Das Jugendhaus Schloss Einsiedel ist ein geschichtsträchtiger Ort, der seit der Erbauung im Jahr 1482 viele Gesichter gesehen hat. Es befindet sich im Süden des Naturparks Schönbuch auf einer großen Lichtung – dem Einsiedel. Dieser liegt zwischen Pfrondorf und Kirchentellinsfurt und lockt nicht nur Wanderer, sondern auch Weltunternehmen an.

Turmfalken, die im Wind segeln, haben hier ihr Zuhause. Am Einsiedel kann man den Lärm des Alltags hinter sich lassen und die Ruhe genießen. Nur das Rauschen der Blätter ist hörbar. Die reine Luft schenkt Erholung, herbstlich geschmückte Bäume umringen die beeindruckende Weite.

Ein Ort mit Anziehungskraft

Es ist ein Gefühl, das vor etwa 2000 Jahren schon Kelten und Römer anzog. Spuren ihres Lebens am Einsiedel lassen sich auf einem archäologischen Pfad entdecken.

Später taucht das wohl bekannteste Gesicht auf: der Universitätsgründer Graf Eberhard im Barte. Er ließ auf der Lichtung ein Jagdschloss erbauen und gründete zehn Jahre später den Stift St. Peter in der Nähe seines Schlosses. Dieser sollte ein Ort der Ruhe und Vereinigung sein, an dem alle Stände gemeinsam leben und beten: Adelige, Geistliche und das Bürgertum. Eingebettet in die großen Wald- und landwirtschaftlichen Flächen. Nach seinem Tod ließ sich Graf Eberhard 1496 dort begraben und wurde erst später in die Grablege der Tübinger Stiftskirche verlegt.

Vom ursprünglichen Schloss ist heute nur noch der ehemalige Schlossturm und Schlossgraben erhalten.
Vom ursprünglichen Schloss ist heute nur noch der ehemalige Schlossturm und Schlossgraben erhalten.

„Jugendherberge Royal“

Danach durchlebte das Schloss eine wilde Zeit. Nachdem es zu Beginn des 17. Jahrhunderts abbrannte, wurde es wieder aufgebaut. Herzog Karl Eugen von Württemberg ließ sich im 18. Jahrhundert am Einsiedel ein Lustschloss mit Gestüt bauen. Nach vielen baulichen Veränderungen wurde es 1929 unter Denkmalschutz gestellt. Das Schloss beherbergte zwischenzeitig Studierende aus der ehemaligen DDR, bis dann 1964 ein Jugendhaus entstand, mit den katholischen Dekanaten Rottenburg und Reutlingen als Träger.

Wo früher Grafen und Herzöge lebten, übernachten heute Jugendgruppen in Holzstockbetten. Seinen royalen Charme hat das Schloss jedoch nicht verloren. Es ist seit 1823 im Besitz der Hofkammer des Hauses Württemberg.

Die begehrten, großen Flächen des Einsiedels – auch Daimler wollte hier wirken.
Die begehrten, großen Flächen des Einsiedels – auch Daimler wollte hier wirken.

Zuckerrüben und schnelle Autos

Nicht nur Naturliebhaber und Schulklassen interessieren sich für den Einsiedel. Die Nutzfläche um das Schloss ist rund 340 Hektar groß und wirtschaftlich attraktiv. Sie wurde 99 Jahre lang an die Firma Südzucker AG verpachtet, die dort Zuckerrüben anpflanzte und Saatgut-Versuche anstellte.

Nach der Kündigung des Pachtvertrages 2011 gab es neue Pläne: Der Autohersteller Daimler AG wollte auf dem Einsiedel eine Teststrecke einrichten, Gemeinderat und Bürger wehrten sich jedoch gegen diese. Die Flächen werden seitdem von der Hofkammer selbst bewirtschaftet.

Anreise:

Mit dem Bus: Buslinie 7 in Richtung Pfrondorf, Ausstieg Pfrondorf Rathaus. Von dort erreicht man den Einseidel nach einem halbstündigen Fußweg.

Mit dem Auto: Über die B27, Ausfahrt Kirchentellinsfurt/Baggersee. Danach der Beschilderung „Hofgut Einsiedel“ folgen.

Weitere Infos:

Jugendhaus Schloss Einsiedel:

http://www.schloss-einsiedel.de/index2.html

Karte des geschichtlichen Lehrpfads Einsiedel:

http://karte.wanderwalter.de/tuebingen/319727_Rundwanderwege-Tuebingen-Pfrondorf-Einsiedel-3

Fotos: Beate Münzenmaier

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