{"id":9401,"date":"2017-05-29T15:38:23","date_gmt":"2017-05-29T13:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9401"},"modified":"2017-05-29T15:38:23","modified_gmt":"2017-05-29T13:38:23","slug":"eine-persoenlichkeit-zwischen-den-zeilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/05\/29\/eine-persoenlichkeit-zwischen-den-zeilen\/","title":{"rendered":"Eine Pers\u00f6nlichkeit zwischen den Zeilen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><b>Das 10. B\u00fccherfest lockt namhafte Autoren in die sch\u00f6nsten Locations in T\u00fcbingen. Benedict Wells la\u00df am Samstag bei strahlendem Sonnenschein aus seinem neuen Buch vor und zog das Publikum mit jeder Menge Charme in seinen Bann.<\/b><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt nicht viele Gelegenheiten, zu denen man den Innenhof des Wilhelmsstifts betreten kann, wenn man nicht gerade dort wohnt. Aber das B\u00fccherfest ist eine davon. Das Publikum in dem beinahe burg\u00e4hnlichen Innenhof hat sich so gut wie m\u00f6glich in den Schatten gesetzt, um der hei\u00dfen Sonne bei den herrschenden drei\u00dfig Grad zumindest ein bisschen zu entkommen. Anlass f\u00fcr das gemeinsame Schwitzen ist die Lesung von Benedict Wells, einem jungen Autor mit angenehmer Stimme und leicht rollendem \u201er\u201c. Er liest aus seinem neuen Buch vor, \u201eVom Ende der Einsamkeit\u201c.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<b>Ich wollte den Weg bis zum Ende gehen und das Buch nicht \u00fcberhastet nach 5 Jahren abschlie\u00dfen. Da war es eh schon egal.\u201c<\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 33-J\u00e4hrige wirkt sehr bescheiden \u2013 macht am Anfang erst einmal ein Foto von der Menge, weil er kaum glauben kann, wie viele Menschen f\u00fcr ihn gekommen sind. Dass er erk\u00e4ltet ist, merkt man nicht. Nur weil er von einer \u201eAspirin Complex-\u00dcberdosis\u201c erz\u00e4hlt, um \u00fcberhaupt auftreten zu k\u00f6nnen. Sein eigenes Buch zum Vorlesen hat er vergessen und leiht es sich von einer Zuschauerin aus der ersten Reihe. M\u00f6glicherweise einstudiert oder nicht, aber damit lockert er die Atmosph\u00e4re merklich auf und sorgt f\u00fcr einige Lacher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegens\u00e4tzlicher zu diesem sonnigen Tag k\u00f6nnte die nachdenkliche und ber\u00fchrende Story seines Buches jedoch kaum sein. Die Handlung zieht sich \u00fcber 34 Jahre und behandelt das Leben von drei Geschwistern und wie es sich ver\u00e4ndert, nachdem sie in jungem Alter ihre Eltern verlieren. Wells hat selbst sieben Jahre gebraucht, um das Buch zu schreiben, aber wie viel Liebe zum Detail darin steckt und wie viele Gedanken er sich um jeden Satz gemacht hat, merkt man daf\u00fcr auch. Er liest drei verschiedene Stellen des Buches vor und bietet dazwischen immer wieder Raum f\u00fcr Fragen aus dem Publikum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9405\" aria-describedby=\"caption-attachment-9405\" style=\"width: 579px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9405 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/18745410_10213470611538950_590382776_o-579x672.jpg\" alt=\"\" width=\"579\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9405\" class=\"wp-caption-text\">Nach der Lesung nimmt sich Benedict Wells viel Zeit und unterschreibt geduldig jedes Buch seiner Fans mit einer pers\u00f6nlichen Widmung. Die n\u00f6tige Ausdauer beim Warten hat sich aber gelohnt.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er erz\u00e4hlt von seinen Schwierigkeiten beim Schreibprozess, da das Buch episodenartig aus dem Leben der Geschwister erz\u00e4hlt und zwischen den einzelnen Episoden jeweils mehrere Jahre liegen. Von urspr\u00fcnglich 800 Seiten hat er kr\u00e4ftig gek\u00fcrzt: \u201eDas braucht kein Mensch\u2026das kann komplett raus. Dass es nach der Schule nicht gut l\u00e4uft, kann man sich ja denken!