{"id":6980,"date":"2016-06-02T13:50:50","date_gmt":"2016-06-02T13:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6980"},"modified":"2021-02-20T15:09:24","modified_gmt":"2021-02-20T15:09:24","slug":"den-opfern-eine-stimme-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/06\/02\/den-opfern-eine-stimme-geben\/","title":{"rendered":"Den Opfern eine Stimme geben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u201eMir war es wichtig, dass diese Frauen einmal zu Wort kommen d\u00fcrfen. Das ist meine Auffassung von Gerechtigkeit.\u201c Diese Worte der Regisseurin Claudia Schmid beschreiben die Absicht ihres Films \u201e<\/em><em>Voices of Violence<\/em><em>\u201c \u00fcber misshandelte Frauen im Kongo. Im Rahmen der T\u00fcbinger Menschenrechtswoche wurde der Dokumentarfilm am Mittwoch im Kino Arsenal gezeigt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten Bilder auf der Leinwand zeigen M\u00e4nner auf Motorr\u00e4dern, sitzend oder rauchend. Und Frauen, die schwere Lasten mit B\u00e4ndern \u00fcber ihre K\u00f6pfe gespannt haben. Die Alltagsbilder aus der Demokratischen Republik Kongo rufen ein Gef\u00fchl der Ungerechtigkeit hervor. Der Film macht allerdings klar, dass die Arbeitsverteilung noch das kleinste \u00dcbel ist, das die Frauen aushalten m\u00fcssen. Seit den 90er Jahren w\u00fcten im Kongo verschiedene Rebellengruppen wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Forces_D%C3%A9mocratiques_de_Lib%C3%A9ration_du_Rwanda\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FDLR<\/a>. Es ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, besitzt aber wertvolle Rohstoffe in gro\u00dfer Zahl. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/kampf-ums-coltan-das-blut-am-handy-1.170029\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Coltan<\/a>, Gold und Diamanten. Alles Dinge, nach denen\u00a0die industrialisierte\u00a0Welt verlangt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6983\" aria-describedby=\"caption-attachment-6983\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6983 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_8459.jpg\" alt=\"IMG_8459\" width=\"800\" height=\"534\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6983\" class=\"wp-caption-text\">Filmemacherin Schmid interessieren\u00a0die Schicksale von Frauen auf der ganzen Welt<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Was passiert mit den Frauen?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmids Film zeigt einen Ausschnitt aus der Gewaltspirale des Kongos: Das Schicksal der dortigen Frauen. In knallig bunten Kleidern, vor braunen Lehmw\u00e4nden sitzend, erz\u00e4hlen vier Kongolesinnen ihre Geschichte. Sie wurden von den Rebellen verschleppt, Massenvergewaltigungen ausgesetzt und als Sklavinnen gehalten. Nach gelungener Flucht h\u00f6rten die Strukturen der Gewalt jedoch nicht auf. Als eine von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hutu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hutus<\/a> verschleppte und vergewaltigte Frau hat man im Kongo keinerlei Rechte mehr. Von Mann, eigenen Kindern und Eltern versto\u00dfen, m\u00fcssen die meisten dieser Frauen ein Leben auf der Stra\u00dfe f\u00fchren und sind erneuten Gewaltverbrechen ausgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die massiven Menschenrechtsverletzungen an Frauen, Kindern und auch M\u00e4nnern, die Gier nach Rohstoffen, der erbitterte Kampf ums \u00dcberleben im Kongo. Diese Themen findet man zu selten in den Medien. Nach einer der Frauen im Film zu urteilen geht die Hilfe der UN gegen Null, in die Rebellengebiete dringen sie nicht vor. In unseren K\u00f6pfen setzen sich Bilder aus Filmen wie <em>Blood Diamond <\/em>zusammen, doch auch hier geht es nur um die Geschichte der M\u00e4nner. Mit dieser fehlenden Aufmerksamkeit und nicht vorhandenen Rechten f\u00fcr Frauen, m\u00fcssen die Kongolesinnen grunds\u00e4tzlich leben. Doch dann kommen noch die Verschleppungen, das T\u00f6ten ihrer Kinder und unglaubliche Gewaltverbrechen hinzu. Das Brechen von K\u00f6rper und Geist als Kriegsstrategie zeigt seine Wirkung: Die Frauen und M\u00e4nner des Kongos wissen kaum noch was richtig, was falsch, was Traditionen oder doch Folgen des Traumas sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6984\" aria-describedby=\"caption-attachment-6984\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6984 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_8493.jpg\" alt=\"IMG_8493\" width=\"800\" height=\"534\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6984\" class=\"wp-caption-text\">Interessiertes und schockiertes Publikum. Die Geschichten sind drastisch und leider Realit\u00e4t.