{"id":805,"date":"2012-07-20T23:34:11","date_gmt":"2012-07-20T23:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=805"},"modified":"2021-02-21T13:47:27","modified_gmt":"2021-02-21T13:47:27","slug":"endlich-am-zug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/07\/20\/endlich-am-zug\/","title":{"rendered":"Endlich am Zug"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bereits in der letzten Ausgabe berichtete <span style=\"color: #004b88;\"><em>kupferblau<\/em><\/span> \u00fcber die geplante Wiedereinf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft. Nun ist der Gesetzentwurf ausgearbeitet. Im Sommer dieses Jahres wird das Gesetz in Kraft treten. F\u00fcr T\u00fcbingen<\/strong> <strong>kann das studentische Gremium im&nbsp; Sommersemester 2013 Realit\u00e4t werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>von Hannah Kommol, Isabel Kommol<\/em> <em>und Hannah Steinhoff<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nUmweltschutz, RAF-Terrorismus, Disco-\u00c4ra \u2013 in den 70er Jahren war die Welt im Umbruch. In ebendiesem Jahrzehnt verloren die Studenten in Baden-W\u00fcrttemberg ihre politische Stimme. Die damalige Verfasste Studierendenschaft wurde abgeschafft und an ihre Stelle traten die ASten. Letztere durften fortan lediglich bei kulturellen, musischen, sportlichen und sozialen Belangen t\u00e4tig sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun scheint \u00fcber 30 Jahre sp\u00e4ter die Zeit reif, den Studierenden wieder politisches Geh\u00f6r an ihren Hochschulen zu verschaffen. Auch in T\u00fcbingen wird daher der noch bestehende AStA von der Verfassten Studierendenschaft abgel\u00f6st. Das Gesetz zur Verfassten Studierendenschaft wurde am 27. Juni 2012 im Landtag verabschiedet. Damit kehrt die politische Stimme der Studierenden an die Hochschulen zur\u00fcck. Die Verfasste Studierendenschaft des 21. Jahrhunderts bekommt ein politisches Mandat. Dieses wird die Hochschulpolitik umfassen; ein allgemeinpolitisches Mandat ist durch den Gesetzentwurf nicht gedeckt.<\/p>\n<h3><strong><span style=\"color: #004b88;\">Ein politisches Mandat<\/span><\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rechtlich gesehen wird die Verfasste Studierendenschaft eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts. Damit kann sie Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen. Geht es nach den Mitgliedern des T\u00fcbinger Arbeitskreises \u201eZukunft der Studierendenvertretung\u201c (Ak ZSV), soll diese Neuerung allen Studierenden direkt zu Gute kommen. Als K\u00f6rperschaft w\u00e4re es in Zukunft m\u00f6glich, zum Beispiel in Verhandlung mit den Verkehrsbetrieben zu treten. Dann k\u00f6nnten die Studenten selbstst\u00e4ndig eine Preissenkung des Semestertickets vorantreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere \u00c4nderung, die mit der Wiedereinf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft einhergeht, ist die Finanzautonomie. Der AStA verwaltet lediglich Geld, das ihm die Uni zur Verf\u00fcgung stellt. Die Verfasste Studierendenschaft wird finanziell unabh\u00e4ngig sein. Dies geschieht durch einen Pflichtbeitrag.