{"id":9605,"date":"2017-06-25T20:12:49","date_gmt":"2017-06-25T20:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9605"},"modified":"2021-02-20T14:01:00","modified_gmt":"2021-02-20T14:01:00","slug":"weniger-ist-wirklich-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/06\/25\/weniger-ist-wirklich-mehr\/","title":{"rendered":"Weniger ist wirklich mehr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Inspirieren und motivieren f\u00fcr ein gutes Leben in der Stadt, ohne viel zu haben und ohne viel zu schaden &#8211; Suffizienz ist das Stichwort. Letzte Woche fand die &#8222;T\u00fcbinger Woche f\u00fcr Suffizienz&#8220; statt, ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch zehn Minuten bevor sein Bus kommt, sprudelt er vor Ideen. Bis <a href=\"http:\/\/jobstkraus.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jobst Kraus<\/a> sich schnell verabschiedet, aus der Fensterfront des Werkstadthauses steigt und zur nahegelegenen Bushaltestelle l\u00e4uft. Ohne gro\u00dfen Sang und Klang: Er wollte mit seinem Vortrag einfach inspirieren, ermutigen, motivieren. F\u00fcr das Konzept der Suffizienz. Wer sich jetzt fragt, was Suffizienz eigentlich ist, ist damit nicht allein. Vielleicht hat man es schon einmal im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit geh\u00f6rt, einer nachhaltigeren Lebensweise \u2013 hei\u00dft das, auf Autos und Flugzeuge verzichten? Suffizienz ist nicht gleich Verzicht, betont Jobst Kraus, der ehrenamtlich und freiberuflich in verschiedenen Nachhaltigkeitsinitiativen arbeitet: Suffizienz bedeutet, kurz gesagt, gut zu leben, statt viel zu haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9608\" aria-describedby=\"caption-attachment-9608\" style=\"width: 517px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/19449321_10213088377634963_664017313_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9608 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/19449321_10213088377634963_664017313_o-517x672.jpg\" alt=\"\" width=\"517\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9608\" class=\"wp-caption-text\">Jobst Kraus setzt sich f\u00fcr Nachhaltigkeit ein und hat in T\u00fcbingen evangelische Theologie, Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert.<span style=\"text-decoration: underline;\"> Foto:<\/span> Miklas Hahn.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Suffizienz ist nicht gleich Verzicht<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat also zwei Seiten: Die eine ist das \u201enicht viel haben\u201c, und so viel weniger Ressourcen verbrauchen, das kann man zum Beispiel durch Tauschen und Teilen erreichen: \u201eWas glauben Sie, wie oft in einem durchschnittlichen Haushalt ein Akkuschrauber \u00fcber seine gesamte Lebensdauer benutzt wird?\u201c 13 Minuten lautet die Antwort \u2013 warum also nicht in jedem Stadtquartier einen Ort haben, an dem schnell mal ein Akkuschrauber ausgeliehen werden kann?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Mehr soziale Kontakte statt immer mehr Dinge<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <a href=\"http:\/\/www.werkstadthaus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Werkstadthaus<\/a> im Franz\u00f6sischen Viertel, wo am vergangenen Mittwoch Jobst Kraus gelauscht und mit ihm diskutiert wurde, macht es bereits vor: Hier k\u00f6nnen unter anderem Werkzeuge ausgeliehen und Fahrr\u00e4der repariert werden. Der Akkuschrauber ist nur eines von vielen Dingen, die der durchschnittliche Haushalt in Deutschland besitzt: 40 000 Gegenst\u00e4nde, wenn man jede Gabel und jedes Messer z\u00e4hlt, sagt Kraus. Suffizienz fragt: Brauchen wir die wirklich? Oder es ist es langsam \u201egenug\u201c (lat. sufficere = genug sein)? Und da kommt die andere Seite der Suffizienz: Wenn wir genug haben, k\u00f6nnen wir uns darauf konzentrieren, mit dem was wir haben, gut zu leben. Ein Akkuschrauber weniger bedeutet: Weniger Geld ausgegeben, das durch kostbare Arbeitszeit \u2013 Lebenszeit \u2013 erworben wurde, weniger Platz und Energie verbraucht, mehr soziale Kontakte, wenn man sich dann in der Quartierswerkstatt trifft, um sich mal schnell einen auszuleihen. \u00a0\u201eEs ist deutlich, dass sich die meisten Menschen f\u00fcr ein gutes Leben vor allem mehr Zeit und mehr soziale Kontakte w\u00fcnschen, anstatt mehr technische Innovation und mehr Dinge zu besitzen. Trotzdem wird technische Innovation gef\u00f6rdert und wir arbeiten sehr viel, um uns immer mehr Dinge zu kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_9606\" aria-describedby=\"caption-attachment-9606\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/19451572_10213088372474834_444334195_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9606 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/19451572_10213088372474834_444334195_o-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9606\" class=\"wp-caption-text\">Franziska Straubel (links) von FIAN und Christina Just (rechts) vom Werkstadthaus haben die &#8222;T\u00fcbinger Woche f\u00fcr Suffizienz&#8220; gemeinsam mit drei anderen Organisationen gestaltet. Mehr Info: http:\/\/www.werkstadthaus.de\/hauptmenu\/stadtteiltreff\/tuebinger-woche-fuer-suffizienz\/.<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Was k\u00f6nnen wir gewinnen wenn wir weniger haben?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kraus wei\u00df aber auch, dass es nicht einfach ist, umzusteuern. Er ermuntert dazu, vor der eigenen Haust\u00fcr zu beginnen und sich zu fragen: Wie k\u00f6nnte dieser Ort aussehen, wo fehlt etwas f\u00fcr ein gutes Leben? Wie k\u00f6nnte ein Zusammenleben aussehen? Wie auch immer die Welt von morgen aussieht: \u201eWir brauchen Suffizienz, denn das auf Effizienz basierende \u201agr\u00fcne Wachstum\u2018, wie es zum Beispiel die Gr\u00fcnen vertreten, haut nicht hin angesichts der Tatsache, dass &#8211; besonders die Industriel\u00e4nder &#8211; die planetarischen Grenzen \u00fcberschreiten und den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens ein Wachstum, wenn auch nicht im Sinne einer nachholenden Entwicklung, zuzugestehen ist\u201c. Dabei ist die Frage nicht: Auf was m\u00fcssen wir verzichten? Sondern: was k\u00f6nnen wir gewinnen, wenn wir weniger haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelfoto:<\/span> Felizia G\u00f6ltenboth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inspirieren und motivieren f\u00fcr ein gutes Leben in der Stadt, ohne viel zu haben und ohne viel zu schaden &#8211; Suffizienz ist das Stichwort. 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