{"id":7835,"date":"2016-11-28T10:30:47","date_gmt":"2016-11-28T10:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=7835"},"modified":"2021-02-20T14:47:16","modified_gmt":"2021-02-20T14:47:16","slug":"how-to-become-a-tuebinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/11\/28\/how-to-become-a-tuebinger\/","title":{"rendered":"How to become a T\u00fcbinger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Modulhandbuch der au\u00dferuniversit\u00e4ren Malifikationen oder von der Kunst ein Student zu sein &#8211; asozial, faul, (ein)gebildet.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorwort<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sei dieses Modulhandbuch angeraten zuallererst jenen, die sich aus Gr\u00fcnden (aus welchen, wisst ihr selbst besser), entschlossen haben, in einer schnelllebigen, hippen, kreativen, immer wieder \u00fcberraschenden Stadt lieber nicht zu studieren und stattdessen nach T\u00fcbingen gezogen sind. Wer schon andernorts ein paar Hochschulsemester gesammelt hat, dem ist eigentlich nicht mehr viel beizubringen. Ihr seid mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit schon desillusioniert genug, euch dem Fatalismus geschlagen zu geben. Lehnt euch einfach zur\u00fcck (wenn ihr es nicht schon getan habt ihr faulen S\u00e4cke) und genie\u00dft die Show.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit bleibt mir noch die, mit dem sprachgewordenen Pendant ihrer naiven Lebensfreude betitelten, \u201eErstis\u201c zu adressieren. Statistisch gesehen (vermute ich, bin zu faul nachzuschauen), seid ihr vom <em>\u201eWorken\u201c<\/em> in Australien frisch zur\u00fcckge<em>travelt<\/em> ins schw\u00e4bische Outback oder habt sonst wo nach euch selbst gesucht und dabei zumindest zwei Spanierinnen und einen Engl\u00e4nder gefunden, die, auf der Suche nach <em>sich<\/em> selbst, <em>euch<\/em> gefunden haben. Da man an der Uni einiges lernen kann, wof\u00fcr man in Klausuren Punkte bekommt, empfehle ich nachfolgend einige Veranstaltungen, f\u00fcr die euch niemand einen Lachsmiley ins Heft malen wird, die aber Qualifikationen wie M\u00fc\u00dfiggang und Wichtigtuerei vermitteln.<\/p>\n<h3><strong>Vorlesung: Angewandte Kombinatorik im Nudeltopf<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Bed\u00fcrfnishierarchie ganz unten angefangen, kann wohl davon ausgegangen werden, dass der\/die Leser*in des eigenst\u00e4ndigen Schlafens und Atmens m\u00e4chtig ist, fraglicher Punkt bleibt also noch das Essen. Als Grundnahrungsmittel des gemeinen Studenten sind zu nennen: Nudeln, Tomatenso\u00dfe. Berechnen wir die m\u00f6glichen Kombinationen, kommen wir zu dem Ergebnis, dass es derer zwei gibt: Tomatenso\u00dfe auf Nudeln und Nudeln auf Tomatenso\u00dfe. Es wird schnell klar, die Mathematik ern\u00fcchtert und ist damit im Kampf gegen den n\u00fcchternen Magen kontraproduktiv. Sie wird deshalb erg\u00e4nzt um den kulturtheoretischen Ansatz des Proseminars:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der D\u00f6nerspie\u00df \u2013 Eine Allegorie auf die st\u00e4ndig um sich selbst rotierende Gesellschaft? <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Analysiert und diskutiert werden soll hier insbesondere die kameradschaftlich-kannibalische Beziehung zwischen Student und gef\u00fclltem Fladenbrot, die besonders im Morgengrauen dem vergifteten Magen den Schmerz der vergangenen Nacht lindert. Als Lekt\u00fcre ist anzuschaffen das Traktat <em>Speisekarte<\/em> des Philosophen <em>Aksaray<\/em>.<\/p>\n<h3><strong>Kolloquium: Epistemologie f\u00fcr Erkenntnisfaule<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasst es euch gesagt sein von einem, der wissen sollte, wie man wirkt, als ob man etwas wei\u00df: dieses Kolloquium bereitet ideal vor, auf die Gretchenfrage nach den Berufsaussichten des gew\u00e4hlten Studiengangs: \u201eUnd was macht man dann damit?\u201c. Durchgenommen werden Begriffe wie <em>pejorativ<\/em> (das hei\u00dft <em>abwertend,<\/em> das hei\u00dft <em>b\u00e4h!