{"id":8194,"date":"2017-01-22T11:00:16","date_gmt":"2017-01-22T10:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8194"},"modified":"2017-01-22T11:00:16","modified_gmt":"2017-01-22T10:00:16","slug":"auch-arbeiterkinder-brauchen-chancen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/01\/22\/auch-arbeiterkinder-brauchen-chancen\/","title":{"rendered":"Auch Arbeiterkinder brauchen Chancen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Schuster bleib bei deinen Leisten \u2013 ein Sprichwort, das auch auf die Wahl des Bildungsweges zutrifft. Trotz vermeintlicher Chancengleichheit im Bildungssystem herrscht an Universit\u00e4ten soziale Selektivit\u00e4t. Die Initiative Arbeiterkind.de will dem entgegenwirken.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vater Handwerker, die Mutter B\u00fcrokauffrau und die Kinder Akademiker: Eine derartige Familienkonstellation ist m\u00f6glich, jedoch h\u00e4ufig nicht der Fall. Die letzte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) ergab, dass von 100 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die aus einem Elternhaus ohne akademischen Hintergrund stammen, nur 23 den Schritt an die Hochschule wagen. Zum Vergleich: Bei Kindern aus Akademikerfamilien liegt die Zahl bei 77. \u00a0Am fehlenden Abitur scheitert es nicht. Mehr als die H\u00e4lfte erf\u00fcllt die notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr ein Studium.<\/p>\n<h2>F\u00fcr mehr Chancengleichheit<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob angehende Abiturienten ein Studium anstreben oder nicht, liegt nicht nur an der Bildungsherkunft der Eltern. Auch die vorhandenen Kenntnisse \u00fcber Kosten, Finanzierung und Nutzen seien entscheidend, das zeigen Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsordnung und des Wissenschaftszentrum Berlins f\u00fcr Sozialforschung. Genau an dieser Stelle m\u00f6chte die gemeinn\u00fctzige Initiative Arbeiterkind.de ansetzen. Gegr\u00fcndet wurde die Internetplattform im Jahr 2008 von Katja Urbatsch, selbst ein sogenanntes Arbeiterkind. Mittlerweile engagieren sich 6000 Ehrenamtliche deutschlandweit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Lokalgruppe gibt es auch in T\u00fcbingen. &#8222;In Real- und Hauptschulen informieren wir Sch\u00fcler, wie man es an die Universit\u00e4t schafft und motivieren jene, die einen h\u00f6heren Bildungsweg anvisieren, diesen auch zu gehen&#8220;, sagt Daniela Grondey, Mitglied bei Arbeiterkind in T\u00fcbingen. Oft werde der Initiative vorgeworfen,\u00a0dass nicht jeder an eine Universit\u00e4t gehen k\u00f6nne. &#8222;Uns geht es auch nicht darum, Leute zu \u00fcberzeugen ein Studium zu beginnen, die eigentlich eine Ausbildung machen wollen. Wir sind keine Missionare.&#8220;<\/p>\n<figure id=\"attachment_8198\" aria-describedby=\"caption-attachment-8198\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8198 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Bild-1-Marko-Knab-1008x672.jpg\" alt=\"bild-1-marko-knab\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8198\" class=\"wp-caption-text\">Beim monatlichen Stammtisch besprechen die ehrenamtlichen Mitarbeiter organisatorische Angelegenheiten, wie zum Beispiel st\u00e4rker in das Uninetz involviert zu werden.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Aufgabenbereiche an der Universit\u00e4t<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch f\u00fcr Studierende ist Arbeiterkind eine Anlaufstelle. Die Aktiven geben Tipps zu Stipendien, wie die Finanzierungsm\u00f6glichkeiten w\u00e4hrend einer Promotion sind, beraten bei Fragen zur Studienorganisation und haben ein offenes Ohr bei famili\u00e4ren Problemen. Dabei unterst\u00fctzen sie aus eigener Erfahrung, denn sie sind auch die ersten ihrer Familie, die studiert haben. &#8222;Mit dem Schritt an die Uni ist es noch nicht getan. Viele Probleme ergeben sich erst im Laufe des Studiums&#8220;, so die gelernte Krankenschwester und heute Promovendin im Fach Geschichte. &#8222;H\u00e4ufig suchen studierende Arbeiterkinder auch ideelle Unterst\u00fctzung, wenn sie diese nicht zu Hause bekommen.