{"id":874,"date":"2012-10-12T08:16:15","date_gmt":"2012-10-12T08:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=874"},"modified":"2021-02-21T13:43:33","modified_gmt":"2021-02-21T13:43:33","slug":"exzellenz-fur-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/10\/12\/exzellenz-fur-alle\/","title":{"rendered":"Exzellenz f\u00fcr alle?"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #004b88;\">Ist die F\u00f6rderung durch die Exzellenzinitiative auch f\u00fcr die Studierenden ein Grund zur Freude?<\/span><\/h3>\n<p><strong>Etwa 70 Millionen Euro haben der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft der Uni T\u00fcbingen f\u00fcr einen Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule und ein Zukunftskonzept bewilligt. Bei der F\u00f6rderung geht es haupts\u00e4chlich um die Spitzenforschung.<\/strong><br \/>\n<em>von Hannah Steinhoff<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Freude beim Sommerfest der Uni am 15. Juni 2012 war ansteckend. Mit erhobenen Armen trat Rektor Bernd Engler aus der Neuen Aula und verk\u00fcndete die frohe Botschaft: \u201eDie dritte Linie ist bewilligt!\u201c Die Uni T\u00fcbingen ziert also endlich der lang ersehnte Titel \u201eEliteuniversit\u00e4t\u201c.<br \/>\nAuf diesen Moment hat sich die Unileitung lange vorbereitet. Seit der Entt\u00e4uschung in der ersten Runde der Exzellenzinitiative 2005 werkelte das Rektorat am Zukunftskonzept \u201eResearch \u2013 Relevance \u2013 Responsibility\u201c. Nur der Exzellenzcluster Werner Reichhardt Centrum f\u00fcr Integrative Neurowissenschaften (CIN) bekam damals die Zusage f\u00fcr die F\u00f6rderung. Hinzu kommt nun die Graduiertenschule Learning, Educational Achievement, and Life Course Development (LEAD).<br \/>\nF\u00fcr Studierende der gef\u00f6rderten Bereiche ist die F\u00f6rderung ein Segen, besonders wenn sie eine Promotion anstreben. Doch was haben die \u00fcbrigen Studierenden von der \u201eEliteuni\u201c?<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #004b88;\"><strong><em>Die Mittel kommen der Lehre kaum zu Gute, <\/em><\/strong>so Senatsvertreterin Sonja V\u00f6lker<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Freie Universit\u00e4t Berlin tr\u00e4gt diesen Titel bereits seit sieben Jahren \u2013 doch die Studierenden sind keineswegs froh, dass die F\u00f6rderung nun fortgesetzt wird. \u201eF\u00fcr die Studierenden an der FU hat die Exzellenzinitiative in der Praxis nahezu nur negative Implikationen, von Demokratieverlust \u00fcber restriktiv und unsozial gestaltete Studienbedingungen bis hin zu massiver Geldverschwendung f\u00fcr prestigeorientierte Projekte und Initiativen auf Kosten der Lehre\u201c, erkl\u00e4rt Anne Schindler, hochschulpolitische Referentin des AStA.<br \/>\nWird die Studierendenschaft T\u00fcbingen in f\u00fcnf Jahren das gleiche Fazit ziehen? Sonja V\u00f6lker, Vertreterin der Studierenden im Senat und Mitglied der Fachschaftenvollversammlung glaubt nicht, dass die F\u00f6rderung der Uni T\u00fcbingen den Studierenden schaden wird. Man d\u00fcrfe sich jedoch nichts vormachen: Die Mittel kommen der Lehre kaum zu Gute. Neu berufene Forschungsprofessoren h\u00e4tten zum Beispiel keine Lehrverpflichtung.