne deutlich. Wer allerdings bereits etwas in Richtung George Orwell und sein <em>1984<\/em> oder Max Frischs <em>Biedermann und die Brandstifter<\/em> gelesen hat, wird keine \u00dcberraschung erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser tristen Version der englischen Agrarwirtschaft dennoch etwas Humor abzugewinnen, muss den Schauspielern daf\u00fcr umso h\u00f6her angerechnet werden. Durch hervorragendes Timing und mit britischer Trockenheit lieferten sie sich stakkatoartige Wortduelle. Besonders Bloors taktlose Befragung \u00fcber das Privatleben der Coveys \u2013 wie viel Sex sie denn h\u00e4tten, in welcher Stellung und ob es denn auch gut sei \u2013 entlockten dem Publikum mehr als nur einen unfreiwilligen Lacher.<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eI can&#8217;t be more normal without acting like a lunatic.\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit <em>Foxfinder<\/em> zeigt die Anglo-Irish Theatre Group erneut, dass sie sowohl Drama als auch Kom\u00f6die beherrschen. Nach <em>Sketches against Humanity <\/em>und <em>Butterflies also have nightmares <\/em>ist dies ihre dritte Produktion in diesem Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich jetzt selbst einen Eindruck \u00fcber <em>Foxfinder<\/em> verschaffen m\u00f6chte, kann dies noch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/625265700960256\/\">bis Freitag den 3. Juni<\/a> tun, sollte aber auf jeden Fall beachten, dass das St\u00fcck vollst\u00e4ndig auf Englisch aufgef\u00fchrt wird. Der Eintrittspreis f\u00fcr Studierende betr\u00e4gt 5 Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Robin Graber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFoxes are sly. Everyone knows that. 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