<br \/>\nVon diesem k\u00f6nnen aber Ausnahmen gemacht werden. Wer sp\u00e4ter nicht bezahlen<br \/>\nmuss, ist noch unklar. Der Beitrag wird sich voraussichtlich in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von<br \/>\nf\u00fcnf bis zehn Euro bewegen, eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Dennoch sieht Caroline Arnold, Mitglied im Ak ZSV, keine Gefahr, dass der Betrag unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<br \/>\nhoch wird: \u201eDer Gesetzentwurf verlangt, dass bei der Festlegung der H\u00f6he \u201adie sozialen<br \/>\nBelange der Studierenden\u2018 ber\u00fccksichtigt werden. Zudem wird der Haushalt der<br \/>\nVerfassten Studierendenschaft vom Rektorat der Uni und dem baden-w\u00fcrttembergischen Rechnungshof kontrolliert.\u201c Einmal festgelegt, ist die Beitragsh\u00f6he aber nicht f\u00fcr alle Ewigkeit in Stein gemei\u00dfelt. Sie kann jedes Jahr neu bestimmt werden. Der Beitrag wird zeitgleich mit den jedes Semester anfallenden<br \/>\nVerwaltungsgeb\u00fchren bezahlt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #004b88;\">Finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit \u2013 durch Pflichtbeitrag<\/span><\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel Geld die Verfasste Studierendenschaft einmal ben\u00f6tigen wird, steht in den<br \/>\nSternen. Sebastian Boecker, ebenfalls vom Ak ZSV, meint: \u201eDer Bedarf ist zurzeit sehr<br \/>\nschwer abzusch\u00e4tzen, aber er wird \u00fcber dem liegen, was dem AStA jetzt zur Verf\u00fcgung<br \/>\nsteht.\u201c Ausgabem\u00f6glichkeiten jedenfalls wird es zur Gen\u00fcge geben. Schon die Verwaltung des neuen studentischen Gremiums sowie Serviceleistungen f\u00fcr die Studenten werden Geld kosten. Au\u00dferdem k\u00f6nnte die Uni den gesamten Hochschulsport der Verfassten Studierendenschaft \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Gesamtbudget, das mehrere hunderttausend Euro umfassen wird, kommt den<br \/>\nStudenten, die sich in der Verfassten Studie-rendenschaft engagieren werden, eine gro\u00dfe Verantwortung zu. Da interessiert besonders die Frage, wer den Kopf hinhalten muss, wenn das Geld oder ein Teil davon fl\u00f6ten wird. W\u00fcrden einzelne Studenten Gelder veruntreuen, m\u00fcssten diese pers\u00f6nlich haften. Sollte die Verfasste Studierendenschaft als K\u00f6rperschaft haften m\u00fcssen, w\u00fcrde sich das auf ihr bis dahin vorhandenes Verm\u00f6gen beschr\u00e4nken. Caroline Arnold sieht auch hier kaum Gefahrenpotenzial: \u201eEin Haftungsfall wird kaum eintreten, weil der Haushalt \u00fcberwacht wird. Und die Verfasste Studierendenschaft darf keine Schulden machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller Bem\u00fchungen lie\u00dfen sich in anderen Bundesl\u00e4ndern Konflikte nicht ganz<br \/>\nvermeiden. Wenn auch selten, wurde es doch schon so handfest, dass Studenten den Gang vor ein Gericht antraten. Gegenstand der Auseinandersetzungen waren meist Ausgaben oder \u00c4u\u00dferungen, die das Mandat der Verfassten Studierendenschaft \u00fcberschritten haben sollen. Um all dem vorzubeugen, kann eine Schlichtungskommission eingerichtet werden. Ob sie in T\u00fcbingen kommen wird, ist noch nicht entschieden.