Tattoos in Tübingen: TATsache

Vögel, Muster, Schriftzüge: egal ob bunt oder schwarz immer häufiger sind sie zu sehen- TATTOOS! Der Sommer ist zwar vorüber, doch der Charme des Exotischen und des Gefährlichen tragen längst nicht  nur Biker und Amazonen! 

Was es zu beachten gibt, wenn wir uns ein Tattoo stechen lassen wollen verrät uns Lucie Krämer-Haas, Inhaberin des Tatsache Tattoo und Piercin Studio Tübingen:

Was sind die Voraussetzungen für mein erstes Tattoo?

Das Mindestalter ist 18 Jahre und mitgebracht werden sollte: Eine gewisse Vorstellung was für ein Motiv gewünscht wird und den Tattoostil, den du gerne hättest. Es reicht auch nur eine vage Idee oder einfach ein gewisses Thema zu haben, nachdem dann deine individuelle Tätowierung gestaltet wird.

Wichtig ist, bevor man sich für ein Tattoostudio entscheidet, sich Gedanken über den Tattoostil zu machen, ob es nun schwarz-weiß, Comic, fotorealistisch,… sein soll und danach den geeigneten Tätowierer aufzusuchen.

Wie ist der Ablauf für eine Tätowierung?

Für einen Tätowiertermin gibt es vorher eine Besprechung, denn ich habe keine Tätowiervorlagen in Ordnern zur Auswahl. Ich mache für jeden Kunden seine eigene individuelle Tätowierung. Dies bedeutet die meisten Kunden kommen mit einer Idee zu mir und haben ein paar Fotos ihrer Vorstellung mit dabei. Danach arbeite ich (beim Zeichnen ist der Kunde normalerweise nicht mehr dabei) eine Zeichnung seines Tattoos aus. Das passiert jedoch meistens nicht mehr am ersten Termin, denn meine Kundschaft will schon genau wissen was sie bekommt. Manchmal müssen noch Sachen verändert werden vor allem bei größeren Tattoos. Erst wenn die Zeichnung dem Kunden gefällt geht es ans Tätowieren.

Danach wird das Motiv des Tattoos auf die Haut gebracht durch ein sogenanntes Stancil (Abziehbildchen), welches nur die Farblinien beinhaltet. Das Stancil ermöglicht mir zu sehen, ob das Tattoo von seiner Größe, Form und Platzierung überhaupt passt und wie es sich bei Verzerrungen verhält (z.B. Handgelenk – Verzerrung bei Bewegungen).

Größere Tattoos werden in verschiedenen Schritten gemacht, dies kommt auf die Größe und das Motiv an. Bei den meisten Kunden ist nach 2,5 bis 3,5 Stunden tätowiert werden dann Schluss, da macht oft die Schmerzbelastbarkeit nicht mehr mit.

Wie genau kommt die Farbe bei einem Tattoo unter die Haut?

Es gibt zwei Arten von Tätowiermaschinen: Einmal die Spulmaschinen, die mit zwei kleinen Elektrospulen einen Magnetismus erzeugen, diese Schwingung wird auf die Nadel übertragen, die in die Haut in schnellen Schwingungen kurz eindringt.
Der Vorgang ist ähnlich dem einer Nähmaschine, nur dass die Nadel viel schneller ihre Bewegungen macht.
Die zweite Variante sind Rotaries, dass sind Elektromotoren die sich drehen und die Nadel so in Bewegung versetzen. Die Rotaries sind sehr leise im Gegensatz zur klassischen Spulmaschine.
Durch den Aufschlag auf die Haut schiebt die Nadel die Farbe unter die Haut, wenn die Nadel mit der Geschwindigkeit aufprallt wird durch den Unterdruck die Farbe in die Haut gezogen.

Ich tätowiere nach Gefühl, denn je nach Hautstelle ist die Haut anders, nehmen wir als Beispiel den Oberarm der eine ganz andere Struktur hat als der Ellenbogen. Hinzu kommt noch, dass der Oberarm nicht bei jedem gleich ist, so hat ein Zimmermann einen ganz anderen Oberarm als die 20 Jährige Studentin.

Was gibt es zu beachten, wenn ich tätowiert worden bin?

