Kein kaltes Kino

Die Kinos Tübingens waren vom 4. bis 10. November ganz auf Frankreich eingestellt: Bereits zum 27. Mal fanden die Französischen Filmtage statt. Über 70 Werke von Filmemachern der französischsprachigen Welt wurden hier und in Stuttgarter Kinos vorgestellt. Zum ersten Mal organisierte Christopher Buchholz, der als Schauspieler unter anderem in Luther mitwirkte, die Veranstaltung.

Von Hannah Steinhoff

Übergreifendes Thema des Festivals war das Motto „Fast schon menschlich – Déjà presque humain“. Die Grenzen menschlichen Handelns seien für ihn besonders interessant, so Christopher Buchholz. „Auf der einen Seite haben wir die Orang-Utan Dame aus der Dokumentation Nénette, deren Verhalten erstaunlich menschlich ist – und auf der anderen zeigt ein Film wie Moloch tropical, wie korrupt wir Menschen selbst mit einander umspringen.“

Besonders freue er sich über die vielen jungen Talente, deren Werke bei den Filmtagen erstmals einem deutschen Publikum vorgestellt wurden. „Es sind junge Filme, frech und intelligent“, so Buchholz. Ein Beispiel dafür: Les amours imaginaires von Xavier Dolan aus Québec. „Er ist 21 und er ist ein Meister“, sagte Buchholz begeistert.

Aufstrebende Filmemacher aus der Region stellten ihre Werke beim Cinéslam vor, bei dem eine Anzahl von Kurzfilmen gezeigt wurde. Die größere Einbeziehung von Kurzfilmen sei eine Bereicherung für das Festival, so Buchholz, denn diese Form erlaube es Künstlern, sich auf Bilder und Effekte mehr als auf die Dramaturgie zu konzentrieren.

Zur Förderung des Nachwuchses vergaben die Veranstalter mit Unterstützung verschiedener Sponsoren mehrere Preise. Der mit insgesamt 22.500 Euro dotierte Publikumspreis ging an Romain Goupil für den Film Les mains en l’air – Hände hoch, in dem eine Gruppe Pariser Grundschüler mit allen Mitteln die Abschiebung ihres Freundes zu verhindern versuchen. 20.000 Euro des Preisgelds sollen an einen deutschen Filmverleih gehen, um den Film auch in andere deutsche Kinos zu bringen.

Dass die Französischen Filmtage auch an Studierende als Publikum sehr interessiert seien, betonte Christoph Buchholz. „Wir wollen hier kein kaltes, ‚intellektuelles‘ Kino zeigen“, sagte er. „Studenten sind keine Idioten. Aber anspruchsvoll muss nicht immer bedeuten, dass nur der Kopf angesprochen wird. Mir ist wichtig, dass Filme emotional anspruchsvoll sind.“

Auch hinter den Kulissen waren viele Studierende beteiligt. Das Veranstaltungsteam beinhaltete eine Reihe engagierte Studenten und Studentinnen, die sich zum Beispiel um die Organisation des Festivals, das Marketing und die Unterbringung der Gäste kümmerten. Studierende des medienwissenschaftlichen Seminars organisierten ein Festival TV, welches mit Interviews und Studiosendungen über die beteiligten Künstler und Organisatoren berichtete.

Zum Schluss die Frage, was denn das französische Kino so besonders macht. Christopher Buchholz, der sein Leben mit dem französischen und deutschen Film verbracht hat, sieht die Antwort im Umgang mit Emotionen: „Der französische Film hat mehr Leichtigkeit, wenn es um die Darstellung von Gefühlen geht.“

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