\u201c. Zwischendurch verirrt sich eine Fliege zu ihm und setzt sich auf das Buch der Zuschauerin. Er erwischt die Fliege und die Zuschauerin bekommt wohl ein neues Buch \u2013 \u201ees gibt Blutspuren, tut mir leid\u2026 Das ist ein kleines Massaker hier\u201c. Doch neben unfreiwilliger Komik erf\u00e4hrt man auch viel Pers\u00f6nliches \u00fcber den Autor.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<b>Das Buch ist sehr pers\u00f6nlich. Aber nicht schwarz auf wei\u00df, sondern zwischen den Zeilen.\u201c<\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Frage, wie viel von seiner Pers\u00f6nlichkeit in Wells\u2019 Buch steckt, wird er beinahe philosophisch. Bewusst seien viele Details sehr pers\u00f6nlich, viel aber auch \u00fcberhaupt nicht. Zum Beispiel kommen die drei Protagonisten aus \u201eVom Ende der Einsamkeit\u201c nach dem Tod ihrer Eltern auf ein Internat, auch Benedict Wells war von seinem sechsten Lebensjahr an im Internat. Au\u00dferdem h\u00e4tte jeder Mensch zwei Seiten. Benedict Wells\u2019 \u00f6ffentliche Seite sei zu gro\u00dfen Teilen von seinen ersten drei B\u00fcchern abgedeckt worden. Und es gibt die private Pers\u00f6nlichkeit abends, alleine im Hotelzimmer, wenn nach der Tour auf einmal niemand mehr da ist. Deshalb wollte er etwas Pers\u00f6nliches schreiben, etwas, das dieser Person im Hotelzimmer gerecht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem g\u00e4be es in seinen B\u00fcchern eine \u201eT\u00fcrsteher-Geschmacksgrenze<b>\u201c: <\/b>Vieles von dem, was Benedict Wells selbst gerne liest und h\u00f6rt, ist in seinen B\u00fcchern versteckt. Wenn er seine Charaktere B\u00fccher lesen l\u00e4sst, liest er sie auch selbst. Zudem erstellt er zu jedem seiner B\u00fccher Playlisten mit 200-300 Songs, von denen hinterher eine kleine Auswahl ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<b>Dass ihr das hier aushaltet!\u201c<\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 1,5 Stunden ist es selbst im Schatten hei\u00df. Aber die wenigen Menschen, die keinen Schattenplatz bekommen haben, harren aus und h\u00e4ngen an seinen Lippen. Dennoch holt er eine Zuschauerin zu sich auf die schattige Leseb\u00fchne. Diese darf oder muss dann auch den letzten Satz vorlesen, als seine Erk\u00e4ltung ihn doch einholt und er beim allerletzten Satz abbrechen muss. Er bekommt trotzdem tosenden Applaus, und die Zuschauerin wohl auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Mirjam Bittner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 10. B\u00fccherfest lockt namhafte Autoren in die sch\u00f6nsten Locations in T\u00fcbingen. Benedict Wells la\u00df am Samstag bei strahlendem Sonnenschein aus seinem neuen Buch vor &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":322,"featured_media":9404,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[3181,945,2050,90,446,3163,2111,11,1791,34,3167,547,548,947,225,2364,428,19,145,21,3182,3183,3184,3028],"class_list":["post-9401","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","tag-10-jahre-buecherfest","tag-autor","tag-benedict-wells","tag-buch","tag-buecher","tag-buecherfest","tag-fans","tag-featured","tag-hitze","tag-kultur","tag-leselust","tag-lesung","tag-literatur","tag-schreiben","tag-sommer","tag-sonne","tag-spass","tag-tubingen","tag-uni","tag-universitaet","tag-vom-ende-der-einsamkeit","tag-widmung","tag-wilhelmsstift","tag-wochenende"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9401","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/322"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9401"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9401\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9401"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9401"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}