{"id":8744,"date":"2017-03-17T16:01:31","date_gmt":"2017-03-17T16:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=8744"},"modified":"2021-02-20T14:14:06","modified_gmt":"2021-02-20T14:14:06","slug":"einmachglas-und-tupperdose-statt-plastikverpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/03\/17\/einmachglas-und-tupperdose-statt-plastikverpackung\/","title":{"rendered":"Einmachglas und Tupperdose statt Plastikverpackung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Millionen Tonnen an Verpackungsm\u00fcll werden j\u00e4hrlich in Deutschland produziert. Gro\u00dfe Supermarktketten haben die Plastikt\u00fcte bereits abgeschafft. Lebensmittel komplett unverpackt einkaufen &#8211; das ist bisher nur in wenigen L\u00e4den m\u00f6glich. Ab Sommer 2017 geht das aber auch in T\u00fcbingen.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regional, ressourcenschonend und secondhand sind Merkmale, die T\u00fcbingens ersten <a href=\"http:\/\/speicher-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unverpacktladen \u201eSpeicher\u201c<\/a> in Zukunft pr\u00e4gen sollen. Eingeschwei\u00dfte Gurken und Nudeln in Plastikverpackungen kommen hier nicht in die Regale. Stattdessen werden Getreideprodukte und H\u00fclsenfr\u00fcchte in zylinderf\u00f6rmigen Abf\u00fcllbeh\u00e4ltern, sogenannten Bulk Bins, angeboten. Essig und \u00d6l sind aus Glasballons abf\u00fcllbar. Gem\u00fcse und Obst werden lose in Holzkisten verkauft. Mit Hilfe einer Maschine wird Nuss-Mus selbst hergestellt und auch S\u00fc\u00dfigkeiten, Kr\u00e4uter, Kaffee, Alkohol und sogar Reinigungsmittel sollen Teil des Ladensortiments sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So funktioniert das Konzept: Dosen und Gl\u00e4ser f\u00fcr den Einkauf bringt der Kunde selbst mit. Bevor er sich an den angebotenen Lebensmitteln bedient, werden die Beh\u00e4ltnisse gewogen. F\u00fcr das Leergewicht wird n\u00e4mlich nicht gezahlt. Aber auch Spontaneink\u00e4ufer sind im \u201eSpeicher\u201c willkommen. \u201eWir werden Mehrwegbeh\u00e4lter im Laden verkaufen. Vielleicht f\u00fchren wir auch ein Pfandsystem ein, das wissen wir noch nicht\u201c, sagt Caner Ortanca, der den Unverpacktladen gemeinsam mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Andrea Bender betreiben wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8725\" aria-describedby=\"caption-attachment-8725\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8725 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017-03-12_Unverpackt_Speicher5-1008x672.jpg\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8725\" class=\"wp-caption-text\">Einwegverpackung war gestern! Nach einem Einkauf im \u201eSpeicher\u201c sind l\u00e4stige Plastikschalen und T\u00fcten kein Problem mehr.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Ort der Begegnung<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass dadurch das Einkaufen umst\u00e4ndlicher wird, glauben die beiden T\u00fcbinger nicht. Im Gegenteil: die Vorteile \u00fcberwiegen f\u00fcr Caner und Andrea. Reduzierter Verpackungsm\u00fcll und das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung, durch die individuellen Abf\u00fcllmengen, werden gef\u00f6rdert. \u201eWir glauben, dass durch dieses Ladenkonzept die Leute wieder bewusst einkaufen und Spa\u00df dabei haben\u201c, so Andrea. \u201eAlle Sinne sollen miteingebunden werden. Bei uns kann man dann an den Produkten riechen und sie auch probieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Laden stellen sich die Betreiber als einen Ort des Austausches vor. &#8222;Im herk\u00f6mmlichen Supermarkt kommuniziert die Verpackung mit dem Kunden&#8220;, so Caner. Das ist im Unverpacktladen nicht der Fall. \u201eWenn jemand eine Frage hat, wie zum Beispiel wo das Produkt herkommt oder wie lange die Kochzeit ist, dann muss er auf uns zukommen. Das steigert das Miteinander.\u201c<\/p>\n<h2>Upcycling als Ladenkonzept<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur Lebensmittel sollen im \u201eSpeicher\u201c angeboten werden, sondern auch Upcycling-Produkte. \u201eWir haben eine Bekannte, die Boxershorts aus Stoffresten n\u00e4ht. Die soll es zum Beispiel bei uns geben\u201c, erz\u00e4hlt Andrea. Die Wiederverwertung von alten Sachen wird sich auch in der Ladeneinrichtung wiederspiegeln. \u201eVieles wollen wir selber bauen. Wir haben auch ein altes K\u00fcchenb\u00fcffet ergattert, das wir auf Vordermann bringen. Das sieht dann aus wie im Tante-Emma-Laden.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Werkstattcharme trifft auf shabby chic<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den beiden Betreibern ist es wichtig, Kunststoffe und Plastik im ganzen Laden zu vermeiden und keine neuen Materialien zu verwenden. Deswegen suchen sie nach m\u00f6glichen Ladentischen, Regalen und Dekoartikeln auch auf dem Flohmarkt. \u201eDas unterscheidet uns von anderen Unverpacktl\u00e4den, bei denen die Bulk Bins zum Beispiel aus Kunststoff sind\u201c, erkl\u00e4rt der 46-j\u00e4hrige Ladeninhaber. \u201eUns liegt es am Herzen da konsequent zu sein.