{"id":8535,"date":"2017-02-20T10:30:04","date_gmt":"2017-02-20T09:30:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8535"},"modified":"2017-02-20T10:30:04","modified_gmt":"2017-02-20T09:30:04","slug":"wo-solls-hingehen-ehemalige-studenten-erzaehlen-von-ihrem-weg-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/02\/20\/wo-solls-hingehen-ehemalige-studenten-erzaehlen-von-ihrem-weg-3\/","title":{"rendered":"&quot;Wo soll&#039;s hingehen?&quot; Ehemalige Studenten erz\u00e4hlen von ihrem Weg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Ein einschneidendes Erlebnis, das alles ver\u00e4ndert. Wie der Kontakt mit Krebspatienten seine Studienpl\u00e4nen umwarf und die Forschung und der Kampf gegen den Krebs zu seiner Lebensaufgabe wurden, erz\u00e4hlt Hans-Georg Rammensee.<\/strong><\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_8536\" aria-describedby=\"caption-attachment-8536\" style=\"width: 492px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8536 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Portrait-Rammensee_007-492x672.jpg\" width=\"492\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8536\" class=\"wp-caption-text\">Hans-Georg Rammensee &#8211; seine Forschung ist Hoffnungstr\u00e4ger im Kampf gegen den Krebs<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Rammensee, woran arbeiten Sie gerade?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich arbeite im Bereich der Immunologie, das hei\u00dft wir forschen daran, wie man mithilfe des k\u00f6rpereigenen Immunsystems des Patienten die Krebszellen zerst\u00f6ren kann. Ziel ist eine individuelle Krebsimmuntherapie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie genau kann man sich diese Therapie vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den neunziger Jahren haben wir herausgefunden, wie auf der Oberfl\u00e4che der Krebszellen sogenannte Peptide (Eiwei\u00dfe) den Zellen des Immunsystems dargeboten werden. Diese krebsspezifischen Peptide sind bei jedem Patienten individuell. Diese Peptidstrukturen k\u00f6nnen vom Immunsystem erkannt werden und eine Immunantwort ausl\u00f6st. Wir versuchen, diese Peptide als Ansatzpunkt zur Aktivierung des Immunsystems des Patienten gegen Krebs zu nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie untersuchen also, wie der K\u00f6rper Krankheitserreger abwehrt und entwickeln einen Impfstoff, der \u00e4hnlich funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wir versuchen, die ver\u00e4nderten Peptide im Krebspatienten zu identifizieren, diese synthetisch nachzubauen und den Betroffenen dann damit zu immunisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist eine solche Impfung denn inzwischen schon m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das war aber noch nicht erfolgreich. Dagegen gibt es mit neuartigen Antik\u00f6rpern, die die patienteneigene Immunantwort aktivieren, bei Hautkrebs oder Lungenkrebs schon tolle Erfolge. Das Problem ist, dass es noch nicht bei jedem Patienten funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diese Impfstoffe werden dann ja in klinischen Studien an Patienten getestet. Arbeiten Sie auch pers\u00f6nlich mit den Krebspatienten zusammen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das l\u00e4uft alles anonymisiert ab und den Kontakt mit dem Betroffenen haben dann die \u00c4rzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwischen der Forschung und den Kliniken herrscht also eine enge Zusammenarbeit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das war auch einer der Gr\u00fcnde, weshalb ich aus Heidelberg wieder nach T\u00fcbingen gekommen bin. Dort hatte die Zusammenarbeit damals nicht so gut funktioniert, wohingegen die Kliniken hier sehr an einer Zusammenarbeit interessiert waren. Das ist ein wirklicher Vorteil des Standortes T\u00fcbingen \u2013 dass pr\u00e4klinische Forschung und klinische Versuche so nah verbunden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es waren also eher die Forschungsbedingungen als Nostalgie, die Sie zur\u00fcckbrachten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, Nostalgie spielte da keine Rolle. Aber ich f\u00fchle mich nat\u00fcrlich verbunden mit dieser Region, hier bin ich aufgewachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stimmt, Sie sind in T\u00fcbingen aufgewachsen und haben hier studiert. Jetzt arbeiten sie an der Uni und forschen zur Krebstherapie. War das so geplant?