<br \/>\nBisher konnten hilfesuchende Studenten die Beratung der AStA-Referenten in Anspruch<br \/>\nnehmen. Die Mitglieder des Ak ZSV w\u00fcnschen sich auch unter der Verfassten Studierendenschaft ein Pendant zu diesem Angebot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Studentischen Projekten, die momentan finanziell vom AStA unterst\u00fctzt werden, soll<br \/>\nweiterhin F\u00f6rderung zukommen. Welchen offiziellen Namen das neue Gremium in T\u00fcbingen tragen wird, bleibt abzuwarten. Und auch die Zukunft der FSVV ist noch ungewiss. Sie hat in grauer Vorzeit beschlossen, sich bei Wiedereinf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft selbst abzuschaffen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #004b88;\">N\u00e4chster Schritt: Urabstimmung \u00fcber eine Satzung<\/span><\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sind der Ak ZSV und diverse hochschulpolitische Gruppen mit der Ausarbeitung<br \/>\nvon Satzungsentw\u00fcrfen besch\u00e4ftigt. Denn die Studierendenschaft ist gesetzlich verpflichtet, sich eine eigene Organisationssatzung zu geben. Einen Entwurf daf\u00fcr kann jeder einbringen, der 150 Unterschriften f\u00fcr seinen Vorschlag vorweisen kann.<br \/>\nDie eingereichten Entw\u00fcrfe werden unter Mitwirkung der studentischen Senatsmitglieder einer rechtlichen Pr\u00fcfung durch das Rektorat der Uni unterzogen. Haben die Satzungsentw\u00fcrfe diese H\u00fcrde passiert, werden sie ver\u00f6ffentlicht und die Studierenden haben die M\u00f6glichkeit, sich mit den unterschiedlichen Vorschl\u00e4gen vertraut zu machen. Ab wann die Satzungsentw\u00fcrfe einsehbar sein werden, ist noch unklar; sp\u00e4testens aber wohl zu Beginn des WiSe 12\/13. Insofern kann auch die Anzahl der zur Wahl stehenden Satzungsentw\u00fcrfe bis dato noch nicht abgesch\u00e4tzt werden. Sonja V\u00f6lker hegt Bedenken hinsichtlich der Lesefreudigkeit ihrer Kommilitonen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn wie die Gremienwahlen immer wieder eindrucksvoll beweisen, h\u00e4lt sich das hochschulpolitische Interesse vieler Studierender in \u00e4u\u00dferst engen Grenzen. Erh\u00f6ht sich der Leseaufwand allein durch die schiere Menge der Satzungsentw\u00fcrfe, reiche dies zur Abschreckung bereits aus. Denn wer sich ohnehin nicht f\u00fcr die hochschulpolitischen Geschehnisse interessiert, wird sich wohl kaum durch verschiedenste Satzungsentw\u00fcrfe in eher unleserlichem Juristendeutsch w\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dem entgegenzuwirken, ist ein Wahlkampf geplant. Bevor die einzelnen Satzungsentw\u00fcrfe im WiSe 12\/13 zur Wahl stehen werden, soll jeder die M\u00f6glichkeit haben, f\u00fcr sein Modell zu werben. \u201eWir wollen intensiv Werbung und Wahlkampf machen, um m\u00f6glichst viele f\u00fcr die Urabstimmung zu gewinnen. Au\u00dferdem soll verdeutlicht werden, wof\u00fcr die Pflichtbeitr\u00e4ge verwandt werden\u201c, so Caroline Arnold. Dadurch, so hofft der Ak ZSV, werde die Akzeptanz unter den Studenten steigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Wahl der Organisationssatzung ist eine einfache Mehrheit ausreichend. Kommt<br \/>\ndiese nicht zustande, wird in einer Stichwahl zwischen den beiden Satzungsentw\u00fcrfen mit den meisten Stimmen entschieden. Das Erfordernis einer Mindestwahlbeteiligung konnte sich nicht durchsetzen, obwohl das Fehlen eines Quorums durchaus f\u00fcr Kontroversen hinsichtlich der demokratischen Legitimation sorgte. Dieser Verzicht st\u00fctzt sich wohl auch auf das in der Online-Umfrage \u201eWir wollen deinen Kopf!\u201c erfragte Meinungsbild, bei dem 54,5% der Befragten ein Quorum ablehnten.