{"id":8106,"date":"2017-01-10T12:11:28","date_gmt":"2017-01-10T12:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8106"},"modified":"2021-02-20T14:42:31","modified_gmt":"2021-02-20T14:42:31","slug":"exoskelett-hilft-gelaehmten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/01\/10\/exoskelett-hilft-gelaehmten\/","title":{"rendered":"Exoskelett hilft Gel\u00e4hmten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Kaffee trinken oder Mittagessen gehen, ohne die Hilfe anderer? F\u00fcr viele Querschnittsgel\u00e4hmte ist das undenkbar. T\u00fcbinger Forscher haben ein Exoskelett entwickelt, das Betroffenen erm\u00f6glicht, ihre H\u00e4nde wieder zu benutzen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei querschnittsgel\u00e4hmten Menschen kommen die Befehle, die ihr Gehirn aussendet, nicht mehr bei allen K\u00f6rperteilen an. Viele Betroffene sind auf einen Rollstuhl angewiesen und k\u00f6nnen zwar noch Schultern und Arme bewegen, k\u00e4mpfen jedoch oft mit L\u00e4hmungen der H\u00e4nde. Einfache aber pr\u00e4zise Bewegungen, wie eine Tasse zu halten oder Besteck zu benutzen, sind nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein T\u00fcbinger Forscherteam um Dr. Surjo Soekadar aus der <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-tuebingen.de\/Zuweiser\/Kliniken\/Psychiatrie+und+Psychotherapie\/Allgemeine+Psychiatrie\/Forschung\/Angewandte+Neurotechnologie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arbeitsgruppe Angewandte Neurotechnologie<\/a> hat in internationaler Zusammenarbeit nun eine neue Entwicklung vorgestellt, die Querschnittsgel\u00e4hmten im Alltag helfen soll: Ein Hand-Exoskelett, also eine Art Roboterhand, die den Betroffenen die Kontrolle \u00fcber ihre eigenen H\u00e4nde zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<h3>Wie funktioniert\u2019s?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einfach gesagt, besteht ein Exoskelett aus k\u00fcnstlichen Knochen, die gel\u00e4hmte K\u00f6rperteile von au\u00dfen umschlie\u00dfen. Das Exoskelett \u2013 und damit auch das gel\u00e4hmte K\u00f6rperteil \u2013 k\u00f6nnen vom Patienten per Gedanken selbst gesteuert werden. Damit das funktioniert, haben Dr. Soekadar und sein Team Systeme entwickelt, die die Hirnstr\u00f6me und Augenbewegungen des Patienten auswerten und an die Roboterhand weiterleiten. Ein gro\u00dfer Vorteil des T\u00fcbinger Systems ist, dass keine Operation notwendig ist, denn die Signale des Patienten werden nicht etwa \u00fcber Hirnimplantate gemessen, sondern \u00fcber eine Kappe, die die Patienten einfach auf dem Kopf tragen.<\/p>\n<h3>Alltagstauglichkeit noch verbesserungsw\u00fcrdig<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Studie, die im Fachmagazin <a href=\"http:\/\/robotics.sciencemag.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Science Robotics<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde, hat das T\u00fcbinger Forscherteam seine Entwicklung erfolgreich an sechs Patienten getestet. Ausger\u00fcstet mit dem Hand-Exoskelett stellten die gel\u00e4hmten Teilnehmer nicht nur im Labor, sondern auch beim Mittagessen im Restaurant ihre neugewonnene Selbstst\u00e4ndigkeit unter Beweis. Doch wie alltagstauglich ist die Erfindung wirklich? Kann die Roboterhand funktionieren, ohne dass ein Forscherteam sie permanent kontrolliert und einstellt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon jetzt sind das Exoskelett und die daran angeschlossenen Ger\u00e4te klein und leicht genug, um im Rollstuhl mitgef\u00fchrt zu werden. Allerdings ist die Roboterhand noch sehr klobig, die Verkabelung und die Messkappe, die die Patienten tragen m\u00fcssen, sehr auff\u00e4llig. Die T\u00fcbinger Wissenschaftler planen deshalb in ihrem n\u00e4chsten Schritt \u201edie Entwicklung intelligenter, kontext-sensitiver und kosmetisch v\u00f6llig unauff\u00e4lliger Systeme\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Soekadar.<\/p>\n<h3>Wunderbare Wissenschaft auch auf YouTube<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Uni T\u00fcbingen hat Dr. Soekadars Forschung zur Roboterhand, die Gel\u00e4hmte wieder greifen l\u00e4sst, \u00fcbrigens p\u00fcnktlich zum Nikolaustag \u00f6ffentlich gemacht. Wem das noch nicht Weihnachtswunder genug ist, der sollte sich unbedingt noch auf dem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCBxXiwRlroAr6eZgdSist1Q\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube-Kanal des Labors<\/a> umsehen \u2013 in den dort ver\u00f6ffentlichten Videos kann man bestaunen, wie die eigentlich gel\u00e4hmten Patienten dank ihrer Roboterhand eine Tasse zum Mund f\u00fchren, problemlos mit einer Gabel hantieren und gl\u00fccklich eine hauchd\u00fcnne Scheibe Chips nach der anderen mit den Fingern essen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Science Robotics \/ Soekadar et al. 2016 - Movie S5\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AO-8kQZTUBU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<em>Titelbild:&nbsp; Nicola Vitiello.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaffee trinken oder Mittagessen gehen, ohne die Hilfe anderer? 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