{"id":9340,"date":"2017-05-20T17:28:51","date_gmt":"2017-05-20T17:28:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9340"},"modified":"2021-02-20T14:04:48","modified_gmt":"2021-02-20T14:04:48","slug":"macron-liberaler-pro-europaeer-oder-autoritaerer-buerokrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/05\/20\/macron-liberaler-pro-europaeer-oder-autoritaerer-buerokrat\/","title":{"rendered":"Macron: Liberaler Pro-Europ\u00e4er oder autorit\u00e4rer B\u00fcrokrat?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Nach dem Brexit-Schock und der Wahl Donald Trumps f\u00fcrchtete sich die ganze Welt vor der franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahl. Nun aber hat Emmanuel Macron die Wahl f\u00fcr sich entschieden: Ein Grund zur Erleichterung? Drei ExpertInnen f\u00fcr Deutschland und Frankreich diskutierten das Wahlergebnis am Freitagabend im Deutsch-Franz\u00f6sischen Kulturinstitut.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">K\u00fcsschen links, K\u00fcsschen rechts. Hier und da aber auch der typische H\u00e4ndedruck. Es scheinen also sowohl deutsche als auch franz\u00f6sische G\u00e4ste unter den Besuchern der Podiumsdiskussion \u201eFrankreich nach den Pr\u00e4sidentschaftswahlen\u201c zu sein. Inmitten des Stimmengewirrs ist viel \u00fcberschw\u00e4ngliches \u201e\u00c7a va?\u201c zu h\u00f6ren. \u201e\u00c7a va bien!\u201c ist dann meist die Antwort. Und ja, es geht tats\u00e4chlich gut! Denn Emmanuel Macron hat die franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentschaftswahl gewonnen, die Vorstellung einer Marine Le Pen als Pr\u00e4sidentin bleibt ein unheimliches Hirngespinst. Und es geht schnell nach vorne, in gro\u00dfen Schritten hin zu Reformen im eigenen Land und zu einer engeren Europ\u00e4ischen Union, wenn Emmanuel Macron seine Ziele umsetzen kann. \u201eEn Marche!\u201c, das ist schlie\u00dflich der ambitionierte Titel der von ihm geschaffenen Bewegung, die er jetzt zu einer Partei umformt. <\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><b>Europa-Reformer, aber auch Systeminsider <\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Kann man Macron aus franz\u00f6sischer, deutscher und europ\u00e4ischer Sicht jetzt also einfach als Retter Europas zelebrieren oder k\u00f6nnte er auch ein schwieriger Pr\u00e4sident und Partner werden? Zum Austausch \u00fcber diese und weitere Fragen hat die Europa-Union T\u00fcbingen ins Deutsch-Franz\u00f6sische Kulturinsitut geladen. Folgende G\u00e4ste diskutieren auf dem Podium: Prof. Dr. H\u00e9l\u00e8ne Miard-Delacroix von der Universit\u00e4t Paris-Sorbonne, der Chefredakteur der Zeitschrift &#8222;Alternatives economiques&#8220; Guillaume Duval und die T\u00fcbinger Politik-Professorin Gabriele Abels.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Der Moderator, Dr. Matthieu Osmont vom Deutsch-Franz\u00f6sischen Kulturinstitut, befragt die Diskussionsteilnehmenden zur Wahlkampagne, zu den Ergebnissen und zu den Folgen der Wahl. Macron sei ein autorit\u00e4r veranlagter \u201eEnarch\u201c, so Duval. Der Begriff \u201eEnarch\u201c bezeichnet Absolventen der Pariser Elite-Hochschule \u201eEcole Nationale d\u2019Administration\u201c, die eine der Kaderschmieden f\u00fcr die franz\u00f6sische Ministerialb\u00fcrokratie ist. Nichtsdestotrotz klingt auch Erleichterung \u00fcber die Wahl Macrons durch, da Duval hofft, dass sich das deutsch-franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnis verbessern wird \u2013 schlie\u00dflich sei die Wahl ein Bekenntnis zu Europa gewesen. Wobei \u201everbessern\u201c aus seiner deutschlandkritischen Sicht bedeutet, dass Frankreich mehr Einfluss auf die Gestaltung Europas nimmt und sich \u00fcber die lehrerhaften Ermahnungen Deutschlands zur Austerit\u00e4t hinwegsetzen kann. Er hofft auf mehr Investitionen im eigenen Land und einen st\u00e4rkeren Euro.