{"id":7728,"date":"2016-11-16T19:41:58","date_gmt":"2016-11-16T19:41:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=7728"},"modified":"2021-02-20T14:57:58","modified_gmt":"2021-02-20T14:57:58","slug":"russische-sehnsucht-verzaubert-den-festsaal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/11\/16\/russische-sehnsucht-verzaubert-den-festsaal\/","title":{"rendered":"Russische Sehnsucht verzaubert den Festsaal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Russische Kl\u00e4nge erf\u00fcllten zum Konzertauftakt der Wintersaison den Festsaal der Neuen Aula. Das hervorragend aufspielende Moskauer Sinfonieorchester vereinte am Montagabend die Musik dreier russischer Komponisten aus den letzten zweihundert Jahren und begeisterten damit das Publikum.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer zuf\u00e4llig am Montagabend noch an der Neuen Aula vorbeikam, sah wieder eine Menge chic gekleideter Frauen und M\u00e4nner vor dem Geb\u00e4ude stehen. Russische Klassik vom Feinsten haben sich die Veranstalter, das <a href=\"https:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturreferat<\/a> der Uni und die <a href=\"http:\/\/www.museumsgesellschaft-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">T\u00fcbinger Museumsgesellschaft<\/a>, mit dem Staatlichen Sinfonieorchester Moskaus ins Haus geholt. Unter der Leitung des ber\u00fchmten russischen Dirigenten Dmitry Orlov wurden Werke von Glinka, Chatschaturjan und Schostakowitsch aufgef\u00fchrt. Wem diese Namen oder deren Werke nicht viel sagten, der konnte sich bereits ab 19:30 Uhr im Saal des Gro\u00dfen Senats eine Einf\u00fchrung in die russische Klassik anh\u00f6ren. Aufgef\u00fchrt wurden Glinkas Kamarinskaya, Chatschaturjans Konzert f\u00fcr Violine und Orchester in d-moll und Schostakowitschs bekannte Sinfonie Nr. 5 d-moll op.47.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7754\" aria-describedby=\"caption-attachment-7754\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7754 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Staatliches-Sinfonieorchester-Moskau-1-c-by-Alexandr-Kirzhenkov-1038x435.jpg\" alt=\"staatliches-sinfonieorchester-moskau-1-c-by-alexandr-kirzhenkov\" width=\"1038\" height=\"435\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7754\" class=\"wp-caption-text\">Das staatliche Sinfonieorchester Moskau unter der Leitung von Dmitry Orlov. Foto: Kulturreferat T\u00fcbingen\/Alexandr Kirzhenkov.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Tanz und Tempo<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Anfang des Konzerts stellte Michail Glinkas St\u00fcck Kamarinskaya dar, welches das \u00e4lteste der drei aufgef\u00fchrten St\u00fccke ist und stark in der Tradition des russischen Volkslieds steht. Steht doch Kamarinskaya selbst f\u00fcr einen russischen Volkstanz, so zieht einen das kurzweilige Werk mit seinem famosen Streichersatz direkt an. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie zu \u00e4hnlicher Musik auf Hochzeiten getanzt wird. Seine vielen Tempowechsel und die pizzicato-Stellen wurden vom Orchester fehlerlos mit einer unglaublichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7755\" aria-describedby=\"caption-attachment-7755\" style=\"width: 1009px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7755 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DSC03291_edited-1009x672.jpg\" alt=\"dsc03291_edited\" width=\"1009\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7755\" class=\"wp-caption-text\">Die Streicher, allen voran die Violinen drapiert um Dirigent Orlov, bildeten oftmals das Herzst\u00fcck der Melodien. Foto: Felix M\u00fcller.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anschlie\u00dfend trieb der energisch und doch zugleich konzentriert wirkende Dmitry Orlov seine Musiker zu weiteren Glanzleistungen, die im Zusammenspiel mit dem ber\u00fchmten und genialen Solo-Violinisten Graf Mourja den H\u00f6hepunkt des Konzerts markierten. Mourja, der bereits im Alter von drei Jahren mit dem Geigenunterricht begann, gilt als einer der begabtesten Violinisten ganz Europas. Kein Wunder, dass er mit neun Jahren an die renommierte Moskauer Tschaikowski-Musikschule kam und mit 16 schon die ersten internationalen Preise gewann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wer von der Papierform nicht viel h\u00e4lt, der wurde sp\u00e4testens jetzt \u00fcberzeugt. Graf Mourja und seine Geige scheinen eins zu sein, wenn er voller Energie die \u00fcberaus schnellen Auf- und Abw\u00e4rtsbewegungen des Werkes perfekt meistert. Seine Genialit\u00e4t zeigt sich auch in seinem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen f\u00fcr die Musik und das komplette Arrangement. Er wechselt in der Lautst\u00e4rke, betont besondere Passagen und wirkt nicht wie andere Solisten getrennt vom Orchester.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chatschaturjans Violinkonzert ist ein sehr dynamisch mit vielen ausgepr\u00e4gten Solo-Passagen, in denen Mourja seine ganze Klasse zeigt. Nach diesem St\u00fcck, das einen als Zuh\u00f6rer aufgrund seiner dramatischen Stellen in seinen Bann zieht und mit einem sch\u00f6nen Zusammenspiel von Solo-Violine und Klarinette im 2. Satz wirklich in Erinnerung bleibt, l\u00e4sst sich Graf Mourja nicht bitten und legt eine kurze One-Man-Show ein, in der er dem Publikum eindrucksvoll zeigt, was er aus seinem Instrument herauszuholen vermag.