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt nicht. Ich wollte Physik studieren. Das habe ich dann auch ein Semester lang gemacht und dann aber festgestellt, dass die Mathematik, die man in diesem Fach braucht, mir nicht liegt. Das war nicht das, was ich aus der Schule kannte. Dann habe ich \u00fcberlegt, Maschinenbau zu studieren. Daf\u00fcr brauchte man ein Industriepraktikum, das ich dann auch absolviert habe. Dabei habe ich sehr viel gelernt, viel mit den H\u00e4nden gearbeitet. Dann wurde ich einberufen \u2013 damals gab es noch die Wehrpflicht beziehungsweise den Zivildienst. Ich habe mich f\u00fcr den Zivildienst entschieden, und meine Pl\u00e4ne haben sich dann v\u00f6llig ge\u00e4ndert. Ich wurde im Krankenhaus eingeteilt f\u00fcr die Radioonkologie, f\u00fcr die Krebsstation, und hatte das erste Mal in meinem Leben mit Krebspatienten zu tun. Und das, was ich dort erlebte, hat mich motiviert, in die Naturwissenschaften zu gehen. Ich wollte nicht Arzt werden, weil ich gesehen habe, wie wenig die \u00c4rzte bei Krebs ausrichten konnten. Ich wollte daher in die Forschung und in diesem Bereich etwas gegen Krebs entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Manchmal kommt es dann eben doch ganz anders, als man es geplant hat. Inzwischen sind Sie schon einige Zeit hier an der Universit\u00e4t. Hat sich viel ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Studierenden w\u00fcrde ich das nicht sagen. Es gibt damals wie heute einige, die sehr motiviert arbeiten und andere, die weniger tun. Was das Studium anbelangt, hat sich schon einiges ver\u00e4ndert. Das gesamte Studium ist viel verschulter geworden mit dem Bachelor- und Mastersystem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Empfinden Sie diese Umstellung denn eher als Nachteil oder als positive Entwicklung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke das ist ein Nachteil. Die Studierenden sind sehr viel eingespannter und haben weniger Zeit, ihren Interessen nachzugehen. Als es noch das Diplom gab, hatte man gewisse Vorgaben, welche Scheine man bis zu einem gewissen Zeitpunkt haben musste. H\u00e4ufig musste man nur die Klausuren bestehen und konnte anderes verfolgen. Man hatte eine gr\u00f6\u00dfere Entscheidungsfreiheit und konnte, zum Beispiel, im Labor arbeiten oder \u00e4hnliches. Das versuchen wird jetzt durch Praktika auszugleichen. Die Studierenden sollen trotzdem die M\u00f6glichkeit haben, sich auch praktisch auszuprobieren, neben dem Punktesammeln.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee wurde am 12. April 1953 in T\u00fcbingen geboren. Er studierte von 1974-1980 Biologie an der Eberhard-Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen und promovierte anschlie\u00dfend bei Jan Klein am Max-Planck-Institut f\u00fcr Biologie. Als Post-Doc forschte er dann in La Jolla (Kalifornien) und Basel und kehrte nach einem Aufenthalt in Heidelberg als Professor an die Universit\u00e4t in T\u00fcbingen zur\u00fcck, wo er seitdem lehrt und forscht. F\u00fcr seine Forschungen in der Immunologie ist er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem &#8222;Deutsche Krebshilfe Preis&#8220;. Au\u00dferdem ist er Begr\u00fcnder der Firmen immatics biotechnologies GmbH, CureVac AG und Synimmune, die jeweils andere Strategien zu Krebstherapien verfolgen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Vivian Jochens.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> Hans-Georg Rammensee.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein einschneidendes Erlebnis, das alles ver\u00e4ndert. 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