HAST DU ES DRAUF?

Tübinger Studierende sprechen über Anforderungen, Stress und Durchhaltevermögen im Uni-Alltag


Johannes
Physik, 3. Semester
„Ich könnte durchaus mehr für mein Studium machen. Überfordert bin ich aber nicht! Ich bin mit der Wahl meines Studienfachs zufrieden und glaube auch, genügend Motivation mitzubringen. Natürlich braucht man auch eine Portion Talent. Das hängt aber auch wiederum am jeweiligen Interesse. Schon während der Schulzeit habe ich mich sehr für Physik interessiert und mich daraufhin entschieden dieses Studienfach zu belegen. Obwohl man immer etwas tun muss, bleibt die Lernerei überschaubar. In Prüfungsphasen ist der Aufwand natürlich höher und dementsprechend mehr mache ich dann.
Dass Studenten nicht wissen, wann der Zweite Weltkrieg stattgefunden hat, kann ich mir nicht vorstellen! Das sie nicht so gut Kopfrechnen können, ist eine andere Sache. Im Studium bewegen wir uns einfach auf einer anderen, abstrakteren Ebene. Es gibt aber auch Professoren, die nicht im Kopf rechnen können, so auch unser Matheprof. Der hat sich neulich bei einer einfachen Matheaufgabe an der Tafel verrechnet. Das finde ich aber gar nicht so schlimm! Wir haben schließlich die Möglichkeiten, auch ohne Kopfrechnen gut klarzukommen. Warum sollten wir diese nicht nutzen, um wissenschaftlich zu arbeiten? Das Studium ist nunmal sehr zeitintensiv. Man muss gerade in Prüfungsphasen noch mal mehr Zeit investieren als sonst. Da kann man sich nicht an solchen Dingen wie Kopfrechnen aufhalten, sondern muss komplexere Themen angehen. Schließlich spezialisiert man sich in jedem Fach relativ früh.“

Mareike
Geschichte mit Nebenfach Germanistik, 1. Semester
„Ich glaube, dass jeder Ersti zu Anfang des Studiums überfordert ist. Der Unialltag an sich ist eine Herausforderung, in die ich mich sicher bald hereinfinden werde. Man kommt ja gerade frisch von der Schule und ist dieses eigenständige Arbeiten noch nicht so gewohnt. Deswegen will ich vorerst nicht nebenher arbeiten, sondern mich erst in den Unialltag hineinfinden.Vor allem der volle Stundenplan ist zu Anfang abschreckend. Mit viel Ehrgeiz und Eigenorganisation findet man sich aber recht schnell zurecht. Man kann sich den Arbeitsaufwand auch mehr selbst einteilen. So sehe ich den großen Vorteil des Studiums darin, dass ich nun meine Zeit selbst organisieren und auch zu Hause „studieren“ kann. In der Schule musste ich dagegen mehr vor Ort machen.
Ich denke, dass das Interesse am jeweiligen Fach ein erfolgreiches Studium garantiert. Deswegen studiere ich auch nicht Mathe…
Obwohl ich eigentlich Medien­wissenschaften studieren wollte, leider aber keinen Platz bekam, hat mich das Geschichtsstudium nicht enttäuscht. Ich hatte Geschichte bereits als Leistungskurs in der Schule und dementsprechend viel Interesse bringe ich mit. Überraschenderweise muss ich für mein Hauptfach viel weniger tun, als für mein Nebenfach! Ich denke aber, dass die stressige Phase da noch kommen wird. Germanistik beansprucht schon viel Zeit. Man muss viel lesen und zusammenfassen und je nach Umfang des Textes kann das bis zu drei Stunden dauern.“

Lenka und Carolin
Jura, 3. Semester
Lenka:
„Ich finde, dass  man für ein jedes Studium ein allgemeines Interesse aufbringen sollte. Ein punktuelles Wissen reicht nicht aus! Man muss offen für alles und  dazu in der Lage sein, sich in diverse Bereiche hineinarbeiten zu können. Jura war für mich etwas Neues, eine besondere Herausforderung, da das Fach in der Schule nicht angeboten wurde. Ob ich mich weiter dieser Herausforderung stelle, weiß ich aber noch nicht.“
Carolin:
„Wir haben wenig Pflichtveranstaltungen, aber die Masse an Stoff, der zu bewältigen ist, ist groß. So wird das Studium zum Alltag und man muss die Freizeit drumherum bauen. Natürlich versuche ich mir die Zeit freizuschaufeln, schließlich ist auch ein Ausgleich neben dem Studium sehr wichtig!“

Sebastian
Economics und Business
Administration, 1. Semester
„Ich habe schon zu Schulzeiten mein  Interesse für Wirtschaft entdeckt. Nach einem Praktikum im Marketing habe ich mich dann für das VWL-Studium entschieden. Gerade das Grundstudium ist sehr mathelastig und erfordert hohe Selbstdisziplin. Das hatte ich auch nicht anders erwartet. Ich freue mich aber schon darauf, wenn das Grundstudium abgeschlossen ist und ich mich konkreter auf den Marketingbereich spezialisieren kann.
Einen Taschenrechner benutzen wir so gut wie kaum. In den Klausuren ist ein programmierbarer Taschenrechner sogar verboten! Die Thematiken der Vorlesungen erscheinen oft sehr schwierig. Setzt man sich danach aber nochmals gezielt mit dem Stoff außeinander, wird alles klarer. Ich investiere täglich zwei bis drei Stunden in die Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen. So bleibt der Aufwand machbar und ich habe immer noch ausreichend Freizeit. Einmal die Woche spiele ich Fußball und das ist mir auch als Ausgleich zu meinem Studium wichtig. Das Studium erfordert vor allem gute Eigenorganisation. Außerdem muss man  sich eigenständig weiterbilden können. Aufgrund der rapiden Spezialisierung darf man sich nicht gehen lassen, was Allgemeinwissen und so weiter angeht. Dementsprechend behaupte ich, dass ich mich als VWLer auch gut in Wort und Schrift ausdrücken kann. Ich finde es generell ziemlich abwegig, zu behaupten, dass Studenten nicht mehr über ausreichendes Allgemeinwissen verfügen. Unabhängig davon, was man studiert, liegt es bei einem selbst, sich zu bilden.“

Aufgezeichnet von Anna Nisch

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