{"id":7316,"date":"2016-07-17T12:40:01","date_gmt":"2016-07-17T10:40:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=7316"},"modified":"2016-07-17T12:40:01","modified_gmt":"2016-07-17T10:40:01","slug":"notwendiges-uebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/07\/17\/notwendiges-uebel\/","title":{"rendered":"Notwendiges \u00dcbel?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Immer wieder entz\u00fcnden sich Diskussionen in T\u00fcbingen zum Thema Tierversuche in der Wissenschaft. In den vergangenen zwei Jahren versch\u00e4rfte sich der Ton der Debatte weiter, nachdem ein <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.tierversuche-mit-affen-tuebinger-max-planck-institut-in-der-kritik.b4be2e0a-f22a-46a8-8515-d4c36f11f3b6.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Video<\/a> aus den Versuchslaboren des Max-Planck-Instituts auftauchte. Der Tag der offenen T\u00fcr am Max-Planck-Institut bot deshalb Gelegenheit sich zu informieren \u2013 und zu demonstrieren.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am T\u00fcbinger Max-Planck-Institut (MPI) f\u00fcr biologische Kybernetik werden zu Forschungszwecken Versuche an Nagetieren und nicht-humanen Primaten durchgef\u00fchrt. Diese werden von Tiersch\u00fctzern als unn\u00f6tig, schmerzvoll und auf wirtschaftliche Gewinne ausgerichtet bezeichnet. Als Reaktion auf den Tag der offenen T\u00fcr \u00a0an den Max-Planck-Instituten Mitte Juni kam es erneut zu Protesten, an denen auch Studierende teilnahmen. Vermeintlich selten h\u00f6rt man hingegen die Sicht der Wissenschaftler.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7320\" aria-describedby=\"caption-attachment-7320\" style=\"width: 504px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7320\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/13664469_1051497828267600_1045745358_n-504x672.jpg\" alt=\"Tiersch\u00fctzer demonstrieren vor den Instituten beim Tag der offenen T\u00fcr \/ \u00a9 Friedrich M\u00fclln\" width=\"504\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7320\" class=\"wp-caption-text\">Tiersch\u00fctzer demonstrieren vor den Instituten beim Tag der offenen T\u00fcr \/ \u00a9 Friedrich M\u00fclln<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grundlagenforschung wie sie am MPI\u00a0f\u00fcr biologische Kybernetik durchgef\u00fchrt wird, kommt im Idealfall allen Menschen zu Gute, auch wenn die gro\u00dfen Erfolge erst Jahre sp\u00e4ter zu erkennen sind. Professor Dr. Klaus Scheffler, Leiter der Abteilung f\u00fcr Hochfeld-Magnetresonanz am MPI\u00a0erkl\u00e4rt, an was seine Abteilung forscht:<br \/>\n&#8222;Wir versuchen mithilfe von Magnetresonanztomografie dem Gehirn beim Denken zuzuschauen. Wenn neuronale Prozesse im Gehirn ablaufen, m\u00fcssen die Nervenzellen mit Energie versorgt werden. Durch den erh\u00f6hten Energiebedarf \u00e4ndert sich der Blutfluss im Gehirn und den k\u00f6nnen wir messen.&#8220;\u00a0Die Experimente werden zum Gro\u00dfteil an Menschen durchgef\u00fchrt, allerdings sind die Forscher auf Ergebnisse aus tierexperimentellen Versuchen anderer Wissenschaftler angewiesen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Tierforschung kann Leben retten<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sollen zuk\u00fcnftig mittels Magnetresonanztomografie die Methoden zur besseren Fr\u00fcherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose sowie Krebserkrankungen verbessert werden. Aktuell seien Tierversuche in vielen Forschungsbereichen noch immer unverzichtbar. Gleichzeitig sind sich die Forscher der gesellschaftlichen Explosivit\u00e4t des Themas bewusst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7318\" aria-describedby=\"caption-attachment-7318\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7318\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/13728505_1051498004934249_180089642_o-1008x672.jpg\" alt=\"Hoch hinaus will man mit der Forschung am Zentrum f\u00fcr biologische Kybernetik \/ \u00a9 Marko Knab\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7318\" class=\"wp-caption-text\">Hoch hinaus will man mit der Forschung am Zentrum f\u00fcr biologische Kybernetik \/ \u00a9 Marko Knab<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie nicht-invasiven Verfahren, die man beim Menschen anwenden darf, wie z.B. MRT oder EEG, geben einfach wesentlich weniger und qualitativ andere Informationen als invasive Messungen [an Tieren; Anm. d. Autors]. Denn die Aktivit\u00e4t von Neuronen kann dabei nur indirekt gemessen werden, eine direkte Ableitung ist nur invasiv m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ein Dilemma<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gro\u00dfteil der Gesellschaft m\u00f6chte m\u00f6glichst genaue Fr\u00fcherkennungsmethoden, das bestm\u00f6gliche Medikament genaue und nicht-gesundheitssch\u00e4dliche Messverfahren. Das Dilemma ist, so Scheffler, dass zu wenig sachlich \u00fcber Tierversuche diskutiert werde.