{"id":8475,"date":"2017-04-17T16:25:33","date_gmt":"2017-04-17T16:25:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8475"},"modified":"2021-02-20T14:12:36","modified_gmt":"2021-02-20T14:12:36","slug":"achtung-student","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/04\/17\/achtung-student\/","title":{"rendered":"Achtung, Student!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Studierst du noch oder lebst du schon? Eine hilfreiche Kurzbeschreibung von studentischem Freud und Leid &#8211; f\u00fcr alle, die sich bei dieser Frage nicht ganz sicher sind.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klirrende Ger\u00e4usch des Weckers, das um 7:04 Uhr (um 07:15 Uhr f\u00e4hrt der Bus, f\u00fcnf Minuten Bad, sechs Minuten Fr\u00fchst\u00fcck, reicht locker!) den (noch) friedlich schlafenden Studenten aus seinem kurzen, hei\u00dfgeliebten Schlaf rei\u00dft. Allen Lesern sollte an dieser Stelle bekannt sein, dass es sich hierbei um die Spezies Student (vom Lateinischen: \u201e<em>studens\u201c<\/em> strebend (nach)) handelt; eine Subspezies der Gattung Homo sapiens, die sich im 15. Jahrhundert entwickelte. Wesentliche nennenswerte Charakteristika sind chronische M\u00fcdigkeit, Phobien gegen R\u00e4ume der Gr\u00f6\u00dfe eines Saals, Sehnsucht nach (der wahren) Liebe und nat\u00fcrlich eine hei\u00dfe Leidenschaft f\u00fcr gegorene Getr\u00e4nke. Da die besagte Uhrzeit im nat\u00fcrlichen Tag-Nacht-Rhythmus dieser Wesen nicht existiert, reagiert dieses oft mit Hungerstreiks am Morgen (\u201elieber f\u00fcnf Minuten liegen bleiben\u2026um 11:30 Uhr \u00f6ffnet sowieso die Mensa\u201c) und tempor\u00e4ren Depressionen.<\/p>\n<h2>Der morgendliche Leidensweg<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie man ja wei\u00df, ist geteiltes Leid, halbes Leid! Angekommen im viel zu gro\u00dfen H\u00f6rsaal findet man meist seine lieben Kommilitonen vor, von denen manche einen besorgniserregenden Wachheitsgrad als Symptom einer akuten Koffeinvergiftung aufzeigen. Die Nerd-Brille aufgesetzt, Kulli in der Hand und eine latente Bereitschaft dem Dozenten zu folgen\u2026 Doch diese wird leider schnell von einem Kommilitonen gest\u00f6rt, der bereits nach zwei Minuten in die Tiefschlafphase gefallen zu sein scheint und entsprechende Ger\u00e4usche von sich gibt. \u201eWieso kommt der denn \u00fcberhaupt, wenn er nur schlafen will\u2026Verdammt, wieso bin ICH dann eigentlich hier?\u201c Dieselbe Grundsatzfrage, die mindestens zwei, maximal 200 Mal pro Tag durch den Kopf eines jeden Studenten geht und die Sinnhaftigkeit des studentischen Daseins hinterfragt. Ein paar Blicke auf das Smartphone, ein bisschen mit dem Kumpel \u00fcber die letzte Party gequatscht und schon sind die letzten zehn \u00a0Minuten der Vorlesung erreicht, in der man sich bestenfalls eingesteht, wie sch\u00f6n das eigene Fach eigentlich doch ist.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Survival of the fittest<u> <\/u><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der konstant niedrige Blutzuckerspiegel des Studenten \u00e4u\u00dfert sich in einem kaum stillbaren Hungergef\u00fchl, weshalb der kluge Student schon um 11:30 Uhr mit seinem silbernen Tablett (naja, vielleicht doch eher gr\u00e4ulich) vor der Mensat\u00fcre steht, um sich lange Warteschlangen hungerbedingt aggressiver Studenten zu ersparen. Die Hoffnung heute etwas Leckeres zwischen die Z\u00e4hne zu bekommen, legen die Meisten jedoch bereits nach den ersten Wochen als Ersti ab. Man ist an dieser Stelle stets dankbar, dass man genug Treibstoff f\u00fcr sein Gehirn deponiert, das am Nachmittag n\u00e4mlich noch gro\u00dfe Dienste zu leisten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8869\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/17916575_437504963265758_460870894_o-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/p>\n<h2><strong>Verloren in Raum und Zeit<u> <\/u><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich in der kuscheligen Bibliothek angekommen, die in Gr\u00f6\u00dfe und Temperatur der nat\u00fcrlichen Nische des Studenten schon n\u00e4her kommt. Studentenfutter knabbernd und in unversch\u00e4mt dicken Schm\u00f6kern st\u00f6bernd, flie\u00dfen die Stunden vorbei. Kafka hatte also doch eine Ahnung, als er sagte: \u201eDass unsere Aufgabe genauso gro\u00df ist wie unser Leben, gibt ihr einen Schein von Unendlichkeit.&#8220; Wahre Worte, mein Freund! Doch der Bann der Unendlichkeit wird schon bald gebrochen \u2013 von einem gegengeschlechtlichen Nischentier, das so verlockend gut aussieht, dass sofort ein jeder Reiz der spannendsten Lekt\u00fcre verflogen scheint. Vielleicht sieht man ihn\/sie ja nochmal auf der n\u00e4chsten Party\u2026.(Sag mal hat er\/sie mich eigentlich vorhin angel\u00e4chelt?) Apropos Party &#8211; heute hat doch der Mitbewohner-Geburtstag, wie viel Uhr ist es eigentlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Panisch wird das Smartphone aus der \u00fcberladenen Tasche gew\u00fchlt, das zum Bedauern des Studenten kein Akku mehr hat. Who cares?! Fr\u00fcher gab\u2018s auch nur Sonnenuhren. Also, Entscheidung \u00e0 la Student: \u201eDrau\u00dfen ist es fast dunkel, ich bin m\u00fcde, habe Hunger- ergo muss es schon ziemlich sp\u00e4t sein. Zeit f\u00fcr ein Feierabend-Bier!\u201c Na dann, ein Hoch auf die uners\u00e4ttliche studentische Gelassenheit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Paul Mehnert\/ Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studierst du noch oder lebst du schon? 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