{"id":7702,"date":"2016-11-11T17:50:07","date_gmt":"2016-11-11T16:50:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=7702"},"modified":"2016-11-11T17:50:07","modified_gmt":"2016-11-11T16:50:07","slug":"rechtsstreit-um-ilias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/11\/11\/rechtsstreit-um-ilias\/","title":{"rendered":"Rechtsstreit um Ilias"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Landeshochschulkonferenz Baden-W\u00fcrttemberg hat die Rahmenvereinbarung der VG Wort abgelehnt \u2013 vorerst k\u00f6nnen weiterhin Texte im Intranetz hochgeladen werden. Wieso der Streit jedoch noch nicht gelegt ist und inwiefern das uns Studierende betrifft, sollte jetzt im Blick sein.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Was ist die VG Wort und was sind ihre Forderungen?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verwertungsgesellschaft Wort ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Einnahmen der Tantieme \u2013 der Verg\u00fctung, die Autoren f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung oder Auff\u00fchrung ihrer Werke erhalten \u2013 zwischen dem Nutzer und dem Urheber. Sobald aus einem Artikel oder Buch zitiert wird, registriert die VG Wort dies und stellt das in Rechnung, handelt somit nach dem geltenden Urheberrecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2013 k\u00e4mpft die VG Wort f\u00fcr eine Neuverhandlung der Regelungen \u00fcber die Zweitverwertung von Texten. Bis dato konnten Textmaterialien durch eine Pauschalabrechnung der Universit\u00e4t abgedeckt werden, letztes Jahr wurde eine Einzelverrechnung erreicht. Der erneuerte \u00a752a UrhG verlangte nun eine Einzelmeldung an die VG Wort, sprich: Jedes Buch muss anhand einer Maske manuell angegeben werden &#8211; die Pauschalabrechnung entf\u00e4llt, der b\u00fcrokratische Aufwand steigt. Aus einer im Dezember des letzten Jahres gemeinsam erschienenen Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz und der VG Wort ging hervor, dass die Pauschalabrechnungen 2016 noch Anwendung finden w\u00fcrden, eine Weiterentwicklung der Eingabemasken jedoch wom\u00f6glich ab Anfang 2017 eingesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3>Was hei\u00dft das genau f\u00fcr Uni und Studierende?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als in der Pressemitteilung der Bayerischen und Baden-W\u00fcrttembergischen Landesrektorenkonferenz vom 02. November 2016 \u00fcber die Ablehnung der Rahmenvereinbarung berichtet wurde, sprach auch der T\u00fcbinger Professor f\u00fcr Zeitgeschichte Prof. Dr. Doering-Manteuffel eine Beschr\u00e4nkung der Digitalisierung an \u2013 man d\u00fcrfe \u201e[die] Hochschullehre nicht durch b\u00fcrokratische Regelungen massiv behindern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gr\u00f6\u00dfte Sorge des b\u00fcrokratisch fragw\u00fcrdigen Aufwands wurde durch eine Studie der Uni Osnabr\u00fcck verbildlicht. F\u00fcr ein Semester wurde die Methode der Einzelerfassung mit den vorgesehenen Masken der VG Wort erprobt. Ein Gro\u00dfteil der Dozenten, die von ihren Arbeitspensen erz\u00e4hlten, bem\u00e4ngelten den zeitraubenden Faktor und \u00e4u\u00dferten einen allgemeinen Zweifel am Nutzen des Verfahrens. Zumal seien viele Fragen, wie die Deckung der Kosten der Einzelanmeldungen, ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7704\" aria-describedby=\"caption-attachment-7704\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7704\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/15042201_10211470194136770_8066246441870841033_o-1010x672.jpg\" alt=\"Der Kopiermarathon kann beginnen. Foto: Felix M\u00fcller.\" width=\"1010\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7704\" class=\"wp-caption-text\">Der Kopiermarathon kann beginnen. Foto: Felix M\u00fcller.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Studierende hei\u00dft diese Neuerung aber auch ganz klar: Wenn Professoren aufgrund zeitlicher Begrenzungen keine Skripte und Materialien bereit stellen, m\u00fcssen sie selbst den Weg zu den Literaturquellen antreten. Man bedenke dann noch die reduzierte Anzahl der Werke und die Saison der Buchjagd sei er\u00f6ffnet.<\/p>\n<h3>Ein wenig Spielraum nach oben<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Robert Staats, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der VG Wort, zeigte sich jedoch k\u00fcrzlich kooperativ und beteuerte seine Gespr\u00e4chsbereitschaft bez\u00fcglich einer \u201em\u00f6glichst praktikable[n] Umsetzung des Rahmenvertrages\u201c. Wom\u00f6glich auch in Hinblick auf die Landeshochschulkonferenzen Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Schleswig Holstein, die sich im letzten Monat gegen eine Zustimmung aussprachen. Man kann schlie\u00dflich nur hoffen, dass eine Neuverhandlung des \u00a752a im Sinne der Universit\u00e4ten geschieht, die auf die Bildungsbed\u00fcrfnisse der Studierenden eingehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Bereitstellung von Literaturquellen durch eine solche Ma\u00dfnahme begrenzt wird, wirft das nat\u00fcrlich Fragen der qualitativen Folgen auf. Wie k\u00f6nnen Veranstaltungen thematische Einblicke gew\u00e4hren, wenn die Texte nicht mit den Studierenden geteilt werden? Wie kann die Universit\u00e4t sicher stellen, dass alle Teilnehmer der Veranstaltungen Zugang zu den Werken haben? K\u00f6nnen die eventuell zus\u00e4tzlich entstehenden Kosten von der Universit\u00e4t gedeckt werden oder w\u00e4lzt sich dies auf den Studierenden ab? Es erscheint absurd, dass demnach eine Methode Anwendung finden soll, wenn solchen Fragen vorerst keine Antworten entgegen stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0Titelbild: Paul Mehnert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Landeshochschulkonferenz Baden-W\u00fcrttemberg hat die Rahmenvereinbarung der VG Wort abgelehnt \u2013 vorerst k\u00f6nnen weiterhin Texte im Intranetz hochgeladen werden. 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