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #004b88;\">Kein leichter Weg zur Verfassten Studierendenschaft<\/span><\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist die Wahl schlie\u00dflich auf eine Organisationssatzung gefallen, konstituiert sich die<br \/>\nVerfasste Studierendenschaft entsprechend. Dieser Vorgang ist im SoSe 13 geplant. Sp\u00e4testens am 31.12.2013 muss er abgeschlossen sein. Ansonsten tritt eine gesetzlich festgelegte Interimsl\u00f6sung in Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gesetzentwurf wurde vom baden-w\u00fcrttembergischen Wissenschaftsministerium ausgearbeitet. Die studentische Mitwirkung am Entstehungsprozess beschr\u00e4nkte sich auf zwei Gespr\u00e4che. Beteiligt war je ein Vertreter des RCDS, des Campusgr\u00fcn, der Liberalen und der Jusos jeweils auf Landesebene. Ebenfalls anwesend waren jeweils eine Person der studentischen Gruppen AIESEC, Greening the University und Arbeiterkind. Zudem waren Vertreter der verschiedenen Hochschularten<br \/>\nUniversit\u00e4t, P\u00e4dagogische Hochschule, Hochschule, Duale Hochschule und Musikund<br \/>\nKunsthochschulen geladen. Die Liste hatte das Wissenschaftsministerium<br \/>\nzusammengestellt. Nach welchen Kriterien ist Sonja V\u00f6lker allerdings vollkommen<br \/>\nschleierhaft. \u201eW\u00e4hrend auf die Fachschaften komplett verzichtet wurde, sind studentische Gruppen zum Zuge gekommen die prinzipiell wenig bis keine Ber\u00fchrungspunkte mit Hochschulpolitik haben.\u201c Aus diesem Grund hatte der Ak ZSV eine Anh\u00f6rung mit den Studierendenvertretern aller baden-w\u00fcrttembergischen Hochschulen gefordert.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #004b88;\">Studentische Mitbestimmung beim Gesetzentwurf: nicht ganz einfach<\/span><\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem wollte jedoch niemand nachkommen und beim Ak ZSV entschied man sich daher,<br \/>\nandere Wege zu gehen. So streckten die Mitglieder ihre F\u00fchler nach Ansprechpartnern<\/p>\n<figure id=\"attachment_820\" aria-describedby=\"caption-attachment-820\" style=\"width: 251px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2012\/07\/20\/endlich-am-zug\/dsc_00741\/\" rel=\"attachment wp-att-820\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-820\" title=\"Die Weichen sind gestellt | Foto: H. Kommol\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSC_00741-635x1024.jpg\" alt=\"Die Weichen sind gestellt | Foto: H. Kommol\" width=\"251\" height=\"405\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-820\" class=\"wp-caption-text\">Die Weichen sind gestellt | Foto: H. Kommol<\/figcaption><\/figure>\n<p>im baden-w\u00fcrttembergischen Parlament aus. Die Gr\u00fcne Hochschulgruppe etwa nahm Kontakt mit dem Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal auf. Zun\u00e4chst waren die Bem\u00fchungen jedoch nur von m\u00e4\u00dfigem Erfolg gekr\u00f6nt. Ver\u00e4nderungen wurden beispielsweise hinsichtlich der Fristen f\u00fcr die Einreichung der Satzungsentw\u00fcrfe oder der Konstituierung der Verfassten Studierendenschaft vorgenommen.<br \/>\nMitte Juni, kurz vor Verabschiedung des Gesetzes, konnte dann doch noch ein gro\u00dfer<br \/>\nFortschritt verzeichnet werden. \u201eDie urspr\u00fcnglich obligatorische Einstellung eines<br \/>\nHaushaltesbeauftragten kann nun durch Antrag beim Wissenschaftsministerium verhindert werden\u201c, so Lukas Kurz, Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen.<br \/>\nSollte dem Antrag nicht stattgegeben werden, muss die Stelle des Haushaltsbeauftragten mit einer Person, welche die Bef\u00e4higung f\u00fcr den gehobenen Verwaltungsdienst vorweisen kann, besetzt werden. Die Entlohnung richtet sich<br \/>\ndann nach den Tarifen f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst. Nach Ansicht von Sebastian Boecker w\u00e4re in diesem Fall ein kaum zu stopfendes Loch in den Finanzen der Studierendenschaft vorprogrammiert. \u201eAu\u00dferdem ist ein Haushaltsbeauftragter neben der Kontrolle durch Rektorat und Rechnungshof ohnehin \u00fcberfl\u00fcssig\u201c, erg\u00e4nzt Caroline Arnold.<\/p>\n<h4><strong><span style=\"color: #004b88;\">Aus f\u00fcr R\u00e4temodell<\/span><\/strong><\/h4>\n<p>Die weiteren Hauptkritikpunkte blieben jedoch unver\u00e4ndert. So ist insbesondere die Beschneidung der studentischen Satzungsautonomie dem Ak ZSV ein Dorn im Auge. Denn der Gesetzentwurf enth\u00e4lt ein ausdr\u00fcckliches Verbot von Wahlen durch Vollversammlungen und ein Gebot zur Direktwahl der studentischen Senats- und Fakult\u00e4tsratsmitglieder.<br \/>\nDies macht dem bisher g\u00e4ngigen offenen Fachschaftsmodell den Garaus.<br \/>\nAu\u00dferdem kritisiert der Ak, dass die Ausweitung der Themen, zu denen sich die Verfasste Studierendenschaft \u00e4u\u00dfern darf, nicht weit genug gehe. \u201eWir w\u00fcnschen uns, dass wir uns explizit zu allen Themen, die mit den Lebensumst\u00e4nden der Studierenden zu tun haben, Stellung nehmen d\u00fcrfen.\u201c Dazu geh\u00f6ren Belange wie Wohnsituation und Mietpreise ebenso wie das Semesterticket. Besonders Letzteres sei ihr wichtig, sagt Sonja: \u201eDas Semesterticket wollen wir auf jeden Fall, aber leider ist das Stichwort Mobilit\u00e4t im Gesetz nicht enthalten. In anderen Bundesl\u00e4ndern, in denen sich die Studierenden selbst darum k\u00fcmmern, reicht das Semesterticket deutlich weiter und ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig g\u00fcnstiger.\u201c<\/p>\n<h4><strong><span style=\"color: #004b88;\">Semesterticket bald in studentischer Hand?<\/span><\/strong><\/h4>\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt ist das Verh\u00e4ltnis, in dem die Verfasste Studierendenschaft zum Studentenwerk stehen wird. F\u00fcr den Gro\u00dfteil der Aufgaben, welche die Verfasste Studierendenschaft in Zukunft beanspruchen kann, ist zurzeit das Studentenwerk zust\u00e4ndig. Laut Gesetzentwurf braucht die Verfasste Studierendenschaft die Zustimmung des Studentenwerks, wenn sie Aufgaben \u00fcbernehmen oder Zusatzangebote schaffen m\u00f6chte. Sollte das Studentenwerk unwillig sein, bisherige Aufgaben zu teilen oder abzutreten, k\u00f6nnte die Verfasste Studierendenschaft das Nachsehen haben.<br \/>\nStudierende, die sich nicht hochschulpolitisch engagieren, werden die Vorz\u00fcge der<br \/>\nVerfassten Studierendenschaft jedoch zun\u00e4chst kaum sp\u00fcren. Die Einrichtung von studentischen Beratungsangeboten zu BAf\u00f6G, selbstverwalteten Caf\u00e9s und eine Neuverhandlung des Semestertickets werden wohl noch einige Zeit brauchen.<br \/>\nSo verschwinden die neuen M\u00f6glichkeiten der Verfassten Studierendenschaft auf den<br \/>\nersten Blick hinter dem Semesterbeitrag. Maximal zehn Euro sind zwar keine hohe Summe im Vergleich zu den gerade abgeschafften Studiengeb\u00fchren. Dennoch ist zu bef\u00fcrchten, dass dieser \u201eZwangsbeitrag\u201c bei den meisten Studierenden auf Ablehnung sto\u00dfen wird. Sich weigern diesen Beitrag zu zahlen, d\u00fcrfen die Studierenden n\u00e4mlich nicht. Sebastian Boecker h\u00e4lt dies f\u00fcr den einzig umsetzbaren Weg: \u201eWenn jeder austreten k\u00f6nnte, m\u00fcssten wir daf\u00fcr sorgen, dass Nicht-Mitglieder die Angebote der Verfassten Studierendenschaft nicht nutzen k\u00f6nnen. Das w\u00e4re zu kompliziert.