{"id":8584,"date":"2017-02-27T18:01:53","date_gmt":"2017-02-27T17:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8584"},"modified":"2017-02-27T18:01:53","modified_gmt":"2017-02-27T17:01:53","slug":"wo-solls-hingehen-ehemalige-studenten-erzaehlen-von-ihrem-weg-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/02\/27\/wo-solls-hingehen-ehemalige-studenten-erzaehlen-von-ihrem-weg-4\/","title":{"rendered":"&quot;Wo soll&#039;s hingehen?&quot; Ehemalige Studenten erz\u00e4hlen von ihrem Weg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Jeder f\u00e4ngt mal klein an. Auch Politiker. Chris K\u00fchn, heute Bundestagsabgeordneter der Gr\u00fcnen, erz\u00e4hlt, wie seine politische Karriere begann und welche Rolle sein Studium und die studentische Politik darin spielten.<\/em><\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_8586\" aria-describedby=\"caption-attachment-8586\" style=\"width: 341px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8586 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto_ChrisK\u00fchn.jpg\" width=\"341\" height=\"512\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8586\" class=\"wp-caption-text\">Chris K\u00fchn &#8211; vom T\u00fcbinger Clubhaus nach Berlin in den Bundestag.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie haben Sie w\u00e4hrend ihres Studiums die studentische Politik erlebt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war immer ein gewisser Kreis von Menschen, die was gemacht haben. Als wir im Zuge einer Demo gegen Stellenstreichung in den Kulturwissenschaften und den klassischen Naturwissenschaften einmal f\u00fcr kurze Zeit das Rektorat besetzt hatten, h\u00e4tte ich mir nat\u00fcrlich gew\u00fcnscht, dass mehr Leute und nicht nur 100 da w\u00e4ren, aber das war nicht so. Mir pers\u00f6nlich hat es sehr viel gebracht, im Fakult\u00e4tsrat und in der Fachschaft der Soziologie zu sein. Das war aber weniger parteipolitisch, als fachschaftsorientiert: Insgesamt war weniger die Parteipolitik an der Uni im Fokus, als das fachliche und studentische Interesse. Aber aus der Zeit sind ein paar Freundschaften entstanden, die mich bis heute im politischen Leben begleiten. Ein paar Menschen aus dieser Zeit sind heute in politischen Funktionen und man begegnet sich ab und zu. Dann entweder mit Sympathie oder Unverst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was f\u00fcr einen Weg der ein oder andere eingeschlagen hat. Das ist spannend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Heute sind Sie Sprecher Ihrer Fraktion f\u00fcr Bau- und Wohnraumpolitik. Hat Sie dieses Thema auch schon w\u00e4hrend des Studiums bewegt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in meiner Zeit gab es das Problem der Frage des studentischen Wohnraums, aber es waren eher die klassischen studentischen Themen, wie die Frage, an welche Institute das Geld geht, welche Angebote die Uni aufstellt oder die Frage der Studiengeb\u00fchren. Aber gewisse Grundfragen habe ich schon beibehalten: Wie beispielsweise das geb\u00fchrenfreie Studium, das es nach wie vor immer wieder zu erk\u00e4mpfen gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie haben ja schon in Ihrer Jugend bei den Jungen Gr\u00fcnen mitgewirkt. Wie kam es zu diesem fr\u00fchen Engagement?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war in der Schule Sch\u00fclersprecher. Dann gab es bei mir in G\u00f6ppingen einen Prozess zum Jugendgemeinderat, was ich sehr spannend fand. Ich fand immer, dass junge Menschen sich in Entscheidungen einbringen sollten, die sie betreffen. Ich fand es ein Unding, dass es in G\u00f6ppingen keine jugendorganisierten Konzerte gegen Rechts oder \u00e4hnliches gab. In so einer Zeit haben wir dann den Jugendgemeinderat gegr\u00fcndet und dar\u00fcber bin ich dann zum parteipolitischen Engagement gekommen. W\u00e4hrend meines Studiums und bis zu meinem Praktikum im Wahlkampf bei Winfried Hermann war die politische Arbeit aber eher noch ein Hobby. Dann habe ich zus\u00e4tzlich ein Praktikum in Berlin gemacht und das war dann der Einstieg in die professionelle Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>War es also auch schon immer Ihr Plan, Politikwissenschaften zu studieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja, das war nat\u00fcrlich eine Findungsphase. Ich hatte mehrere Ideen, ich fand viele Dinge interessant. Ich fand zum Beispiel auch Psychologie oder EKW spannend. Damit habe ich auch im Nebenfach angefangen \u2013 nach einem Semester dann aber gewechselt \u2013 und bin dann bei Politikwissenschaft und Soziologie gelandet. Angefangen habe ich das, weil die Themen gesellschaftliche