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Steh auf!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Ausweg aus der Situation bieten sogenannte <a href=\"http:\/\/www.simamaproject.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Simama-Gruppen<\/a>. Simama bedeutet \u201eSteh auf\u201c auf Kongolesisch. Auch in der Dokumentation wird eine solche gezeigt. Die misshandelten Frauen finden sich zusammen, sparen Geld, bauen Meerschweinchen-Zuchten auf, Singen und Tanzen zusammen. Sie versuchen die M\u00e4nner zu \u00fcberzeugen, die Familie wieder zusammenkommen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.schmidfilm.de\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regisseurin Caudia Schmid<\/a> verbrachte insgesamt zwei Monate in den Rebellengebieten und mit den Frauen. Urspr\u00fcnglich K\u00fcnstlerin, ging sie 1991 zum Film. \u201eVoices of Violence\u201c ist der erste Film in ihrer Reihe \u00fcber Gewalt an Frauen. In der anschlie\u00dfenden Diskussion bemerkt man ihr Feuer f\u00fcr die Sache. Die Fragenden k\u00f6nnen selten zu Ende sprechen, da werden sie schon \u00fcberrollt von der Antwort. Mit Aussagen wie \u201eSie ist eine wundersch\u00f6ne, junge Frau und jetzt hat sie einen alten, debilen Sack an der Backe\u201c, verleiht sie dem Thema der Veranstaltung eine schwarz-humoristische Seite. Ihre Grenze f\u00fcr die Akzeptanz einer Kultur findet sich dort, wo die Menschenrechte nicht mehr geachtet werden. \u201eMan muss den Knackpunkt finden, nach solchen Erlebnissen verdrehen sich die Dinge: Rechte, Traditionen, Traumata, Liebe verwinden sich zu undurchdringlichen, schrecklichen Strukturen.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"VOICES OF VIOLENCE - STIMMEN DER GEWALT | Trailer [HD]\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IYAj8AkbuN4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wie zu helfen ist<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Filmf\u00fchrung wird im haupts\u00e4chlich weiblich besetzten Zuschauerraum oft entsetzt aufgest\u00f6hnt oder ungl\u00e4ubig gekeucht. Am Ende steht die Frage: Was k\u00f6nnen wir tun? Es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten: Unterschriftenaktionen verfolgen und daran teilnehmen zum Beispiel. Gro\u00dfe Handykonzerne kaufen au\u00dferdem oft von den Coltan-Minen der Rebellen. Material f\u00fcr sogenannte \u201eFair Phones\u201c werden aus Minen gewonnen, die von Kongolesen betrieben werden. Ohne Sklaverei. Mit der Unterst\u00fctzung von <a href=\"https:\/\/www.missio-hilft.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">missio <\/a>hat die Regisseurin au\u00dferdem ein Spendenkonto eingerichtet. Das Geld geht direkt an die Frauen aus dem Film.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Menschenrechtswoche-T%C3%BCbingen-1652795511619119\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">T\u00fcbinger Menschenrechtswoche<\/a> macht aufmerksam und behandelt wichtige Themen auf unterschiedlichste Weise. Heute Abend: Voices for Human Rights \u2013 Poetry, Musik und Theater im Ribingurumu. Freitag und Samstag k\u00f6nnen unterschiedliche Workshops im Weltethos-Institut besucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Weitere Informationen \u00fcber die DR Kongo, den Krieg, Frauen und Handys finden sich in einem <a href=\"https:\/\/www.missio-hilft.de\/media\/thema\/menschenrechte\/studie\/59-dr-kongo-krieg-frauen-handys.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reader von missio<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span><em>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.schmidfilm.de\/de\/filme\/voices-violence-dr-kongo\">http:\/\/www.schmidfilm.de\/de\/filme\/voices-violence-dr-kongo<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Carla Guggenberger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMir war es wichtig, dass diese Frauen einmal zu Wort kommen d\u00fcrfen. 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