<br \/>\nAu\u00dferdem werden alle Studierenden von den \u00c4nderungen profitieren.\u201c<br \/>\nDie Frage bleibt: Ist die Vertretung der Studierenden bereit, die Verantwortung f\u00fcr bis zu 500.000 Euro j\u00e4hrlich zu \u00fcbernehmen? Der RCDS, der sich gegen die Verfasste Studierendenschaft ausgesprochen hat, f\u00fchrt eine Reihe an Beispielen f\u00fcr Veruntreuungen von AStA-Geldern in anderen Bundesl\u00e4ndern an.<br \/>\nCaroline Arnold sagt dazu: \u201eGemessen an der Anzahl der ASten in ganz Deutschland ist die Zahl der Veruntreuungsf\u00e4lle gar nicht hoch.\u201c<\/p>\n<h4><strong><span style=\"color: #004b88;\">\u201eWir sind froh \u00fcber die Einf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft.\u201c<\/span><\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #004b88;\">&#8211; Sonja V\u00f6lker, Vertreterin der Studierenden im Senat<\/span><\/em><\/p>\n<p>Um Veruntreuungen vorzubeugen, bef\u00fcrworte sie zudem die Offenlegung aller verwendeten Gelder, auch wenn dies im Gesetz nicht vorgegeben sei. Viel mehr Mitbestimmung Auch wenn die Kritikpunkte, die der Ak auch auf der Internetseite der FSVV anf\u00fchrt, nach Ablehnung klingen, versichert Sonja V\u00f6lker: \u201eWir sind froh \u00fcber die Einf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft.\u201c Das neue Modell biete den Studierenden viel mehr M\u00f6glichkeiten, mitzubestimmen, ohne au\u00dferhalb der politischen Strukturen der Universit\u00e4t zu stehen wie zurzeit die FSVV.Auch Caroline Arnold und Sebastian Boecker begr\u00fc\u00dfen die \u00c4nderungen grunds\u00e4tzlich.<br \/>\nDenn auch wenn die Ausgestaltung des neuen Organs noch nicht ganz klar ist und der Ak mit einigen der gesetzlichen Vorgaben nicht zufrieden ist: Im Gro\u00dfen und Ganzen handelt es sich um einen Zugewinn an Einfluss f\u00fcr die Studierenden. Eine Verfasste Studierendenschaft, die mit einer legitimierten politischen Stimme f\u00fcr die Interessen der Studierenden eintritt, kann mehr erreichen, wenn es um das Semesterticket, die Wohnsituation oder die Regelstudienzeit in Bachelor- und Masterstudieng\u00e4ngen<br \/>\ngeht. So ist es zumindest in anderen Bundesl\u00e4ndern.<br \/>\nViel zu diskutieren gibt es jedenfalls nicht mehr: Das Gesetz steht, die Verfasste Studierendenschaft kommt. Nur dar\u00fcber, wie genau dieses Organ aussehen wird, kann noch abgestimmt werden, wenn im Winter bei der Urabstimmung verschiedene Satzungen zur Wahl stehen. Wer sich Gedanken \u00fcber die H\u00f6he des Semesterbeitrags und die angemessene Verwendung der Gelder macht, dem bleibt nur: sich \u00fcber die Satzungen informieren, w\u00e4hlen gehen oder auch selbst aktiv werden.<br \/>\nDas wird in der Verfassten Studierendenschaft zwar nicht mehr ganz so einfach sein wie im jetzigen R\u00e4temodell, daf\u00fcr werden erheblich bedeutendere Entscheidungen anstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits in der letzten Ausgabe berichtete kupferblau \u00fcber die geplante Wiedereinf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft. Nun ist der Gesetzentwurf ausgearbeitet. 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