{"id":7116,"date":"2016-06-15T11:31:16","date_gmt":"2016-06-15T11:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=7116"},"modified":"2021-02-20T15:07:25","modified_gmt":"2021-02-20T15:07:25","slug":"stimmgewalt-und-strobolicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/06\/15\/stimmgewalt-und-strobolicht\/","title":{"rendered":"Stimmgewalt und Strobolicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u201eEs gibt viele Punkte, in denen sich dieses St\u00fcck von den vorherigen abhebt, vor allem wollten wir den Zuschauer miteinbeziehen\u201c sagt Oliver Schr\u00f6der stolz. Bereits zum dritten Mal f\u00fchrt die englischsprachige Theatergruppe \u201eThe Provisional Players\u201c unter seiner Regie im Brechtbau einen Klassiker von Shakespeare auf. Und in der Tat ist hier einiges anders als bei den Inszenierungen zuvor. <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon vor dem Einlass wird der Zuschauer direkt angesprochen. Eine Gruppe schnoddrig aussehender junger Leute mit Bierdosen und Flachmann in der Hand mischt sich lautstark unter die Wartenden. Erst bei genauerem Hinh\u00f6ren wird klar: Das m\u00fcssen Schauspieler sein. Sie schw\u00e4rmen in h\u00f6chsten T\u00f6nen von Caesars Sieg \u00fcber Pompey und von seiner gro\u00dfartigen Pers\u00f6nlichkeit. Dann geht auch schon die T\u00fcr auf und das Publikum betritt den dieses Mal von allen Seiten bestuhlten Raum. Die Atmosph\u00e4re erinnert an einen schmutzigen Hinterhof: Graffitis wie \u201eCaesar rooles\u201c an den W\u00e4nden, Absperrb\u00e4nder und aus den Lautsprechern dr\u00f6hnt \u201aYou gotta fight for your right\u2018. Es ist eindeutig, dass \u201eThe Tragedy of Julius Caesar\u201c ins moderne Rom verlegt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7118\" aria-describedby=\"caption-attachment-7118\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7118 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Caesar1-1-e1465982424467-448x672.jpg\" alt=\"Caesar1\" width=\"448\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7118\" class=\"wp-caption-text\">Meckert gerne: Casca. Foto: Oliver Schr\u00f6der.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">R\u00f6mer im Kapuzenpulli<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann erscheint er, im langen schwarzen Ledermantel mit goldener Bl\u00e4tterkrone auf dem Kopf, Julius Caesar umringt von seinen Anh\u00e4ngern. Darunter Anthony mit Pferdeschwanz und Springerstiefeln und Casca, die selbstbewusst auf ihren Pumps durch die Gegend st\u00f6ckelt. Im ganzen St\u00fcck sind die Kost\u00fcme anders als erwartet. Cassius ist eine mutige Rockerbraut in Lack und Leder mit schwarzem Lippenstift, die Anh\u00e4nger der einzelnen Lager erkennt man an ihren Kapuzenpullis mit Gang-Aufdruck, und 80-er Jahre Rambo-Doppelg\u00e4nger mit Plastik-Pumpgun st\u00fcrzen sich f\u00fcr Anthony ins Gefecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Story an sich ist schnell erz\u00e4hlt: Caesar hat den B\u00fcrgerkrieg gewonnen und wird nun von seinen Anh\u00e4ngern gefeiert. Eine Gruppe R\u00f6mer unter der Leitung von Brutus plant jedoch eine Revolte. Durch einen ausgekl\u00fcgelten Plan gelingt es ihnen tats\u00e4chlich, Caesar im flackernden Strobolicht mit Einsatz von viel Kunstblut zu ermorden. Doch nach dem Tod seines Masters schafft Anthony es, das r\u00f6mische Volk gegen die Revolteure aufzubringen und am Ende lassen die meisten von ihnen ihr Leben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7119\" aria-describedby=\"caption-attachment-7119\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7119 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Caesar2-1008x672.jpg\" alt=\"Caesar2\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7119\" class=\"wp-caption-text\">Revolte in Rom: links Anthony mit seinen Anh\u00e4ngern, rechts Cassius und Brutus. Foto: Oliver Schr\u00f6der.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Shakespeare mal anders<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz sehr professionell wirkender Schauspieler, die ihre anspruchsvollen Texte fast ein Vierteljahr einge\u00fcbt haben, werden vor allem im 2. Akt einige Dialoge doch ein wenig langwierig. Dies k\u00f6nnte auch am stellenweise schwer zu verstehenden Shakespeare-Englisch liegen. Alles in allem wurde der Klassiker aber gelungen umgesetzt und lebt vor allem durch die Stimmgewalt der Schauspieler. Besonders deutlich wird dies w\u00e4hrend der Rede Anthonys, wenn der aufgebrachte Mob dem Zuschauer sprichw\u00f6rtlich ins Gesicht br\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch bis Freitag kann man sich das St\u00fcck im <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/brechtbautheater\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BrechtBauTheater <\/a>anschauen. Infos gibt es <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/976854235761915\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf der Seite der Veranstalter<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anmerkung: Alle Fotos entstanden bei der Generalprobe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Oliver Schr\u00f6der.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs gibt viele Punkte, in denen sich dieses St\u00fcck von den vorherigen abhebt, vor allem wollten wir den Zuschauer miteinbeziehen\u201c sagt Oliver Schr\u00f6der stolz. 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