Tübingen goes Hollywood

Am Montag, den 18. Mai, fand zum vierten Mal die Tübinale, ein vom Tübinger Institut für Medienwissenschaften veranstaltetes Kurzfilmfestival, im LTT statt. Insgesamt wurden zwölf Beiträge gezeigt, die sich teils kritisch, teils sehr amüsant mit dem diesjährigen Thema „Medienkonvergenz und Gaming“ auseinandersetzten.

Montagabend vor dem Landestheater Tübingen: Sommerliche Temperaturen, die tiefstehende Sonne, Männer in Sakkos und Frauen in Cocktailkleidern. Der Anlass dafür: die zum vierten Mal stattfindende Tübinale. Es herrscht ein so großer Andrang, dass die Karten an der Abendkasse nach wenigen Minuten restlos ausverkauft sind. Bei dem Filmwettbewerb hatten die Studierenden die Chance, ihr filmisches Können einem großen Publikum und einer Fachjury zu präsentieren. Die diesjährige Thematik „Medienkonvergenz und Gaming“ wurde von den Studierenden teilweise sehr ernsthaft, aber auch mit viel Witz umgesetzt.

Im drittplatzierten Film „Hard Life of a Gamer“ wurde beispielsweise gezeigt, wie sich die Figuren verschiedener Spiele wie „Lara Croft“ oder „Sims“ im realen Leben verhalten würden, was für viele Lacher im Publikum sorgte. Auch Umsetzungen, die das Leben oder die Universität als Spiel interpretierten, bei dem es darum geht, das jeweils nächste Level zu meistern, gingen das Thema Gaming mit viel Humor an. Doch auch die negative Seite von Games und Medien, wurde in Form von Spiel- oder Handysucht und deren Folgen für das soziale Leben oder dem Verlust der Fähigkeit Realität und Spiel zu unterschieden, thematisiert.

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Das restlos ausverkaufte LTT.

Qualitative und inhaltliche Unterschiede

Die Filme unterschieden sich jedoch nicht nur durch die unterschiedlichen Themen, sondern auch durch ihre Qualität. Vor allem die erst- und zweitplatzierten Kurzfilme überzeugten durch ihre technische Umsetzung, die hochwertigen Bilder und einen professionell wirkenden Schnitt. Hier war deutlich zu sehen, dass die Teams bereits zuvor Erfahrungen im Bereich Film gesammelt hatten. Dies belohnte auch die Jury, die aus den Gewinnerinnen des Vorjahres, mehreren Mitarbeitern des Instituts für Medienwissenschaften, Mitarbeitern von Campus TV sowie dem Zentrum für Medienkompetenz und einem Professor der Hochschule der Medien bestand.

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Die Gewinner des Publikumspreises: „Digital Divide“.

Die Jury vergab den zweiten Platz an das Team „Digital Divide“, deren Film „Spiel mir das Lied vom Leben“ zeigt, mit wie vielen Entscheidungen wir täglich konfrontiert sind. Besonders durch die zwei alternativen Enden, zu denen sie von „Lola rennt“ inspiriert wurden, wurde eine unheimliche Spannung aufgebaut. Diese packende Umsetzung begeisterte auch die Zuschauer, sie ehrten ihn mit dem Publikumspreis.

Der erstplatzierte Film „Der Anarchist“, der vom Team „Murat sein Benz“ eingereicht wurde, zeigt im Stil des Film noir wie ein Werbeexperte schließlich zu roher Gewalt greift, um ein gewaltverherrlichendes Spiel authentisch zu bewerben, nachdem seine vorherigen Vorschläge abgelehnt wurden. Als dafür sogar ein Obdachloser sein Leben lassen muss, stimmt vor allem der Sprecher mit seiner wunderbar rauchigen Stimme nachdenklich: „Krankhafter Ehrgeiz verbiegt die Moral.“

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Die erstplatzierten der Tübinale: „Murat sein Benz“.

Themen mit Diskussionsstoff

Die Filme regen zum Nachdenken und zur Reflexion über das eigene Verhalten im Umgang mit Medien, dem Smartphone und dem Gaming an. Bei vielen Beiträgen wird der Zuschauer gezwungen, sich selbst kritische Fragen zu stellen: Neige auch ich dazu, mich im Spielen oder im Internet zu verlieren? Wie gehe ich mit Medien und meiner Privatsphäre um? Kann ich auch ohne mein Smartphone und die vielen darauf installierten Apps leben? Wie hätte ich mich an der Stelle des Protagonisten entschieden?

Abschließend kann man jedoch sagen, dass die Filme und der ganze Abend vor allem eines macht: Spaß. Denn die humorvollen Filme, die das Thema weniger ernst angegangen sind, sind sehr unterhaltsam. In den Pausen und am Anschluss an die Vorführungen, tauschen sich alle angeregt bei einem Stück Pizza oder einem Getränk in der Hand über das eben Gesehene aus. Für ausreichend Diskussionsstoff wurde durch die Kurzfilme zweifelsohne gesorgt.

Fotos: Janne Ebel

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