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9343\" aria-describedby=\"caption-attachment-9343\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_2720x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9343 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_2720x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9343\" class=\"wp-caption-text\">Die Wahl als Bekenntnis zu Europa: Auch am Deutsch-Franz\u00f6sischen Kulturinstitut weht die Europaflagge.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><b>Eher Wahl gegen Le Pen als f\u00fcr Macron <\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Miard-Delacroix\u2018 Erfahrungen mit der Wahl machen den Eindruck, als habe der \u201eelection stress\u201c aus den USA auch auf Frankreich \u00fcbergegriffen. \u201eWir sehen Le Pens Wahlergebnis nicht mehr als schlimm an, weil wir uns an den Populismus gew\u00f6hnen\u201c, stellt sie erschrocken fest. Aber stellt nur der Populismus eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie dar? Miard-Delacroix diagnostiziert, dass bei den Vorwahlen und in beiden Wahlg\u00e4ngen gegen jemanden, nicht f\u00fcr jemanden oder dessen Inhalte gestimmt worden sei. 24 Prozent der Stimmen bekam Macron im ersten Wahlgang, sein mangelnder R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte also zum Legitimationsproblem werden. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Macron braucht Deutschlands Unterst\u00fctzung \u2013 aber ist Deutschland bereit, h\u00f6here Ausgaben und mehr Mitsprache Frankreichs in der Europapolitik zu akzeptieren? Prof. Abels ist optimistisch, auch wenn Macron ein schwieriger Partner werden wird. Sie sieht Merkel in der Pflicht, sich schnell mit Frankreich zu solidarisieren und die unangenehmen h\u00f6heren Ausgaben f\u00fcr die EU noch vor der Bundestagswahl einzugestehen.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9344\" aria-describedby=\"caption-attachment-9344\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_2673x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9344 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_2673x-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9344\" class=\"wp-caption-text\">Horrorszenario Le Pen: \u201eWenn selbst ich als Feministin diese Frau nicht im Amt haben will, dann hei\u00dft das schon was\u201c (Prof. Gabriele Abels).<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><b>\u201eAnders, aber kompatibel\u201c <\/b><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Worauf sich alle Diskussionspartner einigen k\u00f6nnen: In einer Zeit sinkender Unterst\u00fctzung durch die USA und EU-Skeptizismus aus Gro\u00dfbritannien und Osteuropa kommt es mehr denn je auf das deutsch-franz\u00f6sische Duo an. Es wird an diesem Abend viel \u00fcber Unterschiede zwischen den beiden L\u00e4ndern geredet, \u00fcber sehr viel konfliktreichere Differenzen als nur die unterschiedlichen Begr\u00fc\u00dfungen Bisous vs. Handschlag. Aber da in der Andersartigkeit auch Kompatibilit\u00e4t liege, m\u00fcsse man die Wichtigkeit der Zusammenarbeit f\u00fcr Europa erkennen. Denn das war die Wahl Macrons vor allem: Eine Wahl gegen Le Pen, gegen das etablierte Parteiensystem &#8211; aber zumindest f\u00fcr eines, wenn auch nicht f\u00fcr Macron selbst: f\u00fcr ein geeintes Europa. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Marko Knab <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Brexit-Schock und der Wahl Donald Trumps f\u00fcrchtete sich die ganze Welt vor der franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahl. 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