\u00a0\u201eEs ist ein wichtiger Teil von wissenschaftlicher Arbeit, zu pr\u00fcfen, ob ein Tierversuch notwendig ist, oder durch eine passende Alternativmethode ersetzt werden kann.\u201c\u00a0Allerdings sind viele Alternativmethoden noch in der Testphase und k\u00f6nnen erst in ein paar Jahren routinem\u00e4\u00dfig eingesetzt werden. An der Entwicklung einiger dieser Alternativverfahren sind auch T\u00fcbinger Forscher beteiligt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7321\" aria-describedby=\"caption-attachment-7321\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7321\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/13702517_1051497934934256_1292749645_o-1008x672.jpg\" alt=\"Prof. Dr. Klaus Scheffler: \u201eDie Mehrzahl der Bev\u00f6lkerung ist f\u00fcr eine gewisse Art von Tierversuchen.\u201c \/ \u00a9 Marko Knab\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7321\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Klaus Scheffler: \u201eDie Mehrzahl der Bev\u00f6lkerung ist f\u00fcr eine gewisse Art von Tierversuchen.\u201c \/ \u00a9 Marko Knab<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Der Dialog fehlt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scheffler ist au\u00dferdem der Meinung, dass sich die meisten ein einseitiges Urteil \u00fcber das Thema bilden. \u201eEin Dialog zwischen Wissenschaft und \u00d6ffentlichkeit ist dringend n\u00f6tig\u201c, meint der renommierte Physiker, der seit Februar an einem EU-Projekt zur Verbesserung der Fr\u00fcherkennung von Krebstumoren beteiligt ist, das mit 5,8 Millionen Euro gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tiersch\u00fctzer der \u201e<a href=\"http:\/\/www.soko-tierschutz.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SOKO Tierschutz<\/a>\u201c werfen dem Institut immer wieder nicht vorhandene Transparenz vor und fordern das Ende der Tierversuche. Ende 2016 werden die Experimente mit Primaten der Abteilung \u201ePhysiologie kognitiver Prozesse\u201c von Prof. Logothetis am MPI\u00a0f\u00fcr biologische Kybernetik in T\u00fcbingen eingestellt. Nicht nur der Druck der Medien wurde zu viel, Logothetis bem\u00e4ngelt auch, dass die wissenschaftlichen Organisationen \u00f6ffentlich nicht energisch genug aufgetreten sind. Auch Scheffler ist der Meinung, dass die Diskussion in den letzten zwei Jahren zu einseitig gef\u00fchrt worden sei und man kaum Stimmen f\u00fcr Tierversuche geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7322\" aria-describedby=\"caption-attachment-7322\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7322\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/13702311_1051498011600915_1410425110_o-1008x672.jpg\" alt=\"Alternativen zu Tierversuchen werden in den n\u00e4chsten Jahren verbessert und damit h\u00e4ufiger werden \/ \u00a9 Marko Knab\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7322\" class=\"wp-caption-text\">Alternativen zu Tierversuchen werden in den n\u00e4chsten Jahren verbessert und damit h\u00e4ufiger werden \/ \u00a9 Marko Knab<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re an der Zeit,\u00a0die Debatte sachlich zu f\u00fchren und \u00fcber die angemessene Nutzung von Tieren zur Erforschung des menschlichen Organismus zu diskutieren. Eine Forschung, deren Ergebnisse aufgrund der Art und Weise, wie sie gewonnen werden, als ethisch nicht korrekt empfunden werden, ist schwer zu begr\u00fcnden, weil ihr Nutzen nicht anerkannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siehe auch Kupferblau-Bericht:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2015\/06\/28\/protestzug-gegen-tierversuche\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PROTESTZUG GEGEN TIERVERSUCHE<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder entz\u00fcnden sich Diskussionen in T\u00fcbingen zum Thema Tierversuche in der Wissenschaft. 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