{"id":8461,"date":"2017-02-06T01:03:47","date_gmt":"2017-02-06T01:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8461"},"modified":"2021-02-20T14:27:07","modified_gmt":"2021-02-20T14:27:07","slug":"vor-demenz-muss-man-nicht-angst-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/02\/06\/vor-demenz-muss-man-nicht-angst-haben\/","title":{"rendered":"Musik macht die Demenz vergessen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u201eAus dem Takt\u201c. So k\u00f6nnte man das Leben von demenzkranken Menschen beschreiben. Vieles ist nicht mehr wie fr\u00fcher und nicht nur die Erinnerungen gehen verloren. Doch nicht alles ist verschwunden, das zeigt der Dokumentarfilm von Constanze Ramsperger, Christoph J\u00e4ckle und Oliver Lichtwald, der am vergangenen Samstag seine Premiere in T\u00fcbingen feierte.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Kindern wird oft davon geredet, was sie noch nicht k\u00f6nnen. Laufen, stillsitzen, Mathematik. Und bei alten Menschen dreht es sich um und es geht darum, was jetzt nicht mehr funktioniert. Vor allem, wenn diese Menschen Demenz haben, da sie auf der Suche nach Erinnerungen, Formulierungen und dem eigenen Leben immer mehr verloren erscheinen. Der Film<em> \u201eAus dem Takt\u201c<\/em>, der im Rahmen einer Abschlussarbeit im Fach der Medienwissenschaft entstanden ist, zeigt jedoch von Beginn an ein anderes Bild.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8464\" aria-describedby=\"caption-attachment-8464\" style=\"width: 449px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8464 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/750_4400-449x672.jpg\" width=\"449\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8464\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Aus dem Takt &#8211; Ein Film \u00fcber Demenz und Musik&#8220; ist noch bis Mittwoch im Kino Museum zu sehen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Vier Menschen vereint in Musik<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vier RentnerInnen aus dem Raum T\u00fcbingen, denen dieser Film eine Stimme gibt, d\u00fcrfen zeigen, was sie k\u00f6nnen. Sie erz\u00e4hlen aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart: Annelore von ihren Gehirn\u00fcbungen, dem Briefeschreiben und ihrer Passion f\u00fcr Blumen. Elisabeth von ihrer Vorliebe, gut gekleidet zu sein. Adelheid vom Gesang. Und Claus schwelgt immer wieder von der Natur und der Landschaft, denen er als ehemaliger Tropenmediziner verbunden ist. Sie erscheinen mal als humorvolle, dann melancholische, als poetische oder auch energiegeladene Pers\u00f6nlichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich mit der ersten Szene wird au\u00dferdem eine weitere Eigenschaft bekannt, die diese vier verschiedenen Menschen miteinander verbindet: Die Liebe zur Musik. Bei einem Konzert der <a href=\"http:\/\/www.wuerttembergische-philharmonie.de\/seelenbalsam.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u201eSeelenbalsam\u201c<\/em><\/a>-Reihe der W\u00fcrttembergischen Philharmonie Reutlingen sitzen alle ProtagonistInnen versammelt und wippen mit den F\u00fc\u00dfen zum Takt, schwingen den imagin\u00e4ren Dirigierstab und sind ganz von der Musik erf\u00fcllt. \u00dcber den gesamten Film verteilt sind sie noch \u00f6fter in Ber\u00fchrung mit Musik zu sehen \u2013 als Zuh\u00f6rer und selbst Spielende \u2013 und immer bl\u00fchen sie dabei auf.<\/p>\n<p>https:\/\/www.facebook.com\/demenzundmusikfilm\/videos\/vb.1686324511618989\/1710590112525762\/?type=2&#038;theater<br \/>\n<em>Ein Ausschnitt aus dem Film zeigt deutlich das Leben und den Humor, aber auch die Gedanken, die in den ProtagonistInnen stecken.