<br \/>\nAllerdings bef\u00fcrchtet Sonja V\u00f6lker, dass in f\u00fcnf Jahren, wenn die Geldquellen versiegen und die neu geschaffenen Strukturen anders finanziert werden m\u00fcssen, Mittel f\u00fcr andere F\u00e4cher gek\u00fcrzt werden. Denn schon im Vorfeld der Exzellenz-Bewerbung richtete die Universit\u00e4t einen \u201eInnovationspool\u201c ein, in den alle F\u00e4cher einzahlen mussten, damit aus diesen Mitteln einzelne Forschungsbereiche gef\u00f6rdert werden konnten. Bei der intransparenten Verwendung dieser Gelder beobachtete die T\u00fcbinger Studierendenvetretung bereits vor der Exzellenz-Entscheidung den Verlust an demokratischer Mitbestimmung, der auch in Berlin beklagt wird. \u00c4hnliche Ma\u00dfnahmen seien auch k\u00fcnftig zu bef\u00fcrchten.<br \/>\nAuch innerhalb einzelner F\u00e4cher w\u00fcrden die Schwerpunkte zugunsten der Exzellenzforschung verschoben. Es sei zu erwarten, dass\u00a0 benachbarte Professuren mit anderen Arbeitsschwerpunkten in den n\u00e4chsten Jahren nicht nachbesetzt w\u00fcrden, um neue Professuren dauerhaft zu finanzieren<br \/>\nMyriam H\u00f6nig, Leiterin der Hochschulkommunikation, betont dagegen: \u201eDie Uni T\u00fcbingen hat bei ihrer Bewerbung besonders darauf geachtet, dass die Gelder nachhaltig eingesetzt werden. Selbst wenn in f\u00fcnf Jahren die F\u00f6rderung vollst\u00e4ndig ausbleibt, sind wir vorbereitet.\u201c Es ist jedoch davon auszugehen, dass nach Ende der F\u00f6rderung 2017 eine Auslauffinanzierung bestehen bleibt.<\/p>\n<blockquote><p><strong><span style=\"color: #004b88;\">Bessere Rankingergebnisse und mehr internationale Aufmerksamkeit<\/span><\/strong> <span style=\"color: #004b88;\">verspricht sich Myrian H\u00f6nig, Leiterin der Hochschulkommunikation<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Exzellenzinitiative sei zwar darauf angelegt, die universit\u00e4re Spitzenforschung, und damit einzelne Bereiche stark zu f\u00f6rdern, doch von der Umsetzung des Zukunftskonzepts w\u00fcrden viele Nachwuchswissenschaftler der Natur-, Lebens- und Geisteswissenschaften profitieren. Unter dem Punkt \u201eGleichstellungsoffensive\u201c soll weiblicher Wissenschaftsnachwuchs mit insgesamt 13 Millionen Euro gef\u00f6rdert werden und durch zehn Millionen f\u00fcr die \u201eInternationalisierungsoffensive\u201c ein internationaler wissenschaftlicher Austausch erm\u00f6glicht werden. Von dieser F\u00f6rderung profitieren nat\u00fcrlich haupts\u00e4chlich Doktoranden. F\u00fcr Myriam H\u00f6nig stellt die F\u00f6rderung jedoch auch eine Imageaufwertung der Uni T\u00fcbingen dar, der f\u00fcr die gesamte Studierendenschaft ein Gewinn ist. Die Universit\u00e4t werde in Zukunft in Rankings besser abschneiden und international mehr Aufmerksamkeit erhalten.<br \/>\nSonja V\u00f6lker h\u00e4lt es f\u00fcr optimistisch zu glauben, dass Studierende davon profitieren werden. Es sei bekannt, dass die F\u00f6rderung nur einzelne Bereiche betreffe: \u201eEin Arbeitgeber, der Bewerber eher einstellt, weil sie einen Abschluss einer Eliteuni haben, w\u00e4re ziemlich naiv.\u201c<br \/>\nSie hofft darauf, dass die Universit\u00e4t ihre Versprechen zur Exzellenzinitiative einhalten wird: \u201eWir haben uns die Exzellenzinitiative nicht gew\u00fcnscht, aber wir hoffen, dass sie der Uni als Gesamtheit dient, und Rektor Engler sein Bekenntnis zur Volluniversit\u00e4t mit einer Bandbreite an F\u00e4chern nicht vergisst.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die F\u00f6rderung durch die Exzellenzinitiative auch f\u00fcr die Studierenden ein Grund zur Freude? 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