{"id":8158,"date":"2017-01-19T12:06:29","date_gmt":"2017-01-19T12:06:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8158"},"modified":"2021-02-20T14:35:44","modified_gmt":"2021-02-20T14:35:44","slug":"die-begegnung-der-menschlichen-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/01\/19\/die-begegnung-der-menschlichen-art\/","title":{"rendered":"Die Begegnung der menschlichen Art"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong><span style=\"color: #5a5a5a;\">Querfeldein mit dem Fotografen und Filmemacher Luigi Toscano \u2013 einem Mann, der schon vieles war, aber vor allem eines ist: Authentisch.<\/span><\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Tosender Applaus f\u00fcllt neben vereinzeltem Rauch das Ribing\u016brumu in der M\u00fchlstra\u00dfe. \u201eDas war derl\u00e4ngste Applaus, an den ich mich erinnern kann\u201c, sagt Paul, an diesem Abend selbst der Veranstaltungsfotograf. Auch das restliche Publikum ist von den vergangenen zwei Stunden begeistert. Und vom Menschen Luigi Toscano, der mit seinem Besuch das Jahr f\u00fcr Querfeldein er\u00f6ffnete. Er \u00fcberzeugt mit seiner konsequent menschlichen, bodenst\u00e4ndigen und liebenswerten Art, als er von eigener und fremder Vergangenheit, aber auch unser aller Gegenwart spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 2\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_8187\" aria-describedby=\"caption-attachment-8187\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8187 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_6332-1008x672.jpg\" alt=\"img_6332\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8187\" class=\"wp-caption-text\">Dass nicht alle Pl\u00e4tze im Ribi besetzt waren ist bei so einem gro\u00dfartigen Abend schade &#8211; vor allem f\u00fcr die, die ihn verpasst haben.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h2>Bilder eines Lebens<\/h2>\n<p>Wie aber wurde aus einem fr\u00fcheren Pizzab\u00e4cker, Fensterputzer, Stra\u00dfenbauer, Dachdecker, Anlagenmechaniker und dem beliebtesten T\u00fcrsteher Deutschlands ein gefeierter Fotograf?<br \/>\nDurch Zufall und Gl\u00fcck, aber auch weil er sich selbst Raum und Zeit zur Entwicklung gab, glaubt er selbst. Wer bereit sei, diese beiden Dinge zu investieren, werde auch seine Ziele erreichen. Seine ruhige, freundliche Ausstrahlung erfasst das Publikum wie seine eigene Strickm\u00fctze mit einer besonderen W\u00e4rme. Die ersten Jahre seien hart gewesen, h\u00e4lt er ohne gr\u00f6\u00dfere Wehmut fest. Und erz\u00e4hlt von seinen Anf\u00e4ngen in der Fotografie. Er habe einfach geglaubt, er k\u00f6nne fotografieren. Zwei zu Anfang belichtete Filme schienen ihm aber eher das Gegenteil aufzuzeigen. Die neu gekaufte Kamera konnte er nicht wie gew\u00fcnscht zur\u00fcckgeben \u2013 ein Sonderangebot. Das sollte sich sp\u00e4ter als Gl\u00fccksfall herausstellen. Nach Fotokursen an der Volkshochschule zeigten sich immer mehr Menschen in seinem Umfeld von seinen Werken angetan. Und so nahm eine Geschichte ihren Lauf,die er selbst \u201enoch nicht raffen\u201c kann.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie kamen in den Limousinen und ich mit dem Zug.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Als K\u00fcnstler bezeichnet zu werden mag der Mannheimer mit italienischen Wurzeln nicht wirklich. Angenehm geerdet erkl\u00e4rt er, sich selbst bei seinen Projekten nicht im Mittelpunkt zu sehen.<br \/>\n\u201eEs geht nicht um mich, sondern um den Menschen\u201c, sagt er. Und das glaubt man ihm sofort.\u00a0Er nimmt sich selbst nicht so wichtig, wie man es von jemandem erwarten k\u00f6nnte, der dank seiner Fotografien Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck treffen konnte. Geschehen war dies im Rahmen seinesletzten Projekts \u201eGegen das Vergessen\u201c, einer Portr\u00e4tserie von Holocaust\u00fcberlebenden, ausgestelltan der ukrainischen Gedenkst\u00e4tte Babyn Jar. Das Massaker an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung Kiews in der nahegelegenen Schlucht gilt als eines der brutalsten und unmenschlichsten der Geschichte. Am 29. September 2016 traf Toscano dort deutsche und ukrainische W\u00fcrdentr\u00e4ger, sein Projekt ein zentrales Element der Gedenkfeierlichkeiten. Sie kamen standesgem\u00e4\u00df in Limousinen, er reiste ganz einfach mit dem Zug an.