Jung und Alt unter einem Dach

Das Projekt „Wohnen für Hilfe“

Am Anfang des Semesters stehen viele Neustudenten vor der Frage: Wo soll ich wohnen? Und: Kann ich mir das überhaupt leisten? Hierfür gibt es das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das günstigen Wohnraum gegen Mithilfe im Alltag anbietet.
von Vivienne Berg
Die meisten Universitätsstädte weisen hohe Lebenshaltungskosten auf und viele Studenten können die hohen Mieten nicht zahlen. Doch was viele nicht wissen: Es gibt die Option des Projekts „Wohnen für Hilfe“, bei dem Studierende bei älteren Personen einziehen und einen Mietnachlass dafür bekommen, dass sie im Haushalt mithelfen. Das können Aufgaben sein wie Kochen, Einkaufen, Putzen, Gartenarbeit und, und, und. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Ursprünglich wurde das Projekt im angelsächsischen Raum ins Leben gerufen und im Laufe der Zeit in Deutschland übernommen. Heute gibt es „Wohnen für Hilfe“ in den meisten größeren Unistädten. So auch in Tübingen.
Im Jahr 2009 bat das Landratsamt Tübingen das Deutsche Rote Kreuz (DRK), bei einem Kooperationsprojekt von Kreis und Stadt Tübingen und dem Studentenwerk mitzuwirken. So gibt es dieses Projekt seit Herbst 2010 auch hier mit dem Ziel, Alt und Jung unter einem Dach durch eine Wohnpartnerschaft zu vereinen.
„Der eine hat Wohnraum, der andere kann helfen. Seit Sommer 2012 bieten auch junge Familien Wohnraum an, dort ist auch Hilfebedarf und freier Wohnraum vorhanden und auf der Gegenseite die Bereitschaft zu helfen und die Notwendigkeit zu günstigem Wohnraum“, so Claudia Stöckl, die Verantwortliche für das Projekt in Tübingen. Ende 2011 gab es in Tübingen nur fünf, jetzt sind es schon 23 Partnerschaften. Doch laufen diese nicht immer reibungslos ab: „Hin und wieder gibt es Probleme, besonders wegen der unterschiedlichen Hygienevorstellungen der Zusammenwohnenden und ihrer gegensätzlichen Einstellung zur Einhaltung verbindlicher Absprachen. Es kam auch schon zweimal zur Auflösung einer Wohnpartnerschaft.“
Die Ziele für die nächsten Jahre sind klar definiert: „Wir wollen auf 50 Wohnpartnerschaften anwachsen und unser Projekt auf Auszubildende ausweiten.“
Doch wie läuft solch eine Wohnvermittlung ungefähr ab?
„Wer sich für eine Wohnpartnerschaft interessiert, weil er über vermietbaren Wohnraum verfügt, meldet sich bei mir. Ich gehe dann zu den potenziellen Vermietern, schaue mir die Wohnung an und fülle mit ihnen den Bewerbungsbogen aus. Studierende bekommen ebenfalls einen Bewerbungsbogen online zugeschickt und bringen ihn mir ausgefüllt wieder. Anhand der Daten versuche ich dann herauszufinden, wer zu wem passen könnte. Als nächstes bekommen die Studierenden nun die Kontaktdaten der Vermieter, damit sie sich selbstständig bei ihnen melden können. Zu einem ersten Zusammentreffen der beiden möglichen künftigen Wohnpartner komme ich in aller Regel nicht. Erst wenn ein Vertragsabschluss bevorsteht, komme ich dazu. Wir verlangen von den Studierenden bei erfolgreicher Vermittlung eine Gebühr von 75 Euro“, so Claudia Stöckl.
Beide Parteien gewinnen bei diesem Projekt: Die Studierenden können günstig wohnen und sich gleichzeitig sozial engagieren. Die Vermieter sind nicht mehr allein und erfahren durch die Hilfe der Studierenden eine Erleichterung des Alltags.

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