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7760\" aria-describedby=\"caption-attachment-7760\" style=\"width: 1009px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7760 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Graf-Mourja-1-c-Anna-Murzha-1009x672.jpg\" alt=\"graf-mourja-1-c-anna-murzha\" width=\"1009\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7760\" class=\"wp-caption-text\">Graf Mourja, der wahrlich virtuos mit der Solo-Violine das Konzert belebte, spielt auf einer Geige von Santino Lavazza von 1770. Foto: Kulturreferat\/Anna Murzha.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Dramatisches Finale nach der Pause<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause geht es ohne Mourja weiter, daf\u00fcr aber mit dem dritten und letzten Werk des Abends &#8211; der ber\u00fchmten 5. Sinfonie Schostakowitschs. Sie wird oftmals als dessen Rehabilitation gegen\u00fcber dem politischen, sowjetischen System gesehen. Geriet der K\u00fcnstler doch mehrmals ins Fadenkreuz Stalins und sagte selbst zur Beziehung seines Lebens zu seinem musikalischen Schaffen: \u201eDas Warten auf die Exekution ist eines der Themen, die mich mein Leben lang gemartert haben, viele Seiten meiner Musik sprechen davon.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das St\u00fcck, aus vier S\u00e4tzen bestehend, beginnt verhalten und d\u00fcster. Im ersten Satz zeigen Blechbl\u00e4ser und Kontrabass ihr K\u00f6nnen und in einem entsteht ein Bild einer bizarren, verwunschenen Landschaft. Dramatisch geht der Satz zu Ende, w\u00e4hrend das nun folgende Allegretto kurz gehalten ist. Im dritten Satz r\u00fccken in einem wunderbaren Duett Harfe und Querfl\u00f6te kurz in den Mittelpunkt, nur um dann von einer unheilvollen, sehr dramatischen Melodie der Streicher abgel\u00f6st zu werden, die Spannung erzeugt und zum finalen vierten Satz hinf\u00fchrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7757\" aria-describedby=\"caption-attachment-7757\" style=\"width: 1009px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7757 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DSC03334_edited-1009x672.jpg\" alt=\"dsc03334_edited\" width=\"1009\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7757\" class=\"wp-caption-text\">Das gesamte Orchester genie\u00dft den aufbrandenden Applaus am Ende des Abends. Foto: Felix M\u00fcller.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vierten Satz, der mit einem berauschenden, schier nicht enden wollenden Marsch abschlie\u00dft, zeigt das Moskauer Sinfonieorchester nochmals seine ganze Klasse. Das perfekte Zusammenspiel und sein stilistisches Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen zeigen sich, wenn in einem Moment eine tr\u00fcgerische Ruhe im piano gespielt wird, die sich einen Augenblick sp\u00e4ter in ein atemberaubendes fortissimo verwandelt. Majest\u00e4tisch und erhaben und doch romantisch und zerbrechlich wirkt dieses Ende. Nach anhaltendem Applaus kehrt Dmitry Orlov noch einmal auf die B\u00fchne zur\u00fcck und verz\u00fcckt das Publikum mit einer Zugabe. Danach f\u00e4llt die Spannung von ihm ab und er l\u00e4chelt in den Saal.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7758\" aria-describedby=\"caption-attachment-7758\" style=\"width: 1011px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7758 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/DSC03353_edited-1011x672.jpg\" alt=\"dsc03353_edited\" width=\"1011\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7758\" class=\"wp-caption-text\">Zuerst konzentriert wie ein russischer General sein Orchester man\u00f6vrierend, l\u00e4chelt Dmitry Orlov zum Applaus am Ende ins Publikum. Foto: Felix M\u00fcller.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alle, deren Interesse an klassischer Musik nun geweckt wurde, empfehlen sich die weiteren Konzerte, die dieses Semester noch in der Neuen Aula zu sehen und h\u00f6ren sein werden. N\u00e4chster Gast wird das <a href=\"https:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/konzerte\/wintersaison\/ensemble-martinu-prag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ensemble Martinu Prag<\/a> sein, das am 29.11. ab 20.15 Uhr auftritt. F\u00fcr Studierende gibt es \u00fcbrigens Karten zum halben Preis oder etwaige Restkarten am Konzertabend zu 8\u20ac. Eine tolle M\u00f6glichkeit, erstklassige klassische Musik f\u00fcr wenig Geld zu erleben.<\/p>\n<p>Mehr Infos unter: <a href=\"https:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.konzerte-tuebingen.de\/<\/a><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Glinkas Kamarinskaya:\u00a0<\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dMOhbjD0vVk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dMOhbjD0vVk<\/a><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Chatschaturjans Konzert f\u00fcr Violine und Orchester in d-Moll:\u00a0<\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rXjZAwZoj1g\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rXjZAwZoj1g<\/a><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Schostakowitschs Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47:<\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0FF4HyB77hQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0FF4HyB77hQ<\/a><br \/>\n<em>Titelbild: Felix M\u00fcller.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russische Kl\u00e4nge erf\u00fcllten zum Konzertauftakt der Wintersaison den Festsaal der Neuen Aula. 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