{"id":715,"date":"2012-05-18T14:49:17","date_gmt":"2012-05-18T12:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=715"},"modified":"2012-05-18T14:49:17","modified_gmt":"2012-05-18T12:49:17","slug":"die-angst-vor-dem-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/05\/18\/die-angst-vor-dem-vergessen\/","title":{"rendered":"Die Angst vor dem Vergessen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #004b88;\"><strong>1906 stellte Alois Alzh<\/strong><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Mathias Jucker | Foto: Hertie-Institut\" src=\"http:\/\/www.hih-tuebingen.de\/fileadmin\/files\/Presse\/Bilder\/tuebingen_orig070.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"156\" \/><span style=\"color: #004b88;\"><strong>eimer auf einer Fachtagung in T\u00fcbingen die sp\u00e4ter nach ihm <\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong>bena<\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong>nnte K<\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong>rank<\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong>heit<\/strong><\/span><span style=\"color: #004b88;\"><strong> zum ersten Mal vor. Heute wird sie am T\u00fcbinger Hertie-<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><strong>Institut erforscht.<\/strong><\/span><br \/>\n<em>von Hendrik Rohling<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong>Was hat sich auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung in den letzten 100 Jahren getan?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: Bereits Alzheimer erkannte die Eiwei\u00dfablagerungen im Gehirn, die die Krankheit kennzeichnet. Lange Zeit blieb das der Stand der Forschung. Die Gr\u00fcnde sind zweierlei: Erstens sind fr\u00fcher die Menschen nicht so alt geworden, die Krankheit spielte gesellschaftlich eine geringere Rolle. Zweitens sah man nur das Ende der Krankheit,<br \/>\nnicht aber den Verlauf.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong>Was brachte die Forschung in Schwung?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: Vor 20 Jahren konnte ein Gendefekt identifiziert werden, den zwar wenige Alzheimerpatienten in sich tragen, der jedoch mit Sicherheit Alzheimer verursacht. Dieses Gen l\u00e4sst sich in Tiere, n\u00e4mlich in M\u00e4use, W\u00fcrmer, Fliegen, einschleusen, sodass diese<br \/>\ndie defekten Proteine im Gehirn ausbilden.<br \/>\nMit diesen Modellen war es nun auch m\u00f6glich, den Verlauf der Krankheit zu untersuchen.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong><br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>Sie besch\u00e4ftigen sich mit Ihren Kollegen zur Zeit auch mit der Frage, ob Alzheimer<\/strong><\/em> <em><strong>ansteckend sein k\u00f6nnte. Wie ist da der Stand?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: Alzheimer entsteht durch missgefaltete Eiwei\u00dfe. Diese sorgen daf\u00fcr, dass andere Eiwei\u00dfe die fehlerhafte Information \u00fcbernehmen. Eine Kettenreaktion ist die Folge. Im Labor lassen sich diese defekten Eiwei\u00dfe experimentell von Tier zu Tier \u00fcbertragen.<br \/>\nEine solche \u00dcbertragung findet beim Menschen offensichtlich nicht statt. Nun kann man sich freuen, dass dem so ist. Wichtig und interessant ist aber auch die Frage, warum passiert es eigentlich nicht und sind wir 100 Prozent sicher, dass es beim Menschen nie passiert?<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong>Welche Behandlungsm\u00f6glichkeiten gibt es gegen Alzheimer?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: Bislang konnten nur Symptome behandelt werden. Die besten Medikamente\u00a0 k\u00f6nnen die Krankheit etwa sechs bis neun Monate hinausz\u00f6gern. Man kann sagen, das sei wenig, doch f\u00fcr die Betroffenen kann das ein gro\u00dfer Gewinn sein. Eine Therapie, die auch die Ursachen bek\u00e4mpft, wurde erfolgreich an M\u00e4usen getestet. Derzeit laufen\u00a0 klinische Studien am Menschen.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong>Auf der Homepage Ihrer Abteilung des Hertie-Instituts gibt es ein Spiel. Man k\u00e4mpft an gegen Amyloid-Plaques im Gehirn einer Maus. Was kann dieses Spiel verdeutlichen?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: In dem Spiel gibt es insbesondere die M\u00f6glichkeit einer Impfung. Genau damit ist die neuartige Therapie gemeint.<br \/>\n<span style=\"color: #004b88;\"><em><strong>Hat sich die Wahrnehmung von Demenzkrankheiten wie Alzheimer in den letzten Jahren ver\u00e4ndert, insbesondere durch das Bekanntwerden der Erkrankung bei Prominenten?<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nM. Jucker: Prominente haben sicher dazu beigetragen. Aber ganz allgemein steigt mit zunehmendem Alter die Angst vor Alzheimer. Stellen Sie sich vor, das ganze Wissen und alle die Erinnerungen zu verlieren, die man \u00fcber ein ganzes Leben angesammelt hat: die ganze Kindheit, alle Bekannten, die eigenen Kinder.<br \/>\nIst dies nicht das Schlimmste, was einem passieren kann? J\u00fcngere Menschen realisieren weniger, wie schrecklich das ist. Aber stellen Sie sich nur vor, Sie w\u00fcrden Ihre Freundin und Ihre Eltern nicht mehr erkennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1906 stellte Alois Alzheimer auf einer Fachtagung in T\u00fcbingen die sp\u00e4ter nach ihm benannte Krankheit zum ersten Mal vor. 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