FIT FOR MONEY

Der Hochschulsport ist seit diesem Semester kostenpflichtig

Eine überraschende Nachricht erreichte Anfang dieses Semesters die Studierenden. Für das universitäre Sportprogramm muss man seitdem zahlen. Wie kam es dazu, gibt es Vorteile und vor allem: Wo fließt das Geld der Studierenden überhaupt hin?
von Isabell Wutz

Am Montag den 8. Oktober um kurz vor 12 Uhr sitzen tausende Studierende der Universität Tübingen vor ihren PCs und aktualisieren eine Seite immer wieder. An diesem Tag, zu dieser Uhrzeit ist wohl keine Seite beliebter als die Anmeldeseite des Hochschulsports. Tage zuvor erreichte schon eine E-Mail mit wichtigen Informationen über Veränderungen des Hochschulsports die Studierenden. Beim Lesen wurde deutlich, dass ab dem Wintersemester 2012/13 das Sportprogramm kosten- und anmeldepflichtig wurde. Was bedeutet das nun? Zunächst mal, dass man sich für gewisse Sportarten im Vorhinein entscheiden muss. Eine spontane sportliche Betätigung im betreuten Programm ist nicht mehr möglich. Diese überraschende Nachricht war also für viele Studierende der Anlass, sich an diesem besagten Montag vor die Bildschirme zu setzen und zu warten, bis die Uhr 12 schlug und die Seite für die Anmeldungen freigeschaltet wurde. Als es dann so weit war, brach der Server zusammen. Frustriert und verärgert saßen die Studenten noch über eine Stunde vor ihren PCs, um sich für ihren Lieblingskurs anzumelden, nur um dann zu erfahren, dass sie auf der Warteliste gelandet waren. Diese radikale Umstellung führte zu Missmut und Unverständnis und der Frage, wie es dazu kam.
Schaut man sich die offiziellen Aufgaben und Funktionen des Hochschulsports näher an, findet man folgene Definition: „Die Förderung von Sport, Bewegung und Gesundheit, die gesellschaftliche Integration, die Bereitstellung von Angeboten (…)“. Doch werden diese Punkte durch die nun benötigte Anmeldung und Bezahlung des Programms noch gewährleistet?
Viele Studierende nutzen den Sport, um einen Ausgleich zu dem Druck und den Herausforderungen im Studium zu schaffen. Sich spontan nach einem miesen Tag an der Universität mit sportlichen Aktivitäten zu entlasten, ist ein wichtiger Teil des studentischen Lebens. Doch mit diesem Luxus ist es jetzt vorbei.
Vorbei ist es aber auch mit den überfüllten Kursen und Hallen, wo man kaum Platz hatte, sich zu bewegen. Über die letzten Jahre hinweg ist die Zahl der Teilnehmer stetig gestiegen und laut Ingrid Arzberger, Leiterin des Hochschulsports, hat man nun endgültig eine „Kapazitätsgrenze“ erreicht. Die Qualität der Kurse hatte früher schon unter den hohen Teilnehmerzahlen gelitten und mit dem doppelten Jahrgang und dem Aussetzen der Wehrpflicht konnte man auch keine Besserung erwarten. Wenn statt 250 zugelassenen Leuten 500 in der „Spielhalle” trainieren, leidet nicht nur das Material und die Halle, auch der Versicherungsschutz ist nicht mehr gewährleistet. Diese ständige Belastung war für Mensch und Material auf lange Sicht nicht mehr tragbar und man kam zu dem Entschluss, eine Anmeldung einzurichten. Doch wieso muss man zahlen? Wie konnte es Jahre zuvor funktionieren und nun nicht mehr?
Frau Arzberger sagt dazu: „Mein Vorgänger hat in den letzten Jahren einen Puffer aufgebaut, der nun leider zu Ende geganden ist.” Die Kosten für weitere angemietete Hallen und für den Erhalt der eigenen Gebäude sind weiter gestiegen. Die Haushaltszuweisung der Universität blieb unverändert, obwohl zusätzlich die Gehälter für Mitarbeiter, Hiwis, Sportreferenten, Schließdienst und Kontrollen weiterhin vom Hochschulsport getragen werden müssen. Bei dieser finanziellen Lage ist das Kursgeld nur „ein kleiner Tropfen“ der zum Gesamtetat des Hochschulsports beiträgt. Weitere Kurse anzubieten ist momentan nicht möglich, da die Hallen von den Tübinger Schulen und Vereinen voll ausgenutzt werden. Doch Hoffnung besteht, denn Pläne für eine neue Halle existieren schon. Bis dahin kann es noch ein weiter Weg sein, wobei man den „Kinderkrankheiten“ wie Serverabstürzen, die den Hochschulsport noch belasten, versucht entgegenzuwirken. Veränderungen wie eine zeitversetze Anmeldung oder „Fliegende Tickets“ (Sportkarten, die es ermöglichen bei einem unterbesetzten Kurs noch teilzunehmen) lassen auf Verbesserung hoffen. Zu erwarten ist dann nur noch, dass es mehr Transparenz für die Studenten gibt und man nicht plötzlich wieder von einer großen Veränderung im Studentenleben überrascht wird.

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