&#8220;<\/p>\n<h2>Probleme von Arbeiterkindern<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben \u00f6konomischen Problemen, m\u00fcssen sich Arbeiterkinder auch mit sozialen Schwierigkeiten auseinandersetzen. H\u00e4ufig fehlen ihnen die Netzwerke, um ein passendes Praktikum zu ergattern. Und auch mit den Eltern kommt es h\u00e4ufig zu Konflikten, wie Daniela Grondey wei\u00df. Wann wirst du endlich fertig? Was verdienst du dann? Willst du nicht lieber doch eine Ausbildung machen? \u2013 Fragen, die die Familien besch\u00e4ftigen. &#8222;Aus Erfahrung wissen wir, dass bei ganz vielen Arbeiterkindern, die an Universit\u00e4ten gehen, eine v\u00f6llige Entfremdung von der famili\u00e4ren Lebenswelt stattfindet.&#8220; Fr\u00fchzeitig auf eigenen Beinen stehen und einzelne Lebensprozesse abschlie\u00dfen sei f\u00fcr nicht-akademische Familien wichtig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8200\" aria-describedby=\"caption-attachment-8200\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8200 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Bild-2-Marko-Knab-2-1008x672.jpg\" alt=\"bild-2-marko-knab-2\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8200\" class=\"wp-caption-text\">Diese aktiven Mitglieder helfen Studierenden aus nicht-akademischen Familien bei Fragen rund ums Studium.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fehlende Unterst\u00fctzung von zu Hause f\u00fchre auch h\u00e4ufig zu Unsicherheit der Studierenden. Viele, die bei Arbeiterkind nach Rat suchen, h\u00e4tten Zweifel, dass sie nicht f\u00fcr die Universit\u00e4t gemacht seien und dass sie doch keinen Abschluss schaffen k\u00f6nnten. Der Unikosmos bleibe ihnen fremd. &#8222;Wird ein Master oder eine Promotion angestrebt, dann ergeben sich all diese Schwierigkeiten wieder neu&#8220;, sagt Grondey.<\/p>\n<h2>Mehr Pr\u00e4senz an Universit\u00e4t<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen m\u00f6chte die Initiative ihre Arbeit an der Uni ausbauen und strebt ein Eins-zu-Eins Mentorenprogramm an. Auch unter der Professorenschaft wird nach Unterst\u00fctzung gesucht. Kooperationsfreudig zeigt sich die Universit\u00e4t jedoch nicht. &#8222;Wir reden hier immer viel von <em>Diversity<\/em> und auch die Uni in T\u00fcbingen schreibt sich das gro\u00df auf die Fahne, aber an der Umsetzung hadert es noch.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mehr Informationen zu Arbeiterkind gibt es unter <\/em><a href=\"http:\/\/www.arbeiterkind.de\">http:\/\/www.arbeiterkind.de<\/a><em>. Au\u00dferdem empfiehlt Daniela Grondey zum Thema die B\u00fccher &#8222;Ausgebremst&#8220; von Katja Urbatsch und &#8222;Du Bleibst was du bist&#8220; von Marco Maurer (beide in der UB vorhanden). Wer Kontakt zu der Austauschplattform aufnehmen m\u00f6chte, schreibt eine Mail an Arbeiterkind <\/em><a href=\"mailto:tuebingen@arbeiterkind.de\"><em>tuebingen@arbeiterkind.de<\/em><\/a><em> oder kommt direkt zum offenen Treffen. Das findet immer am ersten Mittwoch des Monats um 20 Uhr in der UB-Cafeteria statt. <\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Paul Mehnert.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Marko Knab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schuster bleib bei deinen Leisten \u2013 ein Sprichwort, das auch auf die Wahl des Bildungsweges zutrifft. 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