<br \/>\n&nbsp;\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 2\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_8185\" aria-describedby=\"caption-attachment-8185\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8185 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_6335-1008x672.jpg\" alt=\"img_6335\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8185\" class=\"wp-caption-text\">Anna Strishkowa erz\u00e4hlt mit ihrem Leben trotz allen Grauens auch eine Geschichte von Mut und Menschlichkeit.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Durch die Angst gehen<\/h3>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\nDoch nicht alle Erz\u00e4hlungen im Zusammenhang mit \u201eGegen das Vergessen\u201c k\u00f6nnen dem Publikum soein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern wie die so unterschiedliche Anreise zur Gedenkfeier. Viele haben einen Klo\u00df im Hals, als er auf seine eigene, authentische Art von den Erlebnissen mit den\u201eOmis und Opis\u201c erz\u00e4hlt. Besonders nahe geht ihm dabei selbst die Geschichte von Anna Strishkowa. Als Dreij\u00e4hrige war sie Opfer des KZ-Arztes Josef Mengele. Sie habe ihm gezeigt, sagt er sichtlich ber\u00fchrt, wie man durch die Angst gehen k\u00f6nne. Ihr Trauma, die Angst vor \u00c4rzten, habe Anna dadurch bew\u00e4ltigt, dass sie selbst \u00c4rztin geworden sei. So angenehm die Atmosph\u00e4re eigentlich ist, so kalt l\u00e4uft es manchem Zuh\u00f6rer in diesem Moment den R\u00fccken herunter.\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<figure id=\"attachment_8186\" aria-describedby=\"caption-attachment-8186\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8186 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_6363-1008x672.jpg\" alt=\"img_6363\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8186\" class=\"wp-caption-text\">Toscano erz\u00e4hlt \u00fcberw\u00e4ltigende und ber\u00fchrende Geschichten. Doch auch Menschlichkeit und Witz kommen nicht zu kurz, denn mehr als einmal m\u00fcssen er und das Publikum schmunzeln.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 1\"><\/div>\n<div class=\"page\" style=\"text-align: justify;\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h2>Eine zu kurze Momentaufnahme<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\nDie Erfahrungen mit den Zeitzeugen haben ihn auch pers\u00f6nlich mitgenommen, gesteht er unumwunden ein. Es habe auch einen Punkt gegeben, an dem er habe aufgeben wollen. Ein langes und teures Telefonat aus Moskau mit einem Freund hatte das aber verhindert. Neugierig sei er, sagt Luigi Toscano \u00fcber sich selbst. Diese Eigenschaft habe ihm bei der Fotografie geholfen, ist er sich sicher. Er erz\u00e4hlt vom 72-Stunden-Projekt, bei dem er gro\u00dfe Metropolen in drei Tagen abgebildethat. Und von \u201eVaterland\u201c, einer pers\u00f6nlichen und fotografischen und Reise in die eigene Vergangenheit. In Italien suchte der im Heim aufgewachsene Toscano nach den Wurzeln seines Vaters und lernte im kleinen sizilianischen Mazzarino die eigenen Verwandten kennen. Der Abend ist viel zu schnell vergangen, es g\u00e4be noch so viel zu erz\u00e4hlen. Allein durch seine Art gelingt es ihm, die G\u00e4ste zu einem humaneren Umgang untereinander anzumahnen \u2013 die Menschlichkeit ist sein gro\u00dfes Anliegen. In Erinnerung bleibt den G\u00e4sten deshalb nicht allein der Fotograf, sondern vor allem der Mensch Luigi Toscano.\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: Paul Mehnert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Querfeldein mit dem Fotografen und Filmemacher Luigi Toscano \u2013 einem Mann, der schon vieles war, aber vor allem eines ist: Authentisch.<\/p>\n","protected":false},"author":297,"featured_media":8183,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[2656,11,513,2657,2658,2659,2660,630,174,2411,245,697,2661,2662,2663,2664,194,195,196,428,2665,2615,2666,19,200,2667],"class_list":["post-8158","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","tag-authentisch","tag-featured","tag-film","tag-filmemacher","tag-foto","tag-fotograf","tag-fotoprojekt","tag-holocaust","tag-interview","tag-italien","tag-kunst","tag-kuenstler","tag-luigi-toscano","tag-mannheimer","tag-menschlich","tag-montagabend","tag-querfeldein-2","tag-ribi","tag-ribingurumu","tag-spass","tag-sympathisch","tag-talk","tag-tausendsasser","tag-tubingen","tag-wohnzimmer","tag-zeitzeugen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/297"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8158"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23739,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8158\/revisions\/23739"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}