{"id":9275,"date":"2017-05-18T07:47:13","date_gmt":"2017-05-18T05:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9275"},"modified":"2017-05-18T07:47:13","modified_gmt":"2017-05-18T05:47:13","slug":"kunst-trifft-geld-die-welt-des-scheins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/05\/18\/kunst-trifft-geld-die-welt-des-scheins\/","title":{"rendered":"Kunst trifft Geld: Die Welt des Scheins"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><em><strong>Was genau sind eigentlich Briefkastenfirmen? Und was macht der Kopf von Karl Marx auf einem Kreuzfahrtschiff? Bei diesen Fragen konsultierten Besucher und Besucherinnen der Kunsthalle am Montag, den 15. Mai, Professoren der Wirtschaftswissenschaften. Die derzeit laufende Ausstellung \u201eKAPITALSTR\u00d6MUNG\u201c konnte in einem interaktiven Rundgang sowohl aus k\u00fcnstlerischer als auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht betrachtet werden.<\/strong><\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">F\u00fcr die wirtschaftswissenschaftliche Fakult\u00e4t gibt es dieses Jahr ein gro\u00dfes Jubil\u00e4um, ein Anlass, der auch schon den hochkar\u00e4tigen Gast <a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2017\/05\/05\/horst-koehler-ich-habe-einen-traum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Horst K\u00f6hler nach T\u00fcbingen<\/a> lockte. Die Wirtschaftswissenschaft feiert prim\u00e4r das 200-j\u00e4hrige Bestehen ihrer eigenen Disziplin an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, sie feiert aber auch den interdisziplin\u00e4ren Austausch, und dies nicht nur mit Nachbardisziplinen aus der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t. \u201ePerspektiven der Wirtschaftswissenschaft\u201c, so der Titel der Jubil\u00e4ums-Ringvorlesung im Rahmen des Studium Generale, werden in diesem Semester sonst jeden Montag im Kupferbau er\u00f6rtert. An diesem Montag hingegen ging es eher um Perspektiven durch die Wirtschaft, nicht f\u00fcr die Wirtschaft, und die Frage lautete: Wie k\u00f6nnen Themen in der Kunst wirtschaftswissenschaftlich erkl\u00e4rt werden?<\/p>\n<h3 align=\"JUSTIFY\">Freie Dialoge statt absoluter Antworten<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Um die k\u00fcnstlerische und die wirtschaftliche Perspektive zu vereinen, organisierten Holger Kube Ventura, Kurator der Ausstellung \u201eKAPITALSTR\u00d6MUNG\u201c in der <a href=\"http:\/\/kunsthalle-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kunsthalle<\/a>, und Prof. Dr. Dominik Papies, Professor f\u00fcr Betriebswirtschaftslehre an der Uni T\u00fcbingen, einen interaktiven Ausstellungsrundgang. Acht Professoren mit unterschiedlichen Fachgebieten wie Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Finance und Bankwirtschaft stellten sich mit Megafonen ausger\u00fcstet f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung und kamen mit den Besuchern ins Gespr\u00e4ch. Die Megaphone sollten hierbei das einzige sein, das letztg\u00fcltige Autorit\u00e4t ausstrahlte. Denn das mache die Kunst ja auch aus &#8211; dass sie \u201eDinge verdeutliche, aber letztlich ambivalent bleiben\u201c, so Holger Kube Ventura.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9284\" aria-describedby=\"caption-attachment-9284\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9284 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/20170515_200002-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9284\" class=\"wp-caption-text\">Lockere Dialoge: Professoren und Besucher tauschen sich in wechselnden Konstellationen aus.