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam und auf Augenh\u00f6he<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutlich wird: Musik hilft Demenzkranken dabei, ihre Sorgen zu vergessen. Dar\u00fcber, dass sie bei einem Spaziergang wieder die Orientierung verlieren k\u00f6nnten oder sich nicht mehr genau daran erinnern k\u00f6nnen, was sie eigentlich als Beruf gemacht haben. Sie l\u00e4sst sie im Moment verweilen, erf\u00fcllt von den T\u00f6nen, Rhythmen und Melodien. Und l\u00e4sst sie zusammenfinden, wie Elisabeth und Adelheid, die scherzend und einander stichelnd jedes Musikangebot in ihrem Pflegeheim gemeinsam besuchen, am n\u00e4chsten Tag ihre Freundin aber nicht mehr benennen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAus dem Takt\u201c<\/em> ist kein klassischer Dokumentarfilm, in dem eine alles \u00fcberblickende Stimme aus dem Off Hintergr\u00fcnde und Informationen zum Besten gibt. Er ist ein Film, der den Protagonisten auf Augenh\u00f6he begegnet und die Zuschauer mit auf eine Reise nimmt. Hinein in die Geschichten der vier Menschen und dem Leben, das noch in ihnen steckt. Und dabei immer wieder innehalten l\u00e4sst, um das Gesehene und Geh\u00f6rte einzuordnen und die vielen aufgezeigten Facetten zu einem Ganzen zu verbinden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8463\" aria-describedby=\"caption-attachment-8463\" style=\"width: 1007px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8463 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/750_4562-1007x672.jpg\" width=\"1007\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8463\" class=\"wp-caption-text\">Das Team hinter &#8222;Aus dem Takt&#8220; bei der Fragerunde nach langem Applaus (v.l.n.r: Oliver Lichtwald, Constanze Ramsperger, Christoph J\u00e4ckle).<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Allen zuh\u00f6ren, auch wenn es schwer ist<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angeh\u00f6rigen bereichern den Film mit dem, was sie zu erz\u00e4hlen haben. Sie geben einen weiteren Blickwinkel auf die Demenz frei. In einigen Szenen wird klar, dass dieser nicht immer leicht ist. Wenn die demenzielle Mutter ihre Tochter beschimpft, ihr die Fotoalben gestohlen zu haben, oder der Ehemann auf einem Spaziergang spurlos verschwindet und erst nachts unterk\u00fchlt in einem Feld liegend gefunden wird, ist in ihren Gesichtern deutlich der Kampf und die Anstrengung abzulesen, die sie tagt\u00e4glich begleiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn es oftmals schwer ist, den durch die Demenz ver\u00e4nderten Verwandten entgegenzutreten, \u00fcberwiegen die positiven Momente im Film.\u00a0Und wie Christoph J\u00e4ckle, einer der Filmemacher, erz\u00e4hlt, sei\u00a0\u201edas Leben im Alter, ob mit oder ohne Demenz, nichts vor dem man Angst haben muss.\u201c Denn mit alten und demenziellen Menschen sollte es wie mit Kindern sein, denen man trotz Fehler und fehlendem K\u00f6nnen Liebe und Aufmerksamkeit entgegen bringt. Deren verworrenen Geschichten man bis zum Ende zuh\u00f6rt und die Launen ertr\u00e4gt, die einem andauernd wechselnd entgegenschlagen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Aus dem Takt \/\/ Premieren-Trailer\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mBfv9f4Vhjs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nWeitere Infos:<a href=\"http:\/\/www.demenz-und-musik-film.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0http:\/\/www.demenz-und-musik-film.com\/<\/a><br \/>\n<em>\u201eAus dem Takt\u201c l\u00e4uft noch vom 7. bis zum 9. Februar, am Montag und Dienstag um 18 Uhr und am Mittwoch um 20:30 Uhr, im <a href=\"http:\/\/www.tuebinger-kinos.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kino Museum<\/a>.<\/em><br \/>\n<em><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Pressematerial \u201eAus dem Takt\u201c und Fotos von der Premiere.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAus dem Takt\u201c. So k\u00f6nnte man das Leben von demenzkranken Menschen beschreiben. 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