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_8743\" aria-describedby=\"caption-attachment-8743\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8743 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Unverpacktladen-Innen-896x672.jpg\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8743\" class=\"wp-caption-text\">Noch sieht der Unverpacktladen so aus. Die ersten Bauarbeiten sind aber schon im Gange.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Regional und ohne Gentechnik<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch eine hohe Qualit\u00e4t der angebotenen Produkte strebt das Paar an. Frei von Gentechnik und regional m\u00fcssen sie sein. Deswegen planen sie das saisonale Obst und Gem\u00fcse von der <a href=\"http:\/\/tuebingen.solawi-freundeskreis.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">solidarischen Landwirtschaft in T\u00fcbingen<\/a> zu beziehen. Vorrang haben insbesondere Erzeugnisse, die aufgrund ihres Aussehens nicht im Handel verkauft werden.\u00a0 Bei Waren aus dem Trockensortiment arbeiten Caner und Andrea an Kooperationen mit H\u00e4ndlern aus der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei verzichten sie \u00fcberwiegend auf Lieferungen und wollen die Produkte selbst abholen. \u201eDas hat den gro\u00dfen Pluspunkt, dass wir die Sachen schon unverpackt erhalten, bevor sie im Laden landen\u201c, so Caner. Au\u00dferdem legen die beiden viel Wert auf den pers\u00f6nlichen Kontakt zu den H\u00e4ndlern. Den sollen auch die Kunden haben. Deswegen planen sie regelm\u00e4\u00dfig Erzeugertage zu veranstalten. \u201eWir wollen dadurch unsere Kunden und Hersteller zusammenf\u00fchren, aber auch transparent machen, woher unsere Lebensmittel stammen\u201c, erkl\u00e4rt die gelernte Schauwerbegestalterin. All das kostet nat\u00fcrlich etwas. Preislich sollen angebotene Grundnahrungsmittel, wie Reis, Nudeln und Mehl auf Alnatura-Niveau liegen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8740\" aria-describedby=\"caption-attachment-8740\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8740 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Caner-und-Andrea-1008x672.jpg\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8740\" class=\"wp-caption-text\">Team Speicher: Caner Ortanca und Andrea Bender.<\/figcaption><\/figure>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Alle H\u00e4nde voll zu tun<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der Laden in T\u00fcbingen viel Zulauf findet, daran haben die beiden keinen Zweifel. \u201eT\u00fcbingen ist eine sehr alternative Stadt und die Bewohner haben ein gro\u00dfes \u00f6kologisches Bewusstsein\u201c, sagt Caner. Schon bald wollen sie aus der ehemaligen Schreinerei einen Lebensmittelladen zum Wohlf\u00fchlen schaffen. Noch diese Woche beginnen die ersten Bauarbeiten, die nicht genehmigungspflichtig sind. Da es sich n\u00e4mlich um eine Nutzungs\u00e4nderung handelt, brauchen die beiden Betreiber f\u00fcr manche baulichen Vorhaben eine Genehmigung. \u201eDas ist aber nur reine Formsache\u201c, so der Ladeninhaber. In diesem Sommer schon soll die Er\u00f6ffnung stattfinden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8742\" aria-describedby=\"caption-attachment-8742\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8742 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Speicher-au\u0192en-1008x672.jpg\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8742\" class=\"wp-caption-text\">Zwischen der \u201eKichererbse\u201c und dem Nonnenhaus wird T\u00fcbingens erster Unverpacktladen liegen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Zeit danach haben Caner und Andrea bereits weitere Ideen. \u201eWir w\u00fcnschen uns auch irgendwann ein kleines Bistro im Laden zu haben und an einzelnen Tagen Fleisch und K\u00e4se zu verkaufen\u201c, erz\u00e4hlt die 45-J\u00e4hrige. \u201eAber da wissen wir noch nicht, mit welchen Auflagen oder Verboten zu rechnen ist\u201c, erg\u00e4nzt Caner, der fr\u00fcher im Risikomanagement t\u00e4tig war. Auch Lesungen, Musikveranstaltungen oder Vortr\u00e4ge zum Thema Nachhaltigkeit sollen angeboten werden. Eins steht fest: das Interesse an dem Laden ist gro\u00df. Schon jetzt bekommen die beiden Bewerbungen von T\u00fcbingern, die im \u201eSpeicher\u201c arbeiten wollen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span><br \/>\nTitelbild und Bild 1: Joshua Wiedmann<br \/>\nBild 2 &#8222;Speicher Innenansicht&#8220;: Speicher Team intern<br \/>\nBild 3 &#8222;Speicher Team&#8220;: Nicole Plich<br \/>\nBild 4 &#8222;Speicher Au\u00dfenansicht&#8220;: Marko Knab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Millionen Tonnen an Verpackungsm\u00fcll werden j\u00e4hrlich in Deutschland produziert. Gro\u00dfe Supermarktketten haben die Plastikt\u00fcte bereits abgeschafft. 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