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 align=\"JUSTIFY\">Von Blumentopf-Banken, Briefkastenfirmen und Karl Marx<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine kritische Sto\u00dfrichtung wird jedoch deutlich. Die Werke dieser Ausstellung lassen die Blase der Sch\u00f6nheit um ihrer selbst willen eindeutig platzen und greifen aktuelle Ereignisse auf. Die Fotoreihe \u201cThe Heavens\u201c von Paolo Woods und Gabriele Galimberti etwa zeigt Menschen in Steuerparadiesen wie den Kaimaninseln und den Britischen Jungferninseln. Entr\u00fcckt von gesetzlichen Auflagen und von allt\u00e4glichen Lebenswelten thronen Superreiche im Auftrieb von Jetpack-Str\u00f6mungen und in Dachterrassen-Pools inmitten von Wolkenkratzern.<\/p>\n\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Fotoserie geh\u00f6rt f\u00fcr Kube Ventura zu seinen Lieblingen der Ausstellung \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Blickfang aber ist das Bild \u201eVenedig Refugee\/ Non Citizen Protest Camp \u2013 gegen Grenzen, Nation und &#8222;die ganze \u00f6konomische Schei\u00dfe\u2018\u201c von Holger W\u00fcst.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eGespenstisch\u201c blickt einen schon w\u00e4hrend der Begr\u00fc\u00dfung zur Ausstellung Karl Marx\u2018 Kopf an, der am Ufer von Venedig an einem Kreuzfahrtschiff voller Gefl\u00fcchteter prangt. \u201eOb die Fl\u00fcchtlinge gerade in Venedig ankommen oder von Venedig wegfahren, ist unklar. Jedenfalls sind Touristen auf Kreuzfahrt in Venedig unerw\u00fcnscht und nutzlos. Das Bild verbindet also Tourismusstr\u00f6me mit Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6men\u201c, erkl\u00e4rt der Kurator. F\u00fcr den K\u00fcnstler selbst hatten die Touristen jedenfalls einen gro\u00dfen Nutzen \u2013 er schnitt sein Werk, das sich \u00fcber eine ganze Wand erstreckt, aus Touristenbildern und Bildern eines Fl\u00fcchtlingscamps zusammen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Karl Marx reist in dieser Ausstellung nicht nur nach Venedig, sondern auch nach Berlin: \u201eZum Schuldenabbau\u201c \u00fcberweist eine K\u00fcnstlerin jeden Tag einen Cent an das Bundesfinanzministerium, wobei sie bei den jeweiligen Verwendungszwecken sukzessive \u201eDas Kapital\u201c von Marx niederschreibt. F\u00fcr die hohe Verschuldung werden auch Banken verantwortlich gemacht und als Blument\u00f6pfe architektonisch modelliert.<\/p>\n\n<h3 align=\"JUSTIFY\">Kapitalstr\u00f6mungen in der Kunst<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Insgesamt werden also unterschiedliche Kapitalstr\u00f6me dargestellt: Die Str\u00f6me von \u201eHumankapital\u201c, die Kapitalsucht von Banken, die Kapitalflucht auf Steueroasen. Auch die Auswirkung von Kapitalstr\u00f6men auf die Kunst selbst ist Thema. Prof. Dr. Wilhelm Kohler erkl\u00e4rt, wie Preisblasen im Kunsthandel zustande kommen, er beschreibt den Prozess n\u00fcchtern: \u201eWir sind da leidenschaftsloser.\u201c Trotzdem sei nach wie vor die individuelle Wertsch\u00e4tzung von Kunstwerken wichtig.\u00a0Die Kunst ist also wohl noch nicht zum Spielball der Wirtschaft geworden \u2013 hier in der Kunsthalle bespielen sich Kunst und Wirtschaft im Dialog gegenseitig.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Die Ausstellung kann noch bis zum 11. Juni in der Kunsthalle besucht werden. \u00d6ffnungszeiten: Dienstags von 11-19 Uhr und von Mittwoch bis Sonntag von 11-18 Uhr.<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Alexa Bornfleth<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was genau sind eigentlich Briefkastenfirmen? Und was macht der Kopf von Karl Marx auf einem Kreuzfahrtschiff? 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