Frisch tätowierte Haut ist wie eine Schürfwunde – d.h. es ist keine starke Verletzung der Haut es bildet sich ein Schorf der nach 8 -10 Tagen wieder verschwindet je nach Hauttyp.
In der Zeit darf nicht gebadet werden, jedoch ist Duschen kein Problem. Die gereizte Haut sollte mit bestimmter Salbe gut eingecremt werden und die gereizte Haut vor Sonneneinstrahlung so gut es geht bewahren.
Der Sommer ist generell eine blöde Zeit für die Tätowierung, da die Farben nicht lichtecht sind und bei UV-Strahlung verblassen. Die Regeneration der Haut nach einer Tätowierung braucht 6-8 Wochen braucht um ihre natürliche Dicke wiederherzustellen. Darum sollte nach einer Tätowierung im Sommer am Oberarm die nächsten 3 Wochen T-Shirt getragen werden.
Der Winter ist daher die bessere Zeit um sich tätowieren zu lassen.

Gibt es bei Tattoos zur Zeit im Trend liegende Tattoos?

Im Trend liegen heute Schriftzüge, Federn und Vögel, die als kleine Tätowierungen auch sehr beliebt.
Die favorisierten Körperstellen sind momentan der Rippenbogen, das Handgelenk und die Klassiker Schulterblatt, Oberarm und Unterarm.
Man muß aber sagen, daß der Trend auch zu immer größeren Tätowierungen geht. Ich glaube das liegt daran, dass Tätowierungen doch mittlerweile relativ normal sind, um da noch aufzufallen muß es eben immer Größer werden.
Mittlerweile sind durch Qualität der Farben, Nadeln und Maschienen der Kreativität kaum mehr Grenzen gesetzt.
Man sollte aber auch immer die Hautalterung und dadurch das Altern der Tätowierung berücksichtigen, denn die Tätowierung soll ja auch noch nach 10 Jahren gut aussehen.

Wie sieht das Spektrum von Tätowierten bei dir aus?

Das ist ein sehr gemischtes Publikum von ganz Jungen (Schüler, Studenten) und auch sehr großes Publikum von Frauen zwischen Mitte 40 und Mitte 60 – ich hatte sogar eine 63-jährige Frau, die sich ihr erstes Tattoo hat stechen lassen.

Wie wird der Preis für das Tattoo berechnet?

Ich tätowiere nach Stunde am Tätowiertermin. Zeichenarbeiten lassen sich die wenigsten Tätowierer bezahlen. Machne Tätowierer machen aber auch vorab einen Festpreis für die Tätowierung aus.

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Ich selber wollte eine Tätowierung haben und wollte diese selber gezeichnet haben. Schon in der Schule und auch persönlich habe ich gerne viel gezeichnet.
Dann habe ich die Schule geschmissen und habe hier und dort mal was gemacht und habe gemerkt das Zeichnen liegt mir und wollte das als Beruf angehen. Daraufhin habe ich mehrere Tätowierer in der Umgebung angefragt. Damals war es noch so dass 10.000 bis 20.000 Mark für eine Ausbildung gezahlt werden mussten, was heißt drei Jahre kein Geld zu verdienen, nur putzen und zuschauen. Jedoch hatte ich das Glück in Tübingen an einen Tätowierer zu gelangen bei dem ich ein Praktikum machen konnte. Letztendlich habe ich das erste Mal tätowiert und war selbst noch nicht tätowiert.

Es ist beim Tätowieren wie eine Sucht. Man will immer mehr – dieses Glücksgefühl und das Adrenalin, wenn man es geschafft hat. Während ich für meine ersten Motive lange Zeit gebraucht habe um mich zu trauen, ist mir die Auswahl meiner Motive danach immer schneller von der Hand gegangen. Da kann die Auswahl auch schon einmal spontan werden im Gegensatz zu meinen ersten drei Motiven.

Hast du dein Tattoostudio übernommen oder dir selbst aufgebaut?

Mein Tattoostudio habe ich mir alleine aufgebaut. Ich will es zum Jahreswechsel vergrößern, dass ständige alleine arbeiten stresst mich schon. Mein Tattoostudio wird umbenannt in die Villa Bunter Hund. Bisher mache ich alles nur über Termine, da ich Mutter von drei Kindern bin, ist dass auch immer eine Frage mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
In meinem größeren Studio, können dann auch Gasttätowierer arbeiten, was eine gute Qualität verschiedener Stielrichtungen möglich macht. Außerdem versuche ich auch Platz für andere kreative Leute zu schaffen- es müssen nicht immer nur Tätowierungen sein. Und ich erhoffe mir, meinen Terminkalender dadurch auch etwas zu entspannen.

Für weitere Informationen: https://www.facebook.com/pages/Villa-Bunter-Hund/612028258894971?ref_type=bookmark

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