{"id":9702,"date":"2017-07-03T11:25:43","date_gmt":"2017-07-03T11:25:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9702"},"modified":"2021-02-20T13:59:17","modified_gmt":"2021-02-20T13:59:17","slug":"make-america-white-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/07\/03\/make-america-white-again\/","title":{"rendered":"Make America white again"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ingo Zamperoni, der aus den <em>Tagesthemen<\/em> bekannte Moderator, ehemaliger USA-Korrespondent und seit vergangenem Jahr auch Schriftsteller, war vergangenen Freitag beim d.a.i. zu Gast. In seiner Lesung zum Thema \u201eFremdes Land Amerika\u201c sprach er nicht nur offen \u00fcber die aktuellen politischen Ereignisse, sondern auch \u00fcber seine Erfahrungen im Land der unbegrenten M\u00f6glichkeiten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war eines der beherrschenden Themen in den amerikanischen Medien am vergangenen Freitag. Donald Trump, amtierender US-Pr\u00e4sident und gro\u00dfer Fan der sozialen Medien, nutzte einmal mehr seinen privaten Twitteraccount, um seine Missgunst \u00fcber die amerikanischen Medien kundzutun. In dem inzwischen bearbeiteten Tweet bezeichnete er die beiden Moderatoren der Fr\u00fchst\u00fcckssendung \u201eMorning Joe\u201c nicht nur als \u201everr\u00fcckt\u201c und \u201estrohdumm\u201c, sondern unterstellte dem Sender MSNBC zus\u00e4tzlich noch \u201eFake News\u201c zu sein. Bei der blo\u00dfen Erinnerung daran, kann Zamperoni nur den Kopf sch\u00fctteln.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDer Arbeitsalltag meiner Kollegen im Korrespondentenb\u00fcro in Washington beginnt momentan damit, dass morgens zwischen 6 und 9 Uhr erstmal geschaut wird, was Trump am Morgen getwittert hat.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_9706\" aria-describedby=\"caption-attachment-9706\" style=\"width: 505px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/19686275_313744032370533_1763733261_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9706 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/19686275_313744032370533_1763733261_o-505x672.jpg\" alt=\"\" width=\"505\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9706\" class=\"wp-caption-text\">Von 2014 bis 2016 war Zamperoni Korrespondent f\u00fcr das ARD-Auslandsstudio in Washington. Dort hat er auch ein anderes Amerika kennengelernt.<\/figcaption><\/figure><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die t\u00e4glichen Tweets des Pr\u00e4sidenten seien zur Arbeitsgrundlage geworden. Das bedeute aber auch, dass etwa wegen einer unbedachten \u00c4u\u00dferung oder einer ungeplanten Pressekonferenz der Tagesplan der Redaktion umgeworfen w\u00fcrde \u2013 Aktualit\u00e4t schl\u00e4gt Planung, auch wenn sich guter Journalismus nicht in 140 Zeichen festhalten l\u00e4sst. Trump, so der Tagesthemensprecher, sei ein Brandstifter, der von einer wei\u00dfen, abgeh\u00e4ngten Mittelschicht gew\u00e4hlt wurde, um das Wei\u00dfe Haus niederzurei\u00dfen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Diese Menschen w\u00fcnschen sich das wei\u00dfe und sichere Amerika der 50er und 60er zur\u00fcck und Trump erscheint als genau der richtige Mann daf\u00fcr.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Zamperoni das sagt, wirkt er ein wenig hilflos &#8211; an den W\u00e4nden um ihn herum h\u00e4ngen die Bilder der aktuellen Fotoausstellung; darauf zu sehen sind verzweifelte Afroamerikaner, die nach den zahlreichen Morden an jungen M\u00e4nnern in der \u00d6ffentlichkeit demonstrieren, um auf den immer noch vorhandenen Rassismus in den USA aufmerksam zu machen &#8211; niemand wisse so wirklich, wo dies alles hinf\u00fchren soll. Feststehen w\u00fcrde nur, dass nicht allein die Zukunft der USA, sondern die der gesamten freien Welt auf dem Spiel st\u00fcnde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAber vielleicht ist Trump auch eine Chance auf einen Neuanfang. Ist das Land erstmal gegen die Wand gefahren, entsteht dadurch vielleicht etwas Besseres. Das Scheitern war schon immer ein Teil des Amerikanischen Way of Life.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei diesen Worten muss er l\u00e4cheln. Als Korrespondent, der viele Jahre in den USA gelebt und gearbeitet hat, hat Zamperoni auch ein anderes Amerika kennengelernt. Ein Land, das dem typischen, aber sympathischen Klischee der Blaubeer-Muffins, Nachbarschaftsemailverteiler und \u201eHow are you?\u201c-Phrasen tats\u00e4chlich entsprechen w\u00fcrde. Ein flottes \u201elet\u2019s move on\u201c oder auch \u201ekeep going\u201c als Lebensmotto eines ganzen Landes. Zum Ende des Abends merkt Zamperoni dann hoffnungsvoll an, dass man nicht vergessen d\u00fcrfe, dass es auch viele Menschen in den USA gebe, die sich f\u00fcr Umweltschutz, Toleranz und ein friedliches Miteinander einsetzten. Denn wer h\u00e4tte vor zwei Jahren schon geglaubt, dass ein Sozialist wie Bernie Sanders tats\u00e4chlich Chancen gehabt h\u00e4tte, Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span>\u00a0Sara Hillemann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingo Zamperoni, der aus den Tagesthemen bekannte Moderator, ehemaliger USA-Korrespondent und seit vergangenem Jahr auch Schriftsteller, war vergangenen Freitag beim d.a.i. zu Gast. 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