{"id":9777,"date":"2017-07-10T09:19:11","date_gmt":"2017-07-10T07:19:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=9777"},"modified":"2017-07-10T09:19:11","modified_gmt":"2017-07-10T07:19:11","slug":"tuebinger-studierende-im-chaos-von-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2017\/07\/10\/tuebinger-studierende-im-chaos-von-hamburg\/","title":{"rendered":"T\u00fcbinger Studierende im Chaos von Hamburg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Eine Gruppe von T\u00fcbinger Studierenden war unter den Demonstrierenden in Hamburg dabei. Sie protestierten gegen G20. Einer dieser Studierenden berichtet in diesem Beitrag von seinen eigenen Erfahrungen. Dabei ist klar zu benennen, dass es sich um einen Erfahrungsbericht handelt. Die Situation ist aus der Perspektive der Kleingruppe von Demonstrierenden geschrieben.<\/em> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den D\u00e4chern der Altstadt drehen die V\u00f6gel ihre abendlichen Runden. Es ist schwer zu fassen, aber Ruhe umgibt T\u00fcbingen an diesem Sonntagabend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestern um diese Zeit befand ich mich auf einer Kreuzung zwischen dem Schanzenviertel und St. Pauli: Hundertscharen von Spezialeinheiten marschieren in ihren Schutzanz\u00fcgen vorbei. Die Polizei hat alle Ausg\u00e4nge abgesperrt. Wir sind eingekesselt. Wie so oft in den vergangenen Tagen. Vor den etwa 300 Zivilisten t\u00fcrmen sich zwei Wasserwerfer. Die Menge skandiert: \u201eHaut ab! Haut ab!\u201c, immer wieder rufen sie der Polizei zu: \u201eGanz Hamburg hasst die Polizei\u201c. Eine Gruppe von jungen M\u00e4nnern schmei\u00dfen Flaschen auf die Polizei. Die Polizisten st\u00fcrmen auf die Menge zu. Panik bricht aus, die Menschen schreien, rennen davon. Links von mir ist eine D\u00f6nerbude, es herrscht reger Betrieb. Gaffer stehen mit Bier und Yufka in der Hand und betrachten die Szenerie. Manche machen Selfies von sich, Chaos im Hintergrund. Ein M\u00e4dchen sagt zu ihrer Freundin: \u201eDas ist wie im Kino hier\u201c, mit offenem Mund und strahlenden Augen schaut sie zu, wie Menschen von Menschen niedergeschlagen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberall sind Polizisten. Die Wasserwerfer r\u00fccken vor, zielen auf die Menge, zielen auf K\u00f6pfe, zielen auf F\u00fc\u00dfe. Einige fallen hin. Am Rande des Geschehens sammelt ein alter Mann mit einer blauen T\u00fcte die \u00fcberall herumliegenden Pfandflaschen auf. Eine Frau und ihr Freund wollen raus aus dem Gewimmel. Ihr Freund h\u00e4lt sie fest an der Hand. Es ist zu sp\u00e4t. Auch sie werden von der Polizei eingeholt. Ohne Vorbehalte schl\u00e4gt ein Polizist der zierlichen Frau ins Gesicht. Er tut seine Pflicht. Sie liegt auf dem Boden, ihr Freund versucht ihr zu helfen. Sie r\u00fchrt sich nicht. Der Polizist st\u00fcrmt weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter wird Olaf Scholz, Hamburgs Oberb\u00fcrgermeister, von einem \u201eheldenhaften Einsatz der Polizei\u201c sprechen. In den Medien wird von brutalen Demonstrationen gesprochen. Die Demonstrierenden h\u00e4tten die Situation zum Eskalieren gebracht. Ich muss schmunzeln. War es nicht die Polizei, die am Donnerstagabend, die \u201eWelcome to Hell \u2013 Demo\u201c ohne Vorwarnung angriff? Keine Unterschiede machte, jeden niederzukn\u00fcppeln versuchte? War es nicht die FAZ, die sp\u00e4ter kommentieren sollte, dass wer sich H\u00f6lle w\u00fcnsche, auch H\u00f6lle bek\u00e4me?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Demonstrierenden wurde das Leben so schwer wie nur m\u00f6glich gemacht. Das Camp Alturna, indem unter anderem auch T\u00fcbinger Studierende \u00fcbernachteten, war mehrere Male vom Abbau bedroht. Es ist ein eigenartiges Gef\u00fchl, wenn man Nachts um drei von aufgeregten Menschen und einem lediglich 20 Meter \u00fcber dem Camp fliegenden Hubschrauber geweckt wird, seine Sachen zusammenpackt und darauf wartet, dass jeden Moment Polizisten ins Camp st\u00fcrmen, dich niederkn\u00fcppeln, dir deine Sachen wegnehmen. \u201eIch kann nicht glauben, dass die Polizisten und wir wirklich Mitb\u00fcrger sind\u201c, sagt Marcus, ein 22-j\u00e4hriger Dresdner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, mir ist klar, dass die Demonstrierenden oft genug auch selber zur Eskalation beigetragen haben. Mir ist auch klar, dass ich als Demonstrierender keinen objektiven Blick auf die Geschehnisse haben kann. Aber das Vorgehen der Polizei war an vielen Stellen verfassungswidrig und nicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, so zum Beispiel das Vorgehen gegen die Camps. Die Berichterstattung der etablierten Medien sind ein Affront gegen jeden, der in Hamburg demonstriert hat. Nicht nur, weil die Mehrheit der Demonstrierenden friedlich war, sondern, weil die G-20 Berichterstattung tendenzi\u00f6s und staatsaffin war. So wurde unter anderem in einem Bericht von N24 eine friedliche Demonstration als \u201eSolidarisierung der B\u00fcrger\u201c mit der Polizei dargestellt, dabei war die Situation weder eine Solidarisierung, noch wurde sie von Hamburger B\u00fcrgern ausgef\u00fchrt. Es waren Demonstrierende, die die Polizei mit einer friedlichen Blockade und viel Redearbeit dazu brachten, ihre Wasserwerfer abzuziehen. T\u00fcbinger Studierende geh\u00f6rten zu diesen Demonstrierenden. Sie \u00fcberzeugten die Polizei mit Hilfe von parlamentarischen Beobachtern der Partei \u201eDie Linke\u201c von einer friedlichen L\u00f6sung. Davon wurde nicht berichtet. Unter diesen Umst\u00e4nden kann nicht von neutraler Berichterstattung gesprochen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Bild:<\/span> pixabay Tama66<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gruppe von T\u00fcbinger Studierenden war unter den Demonstrierenden in Hamburg dabei. Sie protestierten gegen G20. 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