{"id":9577,"date":"2017-06-22T09:20:02","date_gmt":"2017-06-22T09:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9577"},"modified":"2021-02-20T14:01:14","modified_gmt":"2021-02-20T14:01:14","slug":"wut-als-weltmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/06\/22\/wut-als-weltmacht\/","title":{"rendered":"Wut als Weltmacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Im Rahmen der 14. T\u00fcbinger Mediendozentur sprach Journalist Georg Mascolo \u00fcber Fake-News und deren m\u00f6gliche Folgen. Der Wahlhamburger zeigte aber auch L\u00f6sungsans\u00e4tze auf.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"de-DE\" style=\"font-size: 12pt;\">Angela Merkel ist nicht in Hamburg geboren und auch nicht in der DDR aufgewachsen. Eine Person in ihrem engsten Umfeld ist in ein schweres Verbrechen verwickelt gewesen, aber dieser Fakt wird verschleiert. Anstatt den IS zu bek\u00e4mpfen, ist sie in Wirklichkeit eine Mitbegr\u00fcnderin der islamistischen Terrormiliz. Und das Internet best\u00e4tigt all dies.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jene Aussagen, r\u00e4umte Mascolo schnell ein, entbehrten jeder realen Basis. Eindr\u00fccklich vermittelte er den G\u00e4sten im Festsaal der Neuen Aula so aber, wie Fake-News und absichtlich verbreitete Unwahrheiten die Gesellschaft und die ihr zugrundeliegenden Mechanismen treffen k\u00f6nnen. F\u00fcr sein plakatives Beispiel hatte der renommierte Journalist lediglich die Namen der betroffenen Person ver\u00e4ndert &#8211; eben diese Anschuldigungen waren in den USA bereits gegen\u00fcber Barack Obama und anderen Politikern vor Wahlen ge\u00e4u\u00dfert worden. Undenkbar in Deutschland? Im September steht eine Bundestagswahl an, und auch in unserem Land sind viele Menschen frustriert oder w\u00fctend.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir beginnen zu verteidigen, was uns etwas bedeutet.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zu hohe Dosis an alternativen Fakten, so Mascolo, k\u00f6nne zum Erm\u00fcdungsbruch der Demokratie f\u00fchren. In einer Zeit, in der sich L\u00fcgen so schnell verbreiten wie Recherchiertes, ist die Verteidigung gemeinsamer Werte eine gro\u00dfe, aber l\u00f6sbare Aufgabe. Der fr\u00fchere Chefredakteur des Spiegel gab sich dabei optimistisch, dass die Gesellschaft diese Herausforderung meistern k\u00f6nne.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Janusgesicht Internet<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sympathisch und mit Witz analysiert er die aktuelle Situation in Bezug auf das Internet, wagt aber auch einen Blick zur\u00fcck in die Tage der &#8222;Netzeuphorie&#8220;. Damals hatte das Internet gemeinhin noch als Werkzeug der Emanzipation des Einzelnen und der eigenen M\u00fcndigkeit gegolten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9580\" aria-describedby=\"caption-attachment-9580\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9580 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0700-2-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9580\" class=\"wp-caption-text\">Mascolo zog wie zahlreiche seiner Vorredner ein gro\u00dfes Publikum in den Festsaal der Neuen Aula.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Rolle erf\u00fclle es auch heute noch, allerdings habe sich sein Charakter ver\u00e4ndert. Nicht unbedingt zum besseren. Denn laut dem von Mascolo zitierten Timothy Ash sei das Internet auch &#8222;die gr\u00f6\u00dfte Kloake der Welt&#8220;. Die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung sei eines der gr\u00f6\u00dften G\u00fcter \u00fcberhaupt, hielt Mascolo in diesem Zusammenhang fest. Den Mittelweg zwischen m\u00f6glicher Regulierung und Meinungsfreiheit zu finden, scheine angesichts der heutigen Aufgabenstellungen aber enorm schwierig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er mahnt deshalb auch zu Trennsch\u00e4rfe. Die Debatte \u00fcber das Thema der &#8222;Fake-News&#8220; k\u00f6nne schnell der inflation\u00e4ren Nutzung dieses Wortes zum Opfer fallen. Man solle nicht jede kleine L\u00fcge oder harmlose Falschmeldung unter diesem Begriff einordnen. Vielmehr gelte es, gezielte Verbreitung falscher Informationen und bewusste L\u00fcgen, in der Absicht etwas bestimmtes zu erreichen, als solche &#8222;Fake-News&#8220; zu bezeichnen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir sind nicht die vierte Gewalt, das w\u00e4re eine ziemliche Anma\u00dfung&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mascolo machte auch auf m\u00f6gliche L\u00f6sungen aufmerksam. Eine erh\u00f6hte Wertsch\u00e4tzung der journalistischen Arbeit und die Bereitschaft, wieder f\u00fcr Informationen zu bezahlen, stellten demnach einen m\u00f6glichen Baustein dar. Anstatt kostenlose Angebote zu nutzen, k\u00f6nne der Einzelne beispielsweise durch den Kauf von Tageszeitungen im Kampf gegen die falschen Nachrichten mitwirken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9581\" aria-describedby=\"caption-attachment-9581\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9581 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_0687-2-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9581\" class=\"wp-caption-text\">Auch Journalisten sind nicht unfehlbar, gestand der fr\u00fchere Spiegel-Chefredakteur.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er zeigte sich aber auch angenehm selbstkritisch und nahm ebenfalls den Journalismus in die Pflicht. Demut sei in dieser Branche eine wichtige Eigenschaft. Oft genug scheine die heute aber zu fehlen, wie er an verschiedenen Beispielen illustriert. Auch die Gr\u00f6\u00dfe, eigene Fehler einzugestehen, sei gefragt. Er selbst machte sich dabei nicht von Fehlern in der Vergangenheit frei. Zu oft habe er besseren Wissens anders gehandelt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Von Geduld und Wahrheit<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als weiteren Faktor in der aktuellen Problematik identifizierte Mascolo die stets fortschreitende Beschleunigung, die auch den Journalismus immer mehr erfasse. Dieser m\u00fcsse sich die publizistische Arbeit aber wieder entziehen, wenn sie wieder erfolgreich sein wolle, wenn es nach ihm ginge. F\u00fcr Wahrheit sei deshalb Geduld n\u00f6tig. Am Ende seiner Rede formuliert der Leiter des Rechercheverbandes von NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung noch die aus seiner Sicht gr\u00f6\u00dfte Herausforderung unserer Tage. Man m\u00fcsse der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen, auch wenn es m\u00fchsam sei und lange dauern w\u00fcrde. Besonders, wenn es um eine gro\u00dfe und gef\u00e4hrliche L\u00fcge gehe. Aber es besteht Hoffnung. Denn, so Mascolo:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es ist keine einfache Zeit, aber es ist unsere Zeit&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Paul Mehnert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der 14. T\u00fcbinger Mediendozentur sprach Journalist Georg Mascolo \u00fcber Fake-News und deren m\u00f6gliche Folgen. 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