<\/em>), die es erm\u00f6glichen die finanzierende Verwandtschaft in k\u00fcrzester Zeit optimal zu verwirren und ihren Erkenntnisdrang nachhaltig zu d\u00e4mpfen. Studierende selbsterkl\u00e4render Studienf\u00e4cher sind von der Teilnahme befreit (Beispiel: Zahnmedizin).<\/p>\n<h3><strong>Vorlesung: Rein oder Nicht-Rein? Existentialismus im Sp\u00e4twerk von Meister Proper<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diese Vorlesung sind einige studienbegleitende Leistungen zu erbringen, die auf das Abschlussprojekt <em>saubere WG-K\u00fcche<\/em> vorbereiten. Zun\u00e4chst sollte in der Gruppe ein 15-seitiger Putzplan aufgestellt werden, der das Putzdesign ersch\u00f6pfend begr\u00fcndet. Bez\u00fcglich des selbstst\u00e4ndig zu erledigenden Geschirrsp\u00fclens ist anzumerken: <em>Einweichen<\/em> (!) gilt als Betrugsversuch und kann mit Klodienst geahndet werden. F\u00fcr die pers\u00f6nliche Hygiene gelten die \u00fcblichen Bestimmungen. Das Tutorium <em>Gesichtshaarpflege<\/em> ist f\u00fcr m\u00e4nnliche Studierende rasurrelevant. Wer Interesse f\u00fcr die Ideengeschichte der Reinigungslehre hat, kann sich im Proseminar: <strong>Haja vs Hanoi \u2013 Die Dialektik des schw\u00e4bischen Geistes<\/strong> weiterbilden, wo unter anderem das Ritual der Kehrwoche erl\u00e4utert wird.<\/p>\n<h3><strong>Feldforschung: Culture &amp; Celebration \u2013 Empirical Clubhaus-Studies<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wagen Sie sich in diesem Modul heraus aus der theoretischen Partyplanung im Whatsapp-Chatroom und hinein in die zahlreichen Clubs, nein Szenelokale, nein auch nicht\u2026 in die zahlreichen Kellerbars, wo das T\u00fcbinger Nachtleben pulsiert. Eine Warnung vorweg: um zu bestehen werden Sie einige Nachtschichten einlegen m\u00fcssen, zudem k\u00f6nnen die fortgeschrittenen Inhalte nur in Partner- bzw. Gruppenarbeit bew\u00e4ltigt werden. Zum Schluss m\u00f6chte ich noch Johann Wolfgang von Goethes Aufruf zitieren, den er 1797 aus einem T\u00fcbinger Fenster kotzte: \u201eGenie\u00dft den Bierkeller, so lange es ihn noch gibt. Er ist eine Lokalit\u00e4t, deren Ambiente in Zweckm\u00e4\u00dfigkeit nur ihrem Namen gleichkommt. Au\u00dferdem merkt euch: High auf dem Mensadach kommt ihr New York so nah, wie nirgendwo sonst in T\u00fcbingen!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Autor m\u00f6chte anmerken, dass, auf halbem Wege vom Kopf auf das Papier, ein dreister Erz\u00e4hler sich seines Texts bem\u00e4chtigte und er deshalb seine H\u00e4nde in Unschuld w\u00e4scht. Der dreiste Erz\u00e4hler w\u00e4scht sich kaum und kann ab und an lamentierend auf der Wilhelmstra\u00dfe, eine Fahne von Schnaps und Schadenfreude nach sich ziehend, angetroffen werden, wo er den Hoffnungen fremder Leute nachstellt. Boris Palmer empfiehlt eine Arml\u00e4nge Abstand. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0Foto: Felix M\u00fcller.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Modulhandbuch der au\u00dferuniversit\u00e4ren Malifikationen oder von der Kunst ein Student zu sein &#8211; asozial, faul, (ein)gebildet.<\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":7840,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534,14,922,316],"tags":[570,811,2562,1819,2563,11,2564,1246,2565,2566,18,19,2567,21,519],"class_list":["post-7835","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","category-kupferplausch","category-student-lifestyle","category-studentenleben","tag-boris-palmer","tag-clubhaus","tag-doenerspiess","tag-erstsemester","tag-fauler-student","tag-featured","tag-feldforschung","tag-goethe","tag-how-to","tag-kolloquium","tag-studierende","tag-tubingen","tag-ueberlebenstipps","tag-universitaet","tag-vorlesung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7835","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7835"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7835\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23762,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7835\/revisions\/23762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}