Entwicklung und das politische System mich sehr fr\u00fch, in der Schule schon, besch\u00e4ftigt haben. Es war eher eine Wahl der Neigungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und wieso fiel die Wahl des Studienortes dann auf T\u00fcbingen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei mir hat das einen famili\u00e4ren Hintergrund. Das ist die Stadt meiner Gro\u00dfeltern, ich war hier h\u00e4ufig als Kind, meine Tante m\u00fctterlicherseits lebt auch hier in T\u00fcbingen. Von daher gab&#8217;s hier eine Beziehung nach T\u00fcbingen. Dann bin ich 2000, nach meinem Zivildienst, in die Stadt gezogen, die mir als Kind schon gefallen hat. Die Uni hat au\u00dferdem die F\u00e4cher angeboten, die ich studieren wollte. So bin ich geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hatten Sie bei der Studienwahl schon im Hinterkopf, einmal hauptberuflich in die Politik zu gehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich habe ich Politikwissenschaft mit dem Vorhaben studiert, in die politische Bildungsarbeit zu gehen. Ich habe dann im Studium aber gemerkt, dass da der Einstieg schwierig ist und es nicht viele Jobs in diesem Bereich gibt. Dann hat sich das Praktikum im Bundestag in Berlin ergeben und ich wollte auch nochmal etwas anderes sehen als T\u00fcbingen. Im Praktikum habe ich einen Einblick in die Fraktionsarbeit bekommen, in die Arbeit eines Abgeordneten.<\/p>\n<blockquote><p>(\u2026) politische Karrieren kann man nicht planen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Erleichtert ein Studium denn den Einstig in die Politik?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, dass es formal nicht notwendig ist, aber wenn man sich das Parlament anschaut, dann sind dort viele Akademikerinnen und Akademiker besch\u00e4ftigt. Es geht darum, politische Prozesse zu gestalten und komplexe Probleme lassen sich mit einem akademischen R\u00fcstzeug leichter bearbeiten. Dennoch ist es auch gut, wenn da Menschen sind, die einen anderen Blick auf die Welt haben und sich Dinge anders angeeignet haben. Das sorgt f\u00fcr Vielfalt im parlamentarischen Betrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hatten Sie sich denn auch mal \u00fcberlegt, etwas anderes zu machen \u2013 fernab der politischen B\u00fchne?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe nach dem Studium noch bei den Wirtschaftswissenschaftlern in der Seminarverwaltung gearbeitet und wenn die Politik nicht dazwischen gekommen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mir auch vorstellen k\u00f6nnen, im universit\u00e4ren Verwaltungsbereich etwas zu machen. Ich finde die Verwaltung und die Uni als Ort, der immer etwas Neues bringt, sehr spannend. Auch zu dieser Zeit hatte ich schon den Plan, ob ich nicht in den politischen Bereich wechsle. Aber neben der \u00dcberlegung in die Politik zu gehen, hatte ich auch \u00fcberlegt, erst noch an der Uni zu bleiben, zu promovieren, um nochmal einen anderen Einstieg in die Verwaltungsebene oder in die Politik zu finden. Dass dann der Wechsel von der Mitarbeiterebene in den Landesvorstand kam, hat mit meinem Mandat und mit meiner Kampfkandidatur 2009 zu tun. Dann war ich halb an der Uni und halb im Landesverband, hatte also viele Verpflichtungen gleichzeitig. 2011, mit den gewonnenen Landtagswahlen, war das dann nicht mehr m\u00f6glich. Auf einmal war das Vollzeitpolitik. Das war ein ganz krasser Professionalisierungsschub. Ich hab so viel gearbeitet wie noch nie zuvor.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Chris K\u00fchn wurde am 9. April 1979 in T\u00fcbingen geboren und ist in G\u00f6ppingen aufgewachsen. Nach seinem Abitur und dem Zivildienst ist er nach T\u00fcbingen gekommen, um Politikwissenschaft und Soziologie zu studieren. Sein politisches Engagement begann schon 1996 bei der Gr\u00fcnen Jugend und zog sich durch sein Studium. Mit seiner Mitarbeit im Wahlkampf von Winfried Hermann (B\u00fcndnis 90\/Gr\u00fcnen) und einem Praktikum im Bundestag kam der Einstieg in die professionelle Politik. 2009 kandidierte er f\u00fcr den Landesvorsitz und 2013 wurde er \u00fcber die Landesliste in den Bundestag gew\u00e4hlt. Dort ist er Sprecher der Bundestagsfraktion f\u00fcr Bau- und Wohnraumpolitik. Seit 2016 ist er Landesgruppensprecher der Gr\u00fcnen Baden-W\u00fcrttemberg im Bundestag.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild:<\/span> Vivian Jochens.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Foto:<\/span> Pressematerial Chris K\u00fchn.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder f\u00e4ngt mal klein an. Auch Politiker. 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